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«Die Friedensförderung war ein Mitgrund, Offizier zu werden»

Oberst im Generalstab Christoph Fehr ist per 1. Juli 2023 der neue Kommandant des Kompetenzzentrums SWISSINT. Während zwei Einsätzen in der KFOR sammelte er wertvolle Erfahrungen im Bereich der militärischen Friedensförderung.

05.07.2023 | Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT, sprach mit Oberst i Gst Christoph Fehr, Kommandant Kompetenzzentrum SWISSINT

Oberst i Gst Christoph Fehr, Kommandant Kompetenzzentrum SWISSINT © DMA
Oberst i Gst Christoph Fehr, Kommandant Kompetenzzentrum SWISSINT © DMA

Oberst im Generalstab Fehr, vor 20 Jahren leisteten Sie als Stabsoffizier im 9. SWISSCOY-Kontingent Ihren ersten friedensfördernden Einsatz. Was hatte Sie damals zu diesem Engagement bewogen?

Eine meiner frühen Kindheitserinnerungen ist das Titelbild einer Illustrierten mit einem Schweizer Offizier im Friedensförderungseinsatz in Korea. Beim Lesen des dazugehörenden Artikels wusste ich, dass ich so einen Einsatz leisten will – mit ein Grund, weshalb ich Offizier wurde, konnten damals doch nur Offiziere Friedensförderungseinsätze leisten. Als Berufsoffizier war es für mich von Anfang an klar, dass Einsätze im In- und Ausland ein Teil dieses Berufs sind. Denn wie kann ich in meinem Beruf ohne Einsatzerfahrung glaubwürdig sein? So nutzte ich die Chance unter österreichischer Führung als erster Schweizer Chef Einsatz (S3) die Einsätze der trinationalen Task Force «DULJE» mitgestalten zu dürfen.

2012 kehrten Sie in den Kosovo zurück und übernahmen für ein Jahr die Funktion des Kommandanten Joint Regional Detachement North (COM JRD-N). Was hatte Sie für einen weiteren Einsatz motiviert?

Mit dem Einsatz als COM JRD-N hatte ich die Möglichkeit als Kommandant und Unterstellter des KFOR-Kommandanten Verantwortung für den, wie sich auch jetzt gerade wieder zeigt, aus sicherheitspolitischer Sicht wohl interessantesten Teil von Kosovo zu übernehmen. Als ich kurz vorher in einem Laufbahngespräch auf diese Möglichkeit angesprochen wurde, hatte ich sofort zugesagt. Zum Glück war meine Frau auch zum Laufbahngespräch eingeladen. Sie wusste seit meinem ersten Einsatz – wohl vor mir – dass ich wieder Auslandseinsätze leisten will und unterstützte mich sofort.

Welche ist die wertvollste Erfahrung, die Sie aus diesen beiden Einsätzen mitgenommen haben?

Das Zitat vom damaligen KFOR-Kommandanten, Generalmajor Volker Halbauer «Stay focused and principled!» ist bis heute ein wichtiger Leitsatz für mich. Die Führung eines multinationalen Kommandos mit Menschen von zwei Kontinenten hat mir zudem die Gewissheit verschafft, dass die Führungsprinzipien unserer Armee auch im Auslandseinsatz und in der Zusammenarbeit mit anderen Nationen funktionieren.

Per 1. Juli 2023 werden Sie das Kommando des Kompetenzzentrums SWISSINT übernehmen. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Einerseits darauf ein Kompetenzzentrum zu führen, das erfahrene und interessierte zivile und militärische Mitarbeitende hat, andererseits darauf die Verantwortung für das Einsatzpersonal im internationalen Umfeld zu übernehmen und die militärische Friedensförderung mitzugestalten.

Inwiefern kann SWISSINT von Ihren bisherigen Erfahrungen und Ihrem Know-how profitieren?

Ich kenne die Friedensförderung und Auslandseinsätze der Armee von verschiedenen Seiten und Stufen. Die vergangenen Jahre konnte ich auf der operativen Stufe den Friedensförderungsdienst mitgestalten und die Wechselwirkung mit der militärstrategischen und politischen Stufe erleben. Vorher war ich selber im Einsatz und dies auch während Krisenzeiten wie den Märzunruhen 2004 oder den Blockaden in Nordkosovo zum Jahreswechsel 2012/2013, wie wir dies jetzt wieder erleben. Was mir fehlt, ist die Erfahrung im UNO-Umfeld, aber da darf ich mich auf einen erfahrenen Stab verlassen.

Worauf hat SWISSINT ein besonderes Augenmerk zu richten?

In der nahen Zukunft von SWISSINT geht es darum günstige Voraussetzungen für einen Kontingentsbeitrag im UNO-Rahmen zu schaffen. Zudem ist es mir ein Anliegen, dass wir verschiedene Schlüsselpositionen langfristig durchhaltefähig besetzen und diese Einsatzerfahrung aus dem Ausland in unsere Armee einfliessen lassen können.

Welche Herausforderungen stehen der militärischen Friedensförderung bevor?

Intern wird es darum gehen den Bericht des Bundesrates über die Weiterentwicklung der militärischen Friedensförderung umzusetzen. Extern fordert uns die sicherheitspolitische Lage. Was sich mit der Rückkehr der Machtpolitik bereits abgezeichnet hat, wurde durch den Ukrainekrieg verstärkt. Die Friedensförderung basiert auf unseren westlichen Werten und unserem Demokratieverständnis. In der jetzigen Lage teilen aber viele Staaten diese Werte nicht mehr und andere Akteure bieten vermeintliche Alternativen an. Dies erleben wir im Moment insbesondere in Afrika, wo zum Beispiel Russland in Mali mit der Gruppe Wagner direkt die Bestrebungen der UNO torpediert. Aber auch da gilt für uns: «Stay focused and principled!» Dies gibt vielleicht keine Quick Wins, aber mit Quick Wins lässt sich eine Situation auch nicht langfristig bereinigen. Hingegen gibt es Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit, etwas, das mit zum langfristigen Erfolg der Schweiz beigetragen hat und auch ein gutes Rezept für die Friedensförderung ist.

Work-Life-Balance ist wichtig – wo erholen Sie sich von der verantwortungsvollen Arbeit?

Ich kann noch nicht genau abschätzen, welche Auswirkungen das neue Kommando auf meine Freizeit hat. Die Freizeit nutze ich aber bewusst, um das Familienleben zu pflegen. Da hilft es natürlich, wenn die Söhne die gleichen Hobbies haben wie der Vater – Motorradfahren, Jagd und American Football, bei letzterem bin ich noch als Trainer im Team meiner Söhne.

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