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Trainieren für den Ernstfall: Realitätsnah, unter Zeitdruck und mit Teamgeist

Auch heute noch werden in Kosovo immer wieder nicht detonierte Kampfmittel gefunden. Wenn die Meldung über den Fund eines Sprengkörpers an die KFOR gelangt, dann wird ein Team für Kampfmittelbeseitigung – Explosive Ordnance Disposal (EOD) – aufgeboten. Die Schweizer Armee stellt der KFOR ein solches Team zur Verfügung, die Spezialisten sind Teil des SWISSCOY Kontingents 48. Auch in diesem Bereich ist regelmässiges Trainieren nötig, um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Gemeinsam mit dem Medical Team und dem Stab des Kontingents fand kürzlich im Einsatzraum eine entsprechend angelegte Übung statt.

15.08.2023 | Oberstlt Andreas Rohner, Stabschef und Fachof Xhetare Rexhaj, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 48

Ein Kombinationstraining des Schweizer EOD-Teams mit den MEDICS des SWISSCOY Kontingents 48 und einem Sanitätshelikopter der U.S.- amerikanischen Streitkräfte.
Ein Kombinationstraining des Schweizer EOD-Teams mit den MEDICS des SWISSCOY Kontingents 48 und einem Sanitätshelikopter der U.S.- amerikanischen Streitkräfte.

Es ist Samstagmorgen, die Übung beginnt: Das Schweizer EOD-Team erhält den fiktiven Auftrag, einen unbekannten Sprengsatz in der Umgebung Harilac zu untersuchen und zu entschärfen. Während der Arbeit am Sprengkörper ereignet sich ein folgenschwerer Zwischenfall, die Explosion verletzte zwei der Teammitglieder schwer.  
Diese Ausgangslage war das Szenario der Übung „HARILAC“, einem Kombinationstraining des Schweizer EOD-Teams mit den MEDICS des SWISSCOY Kontingents 48 und einem Sanitätshelikopter der U.S.- amerikanischen Streitkräfte. Zeitgleich bot diese Übung auch die Grundlage für das Training des Stabes der SWISSCOY 48 für die Bewältigung eines Notfalles. Übungsleiter für „HARILAC“ war der Chef des Schweizer EOD-Teams, die Verantwortung über Übungsteil des Stabs lag beim Stabschef des Kontingents, Oberstleutnant Rohrer. 


Das Notfallszenario 

Unmittelbar nach dem fiktiven Unfall wurde das Schweizer MEDIC-Team aufgeboten. Sie trafen zwei schwerverletzte Mitglieder des EOD-Teams an: bei der Detonation verlor ein Soldat seine Hand, ein zweiter hatte massive Blutungen im Bauchbereich und sein Kreislauf war kollabiert. Sofort wurde durch eine Equipe die Reanimation eingeleitet und die anderen kümmerten sich um den Patienten mit der Handverletzung.Zeitgleich traf die Meldung über den Zwischenfall via Notfallnummer bei der Schweizer MOVCON (MOVment CONtrol) ein. Dabei handelt es sich um das Team an Angehörigen der SWISSCOY, welches Tag und Nacht im ganzen Einsatzraum die Bewegungen unserer Soldatinnen und Soldaten im Auge behält, um in einem Notfall sofort reagieren zu können. Umgehend wurde über die Kontingentsführung das Notfallszenario „PLUTO“ ausgelöst und damit alle verfügbaren Stabsangehörigen in den Führungsraum aufgeboten. Mit routinierter Präzision wurden dort der Notfalldesk hochgefahren, die aktuellen Informationen auf der Führungskarte ergänzt und der Orientierungsrapport, vorbereitet. Die Leitung des Notfallstabes übernahm als ranghöchster Offizier der Chef Einsatz/Planung/Ausbildung (S3/5/7), Major Burch. Noch während dieser Vorbereitungsarbeiten trafen im Minutentakt neue Informationen von der Unfallstelle ein: Die Wiederbelebung zeigte noch keinen Erfolg, der Patient verlor viel Blut durch die grosse Bauchwunde. Beim zweiten Verletzten sammelte sich durch die erlittenen Brustverletzungen Luft zwischen Lunge und Brustkorb an, es entwickelte sich ein sogenannter Pneumothorax, welcher unbehandelt lebensgefährlich ist und vorübergehend eine höhere Priorität erhielt als die verstümmelte Hand. 

Auf Hochtouren

Nachdem der Krisenstab im Hauptquartier in kürzester Zeit seine volle Leistungsfähigkeit erlangt hatte, wurden umgehend Unterstützungsmassnahmen eingeleitet. Über die zentrale Sanitäts-Koordinationsstelle der KFOR (PECC) wurde eine medizinische Evakuierung der verletzten EOD-Spezialisten per Helikopter angefordert, ein MEDEVAC. Gleichzeitig wurde der Kontakt wurde der fiktive Kontakt mit dem Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans-Oberdorf, aufgenommen. Dann traf die Nachricht ein, dass die Reanimation nach vierzig Minuten ohne Wirkung abgebrochen werden musste. Obwohl alle Angehörigen des Kontingents stets hoffen, dass dieser schlimmste Fall niemals eintrifft, ist es enorm wichtig, auf ihn vorbereitet zu sein. Der zweite Patient wurde mittlerweile per Helikopter ins nächstgelegene Spital evakuiert und dort umgehend behandelt. Die Benachrichtigung der Angehörigen, die Information an die vorgesetzten Stellen, die korrekte Behandlung, der Transport, die Rückführung ins Heimatland, die psychologische Unterstützung der betroffenen Angehörigen des Kontingents – alle diese Massnahmen muss der Notfallstab in würdiger, aber effizienter Weise organisieren.
Gegen Mittag wurde die Übung beendet. Die jeweiligen Übungsleiter analysierten die gezeigten Leistungen und Resultate, welche in der anschliessenden Übungsbesprechung gewürdigt wurden. Die Nachbearbeitung unter Einbezug aller Beteiligten ist für solche Übungen von zentraler Bedeutung. Dies gilt insbesondere, wenn neues Material oder neue Prozesse eingeführt werden. Nur durch realitätsnahe und regelmässige Trainingsszenarien können wir uns auf die Situationen vorbereiten, von denen wir alle hoffen, dass sie niemals eintreten werden. 

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