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Drei Tage unterwegs auf Strasse und mit Fähre

Monatlich fährt ein Lastwagen-Konvoi von Kosovo in die Schweiz und zurück, um Fahrzeuge und Material zu transportieren, die zu gross und schwer für den Lufttransport sind. Der Konvoi ist somit die Nabelschnur in die Heimat. Die Fahrt hin und zurück durch verschiedene Länder und Regionen ist für die Chauffeure immer wieder ein Erlebnis – so auch der 500. Konvoi.

18.07.2023 | Fachoffizier Xhetare Rexhaj, Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY 48

Für den 500. Konvoi ist Soldat Andreas Weder als Konvoi-Chef verantwortlich. Er ist Angehöriger des SWISSCOY-Logistikzugs und verfügt mit 19 Konvoi-Fahrten über eine grosse Erfahrung.
Für den 500. Konvoi ist Soldat Andreas Weder als Konvoi-Chef verantwortlich. Er ist Angehöriger des SWISSCOY-Logistikzugs und verfügt mit 19 Konvoi-Fahrten über eine grosse Erfahrung.

Einen militärischen Konvoi mit fünf beladenen Fahrzeugkombinationen (vier Lastwagen mit Anhänger und ein Sattelzug) mit je zwei Chauffeuren von der Schweiz über das adriatische Meer nach Kosovo zu schicken bedarf einer genauen Planung aller Phasen. Die Verantwortlichen der Logistik müssen Bewilligungen einholen, um mit militärischen Fahrzeugen und uniformiertem Personal zuerst Italien und dann Albanien durchqueren zu dürfen. Ausserdem muss das Material ausgemessen, gewogen und an allen Zöllen angemeldet werden. Der Planungsstand wird auf einem umfangreichen Masterplan dargestellt. Dies ist monatlich eine beachtenswerte Teamleistung zwischen dem Logistikverantwortlichen der SWISSCOY, dem Werkstattchef, dem Flottenchef sowie dem Logistikverantwortlichen des Kompetenzzentrums SWISSINT. Eine Verschnaufpause zwischen den Konvois gibt es nicht, denn nach dem Konvoi ist vor dem Konvoi.

Soldat Andreas Weder ist Fahrer und hatte den 499. und 500. Konvoi mit seinem Team mitgeplant und als Konvoi-Chef geführt. Es war nicht sein erster Konvoi: Insgesamt gehen 19 von 500 Fahrten auf sein Konto. Diese grosse Erfahrung erwies sich als sehr wertvoll, da es für viele der anderen Chauffeure die erste Konvoi-Fahrt war. «Ich kenne die Strecke und die geografischen Gegebenheiten und kann die Chauffeure, mit denen ich stets über Funk in Kontakt stehe, zum Beispiel über Route, Verkehrsverhältnisse oder Ausstellplätze informieren», erklärt Soldat Andreas Weder.

Anfang Mai transportierte er mit seinem Team diverses Rückschubmaterial von Kosovo in die Schweiz. Dort stand bereits der 500. Jubiläums-Konvoi vollbeladen für die zehn Fahrer zur Rückfahrt in den Einsatzraum bereit. Da jeder Chauffeur für die Ladungssicherung seines jeweiligen Fahrzeuges selbst verantwortlich ist, galt es die Beladung bei der Konvoi-Übernahme sorgfältig zu kontrollieren. Nach dieser Kontrolle wurden die Container versiegelt, um sicherzustellen, dass die Fracht mit den unterzeichneten Zolldeklarations-Formularen übereinstimmt. Erst nun konnte das Konvoi-Team über das Wochenende nach Hause gehen.

Am Sonntagabend hiess es dann in die Kaserne Wil bei Stans-Oberdorf einzurücken, damit der 500. Konvoi am Montag planmässig um 6 Uhr starten konnte. Die SWISSCOY-Fahrer fuhren in Richtung Chiasso und passierten dort ohne Probleme den Zoll. In Italien hatten sie sich an die Verkehrsverhältnisse anzupassen und immer wieder von neuem den Konvoi-Zusammenschluss herzustellen. Am Abend traf der Konvoi planmässig in der italienischen Hafenstadt Ancona ein – der erste Übernachtungsstopp war erreicht. Die vollgeladenen LKWs wurden auf einem bewachten Parkplatz abgestellt.

Am nächsten Vormittag ging es ans Verladen der Fahrzeuge auf die Fähre. Wenn alles reibungslos verläuft, dauert dies eine gute halbe Stunde. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Parkplatz-Einweiser zwar Erfahrung mit der Einweisung von Sattelmotorfahrzeugen haben, sich jedoch mit Anhängerzügen wie von der SWISSCOY nicht gut auskennen. Da sowohl jeder Parkzentimeter wie auch die Rangierzeit auf der Fährt zählt, kann es zu dynamischen Situationen kommen. Hierfür plant der Konvoi-Chef genügend Reservezeit ein, damit die SWISSCOY-Fahrzeuge als erste auf die Fähre fahren können und genügend Zeit haben sich einzufinden.

Die Überfahrt von Ancona nach Durrës in Albanien dauerte von Dienstagabend bis Mittwochvormittag. Dort angekommen, fand am Hafen die Grenzkontrolle für die Einreise nach Albanien statt. Ein Verbindungsoffizier der albanischen Marine empfing das Konvoiteam, um alle den Hafen betreffende Belange zu besprechen. Nach erfolgter Grenzkontrolle konnte die Fahrt weitergeführt werden. Die albanische Militärpolizei begleitete den Konvoi bis an die Grenze zu Kosovo, wo die multinationale Militärpolizei die Eskorte bis ins Camp Novo Selo übernahm. «Der Gedanke, dass dies bereits der 500. Konvoi ist, machte das Ganze zu einer speziellen Geschichte. Im Grunde war es jedoch ein Konvoi wie jeder andere – von allen Seiten gut organisiert und sicher ans Ziel geführt», zieht Soldat Andreas Weder Bilanz.
 

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