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Militärische Kampfmittelbeseitiger im humanitären Einsatz

Weltweit leisten Spezialistinnen und Spezialisten des Kommandos KAMIR Einsätze zugunsten der humanitären Minenräumung. Bei diesem internationalen Engagement profitieren die UNO und diese Profikomponente der Schweizer Armee unmittelbar voneinander.

03.01.2023 | Ole Feurer, humanitäre Minenräumung, Kommando KAMIR, Spiez

Militärische Kampfmittelbeseitiger im humanitären Einsatz.
Militärische Kampfmittelbeseitiger im humanitären Einsatz.

Das Kommando KAMIR ist die Fachstelle der Schweizer Armee für Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung. Neben Grundlagen-, Doktrin- und Ausbildungsaufgaben leistet das Kommando vor allem Einsätze zugunsten der Gefahrenabwehr im In- und Ausland und betreibt die Blindgängermeldezentrale der Schweiz. Im Ausland alimentiert das Kommando ein militärisches EOD Team (Explosive Ordnance Disposal) der SWISSCOY in Kosovo und führt weltweit zivile Einsätze zugunsten von UNOmandatierten Minenräumprogrammen durch. Hauptpartner für humanitäre Einsätze ist UNMAS (United Nations Mine Action Service), wobei Angehörige des Kommandos KAMIR insbesondere als technische Berater oder in der Qualitätssicherung, Ausbildung und Projektleitung eingesetzt werden.

Um für eine solch breite Palette an Aufträgen bereit zu sein, durchlaufen die Kandidatinnen und Kandidaten eine fundierte militärische Ausbildung. Zusätzlich absolvieren sie den Kurs «Humanitarian Mine Action», der die Teilnehmenden im Einklang mit den International Mine Action Standards (IMAS) befähigt in humanitären Räumprogrammen mitzuarbeiten. Ein internationaler Experte sorgt bei der Abschlussprüfung für die Einhaltung der Minimalanforderungen.

Die UNO profitiert bei der Zurverfügungstellung von KAMIR-Personal in mehrfacher Hinsicht: Die entsendeten Spezialistinnen und Spezialisten sind im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut qualifiziert und multifunktional einsetzbar. Der in der Schweiz gelebten Mehrsprachigkeit, verbunden mit einem fundierten Fachenglisch, kommt dabei eine besondere Rolle zu. Vor allem aber werden alle KAMIR- Angehörigen vor ihrer Entsendung fachlich auf die zukünftige Rolle und die anstehenden Arbeiten ihres Einsatzes vorbereitet. Dadurch kennen sie den politischen, geografischen und geschichtlichen Kontext, die Aufgabenbereiche des jeweiligen Räumprogramms und die geltenden nationalen Standards schon bevor sie im Einsatzland ankommen. Das führt dazu, dass sie bereits nach minimaler Einarbeitungszeit einsetzbar sind.

Auch das Kommando KAMIR profitiert von Einsätzen in der humanitären Minenräumung. So fliesst beispielsweise viel des im Ausland gewonnenen Know-how in die interne Ausbildung zurück und bietet einen direkten Mehrwert im militärischen Alltag. Einsätze in der Kampfmittelbeseitigung finden meist nicht unter Kampfbedingungen im Verteidigungsfall statt, sondern in Friedenszeiten innerhalb der Zivilbevölkerung oder auf ehemaligen, jetzt öffentlich zugänglichen Schiess- und Übungsplätzen.

Aus Sicht einer militärischen Profiformation ergibt sich zudem folgender Return on Investment:

  • Gefestigte Kenntnisse von ausländischer Munition unter Realbedingungen. Als Element der ersten Stunde können Schweizer Kampfmittelbeseitiger nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland – wie die derzeitige Lage in Europa leider verdeutlicht – mit Munitionsfunden ausländischer Herkunft konfrontiert werden.

  • Ausgeprägtes Verständnis für Qualität und Sicherheit in der Flächenberäumung. Da Räum- und Sanierungsprojekte auf ehemaligen Schiessplätzen der Schweiz nach fast identischen Prinzipien wie im Ausland durchgeführt werden, entsteht ein direkter Feedback-Loop.

  • Resilienz gegenüber anspruchsvollen Einsatzbedingungen. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den betroffenen Einsatzgebieten zwingen die KAMIR-Angehörigen regelmässig dazu auf Gewohntes zu verzichten, mit schwierigen Umständen zurechtzukommen und trotzdem die volle Leistung zu erbringen.

  • Selbstständigkeit in der Au­ftragserfüllung und Agilität in der Lösungsfindung. Ein guter Kampfmittelbeseitiger ist Problemlöser und Risikomanager – auch wenn die Voraussetzungen ungünstig sind, die zur Verfügung stehenden Mittel begrenzt und sich im ersten Moment keine offensichtliche Lösung anbietet. Das fördert direkt das Improvisationsgeschick und die Durchsetzungsfähigkeit.

  • Interoperabilität in einem komplexen und multikulturellen Umfeld. Humanitäre Minenräumung findet in einem vulnerablen Kontext statt, in dem staatliche, zivile und internationale Akteure eng miteinander interagieren. Um Erfolg zu haben, muss man geschickt verhandeln sowie die Interessen und Bedürfnisse der Partner verstehen und miteinbeziehen. Dieselben Fähigkeiten sind auch bei Inlandeinsätzen wichtig, denn die Schweizer Armee agiert nicht alleine, sondern im Verbund mit den zivilen Behörden.

Wer in der zukünftigen VUCA-Welt (englische Abkürzung für volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig) Bestand haben will, braucht Handlungskompetenz selbst in unklaren Situationen. Zivile Einsätze im humanitären Kontext tragen in einer militärischen Profieinheit essentiell zum Kompetenzaufbau und -erhalt bei. Kampfmittelbeseitigungspersonal lernt klar zu denken, fein zu spüren und beherzt zu entscheiden.

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