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"Ein Einsatz in der Friedensförderung war ein langgehegter Traum"

Eine professionelle medizinische Versorgung aller Angehörigen der SWISSCOY ist unerlässlich. Zusammen mit Kameradinnen und Kameraden aus Österreich betreibt das Schweizer Kontingent daher im Camp Film City in Pristina ein Medic Center. Ein Team aus Fachpersonen ist dort für die medizinische Betreuung der Soldatinnen und Soldaten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zuständig – eine von ihnen ist Feldweibel Stephanie Beeler, welche im SWISSCOY Kontingent 48 die Funktion als Chief Nurse innehat.

11.07.2023 | Interview geführt von Fachoffizier Xhetare Rexhaj, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 48

Feldweibel Stephanie Beeler, Chief Nurse SWISSCOY 48.
Feldweibel Stephanie Beeler, Chief Nurse SWISSCOY 48.


Stephanie Beeler, was ist Ihr beruflicher Hintergrund?
In der Schweiz war ich in einem Teilzeitpensum als Organspende-Koordinatorin im Universitätsspital Zürich tätig. Zusätzlich war ich als Rettungssanitäterin im Rettungsdienst in Horgen im Einsatz. Diese zwei Jobs haben mir die nötige Abwechslung gegeben. Ich stehe nicht gerne still, ich muss in Bewegung bleiben. Viele haben mich auch gefragt, weshalb ich zwei Jobs mache: Der Grund dafür ist, dass mir der Job und die Abwechslung Spass machen, aber auch weil wir in der Schweiz einen Fachkräftemangel im Bereich Medizin haben. Ich bin seit 15 Jahren in der Rettungssanität tätig. Das ist ein Job, der körperlich und mental vieles von einem abverlangt. Bis vor drei Jahren habe ich Vollzeit als Rettungssanitäterin gearbeitet, habe dann aber gemerkt, dass ich eine Pause brauche. Aus diesem Grund habe ich den Teilzeitjob in Horgen angenommen. Ich wollte doch nicht ganz weg aus diesem Bereich und so war es ein guter Kompromiss für mich. In den vergangenen 13 Jahren habe ich neben der Arbeit auch diverse Aus- und Weiterbildungen im medizinischen Bereich absolviert.

Was sind Ihre Aufgaben als Chief Nurse im Medical Center?
Als Chief Nurse bin ich das Bindeglied zwischen dem Chief Medical Officer (CMO), dem Kontingentskommandanten (NCC) und dem Medic-Team. Der CMO ist der medizinische Leiter und ich unterstütze und vertrete ihn, wenn er nicht da ist. Wir sprechen uns ab und besprechen die Patientinnen und Patienten und die jeweiligen Behandlungen. Ich bin auch die Koordinationsstelle und erledige die ganzen organisatorischen Arbeiten. Zusätzlich planen wir innerhalb des Kontingents Ausbildungen und führen diese durch. Und damit wir auf dem Laufenden bleiben, nehmen wir als Medic-Team regelmässig an internationalen realitätsnahen Übungen und Weiterbildungen teil. Kommt es beispielsweise zu einer medizinischen Repatriierung, führe ich die Absprachen mit der Personalchefin (S1) und dem Air Operator (Air Ops) durch.

Sie führen ein Team von drei Nurses und zwei Sanitäts-Fahrern. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?
Ich führe das Team personell und mache die Aufgabenverteilung. Jede und jeder hat einen Verantwortungsbereich, beispielsweise die Apotheke, die Überprüfung der Geräte oder unsere Weiterbildung. Wir führen jeden Morgen einen Rapport, bei welchem wir sowohl das Medizinische als auch unser Tagesprogramm besprechen. Ebenfalls instruiere ich die Nurses bei der Erledigung der Aufgaben. Eine Person immer Dienst im Medic-Center, die anderen arbeiten an den Pendenzen. Aktuell führen wir auch viele Weiterbildungen durch, optimieren Abläufe, richten uns ein, machen Inventarkontrollen, erledigen Reinigungsarbeiten oder tätigen Bestellungen.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Im Medic Center, welches dem militärischen Standard einer gut eingerichteten Hausarztpraxis entspricht, arbeiten ein Schweizer und ein österreichisches Team. Die Herausforderung für mein österreichisches Pendant und mich ist dabei, diese zwei Teams gut zu koordinieren. Darum arbeiten wir auch in gemischten Teams in Bereichen wie dem Notfalldienst oder dem Dienst im Medic Center. Manchmal sind es auch kleine Unterschiede, die unsere Arbeit komplizierter machen. So haben die Österreicher beispielsweise eine eigene Apotheke und Medikamente, die wir in der Schweiz nicht haben. Zudem haben wir andere Dokumentationssysteme. Aus diesem Grund führen auch wir jede Woche eine gemeinsame Teamsitzung durch, in welcher wir aktuelle Themen besprechen.

Was war Ihre Motivation, diesen Einsatz zu leisten?
Ich habe bereits vor langer Zeit mit dem Gedanken gespielt einen SWISSCOY-Einsatz zu machen. Es war immer schon ein Traum von mir einen friedensfördernden Einsatz zu leisten. Ich befinde mich zurzeit beruflich sowie auch privat am perfekten Zeitpunkt, um hier im Kosovo einen Einsatz zu leisten und ich bin froh, habe ich diesen Schritt gewagt. Als Chief Nurse führe ich personell und das war auch ein Aspekt, der mich motiviert hat, dass ich mich bewerbe. Das militärische Umfeld, die Aufgaben in meiner Funktion, das Internationale und die Möglichkeit, meine Komfortzone zu verlassen, sind der Grund für diese Einsatz. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass ich in meinem Alter als Frau die Möglichkeit habe eine militärische Grundausbildung zu machen und diesen Einsatz zugunsten des Friedens leisten darf. Das ist eine tolle Sache.

Wo finden Sie Ihren Ausgleich zur Arbeit während Ihres Einsatzes?
Mir ist ein gesunder Ausgleich wichtig. Ich mache regelmässig Sport, geniesse die Zeit für mich alleine oder treffe mich mit meinen Kameradinnen und Kameraden. Der soziale Kontakt ist mir sehr wichtig. Im Camp kann man sich gut beschäftigen, es gibt viele Möglichkeiten für Geist und Körper. Ich habe für mich noch keine Routine gefunden, das braucht noch etwas Zeit. Ein Tagesziel habe ich mir bereits gesteckt: ich will es schaffen, jeden Tag einmal eine Runde um das Camp zu laufen. Ich bin die meiste Zeit über im Büro und deshalb ist es wichtig den Kopf zu lüften.

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