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Zwischen Tarnuniform und Tafelkreide

Soldaten in der Schule – kein alltägliches Bild. Wie kann man als Armeeangehöriger den grossen Augen der Schulkindern entgegnen? Ein Versuch der Annäherung.

13.01.2024 | CUMINAIVEL | RB

Ich war noch nie ein Fan davon, mit dem Militär direkt bei einer Schule stationiert zu sein. Während meiner Verbandsausbildung in der Rekrutenschule (RS) verbrachte ich mehrere Wochen im Emmental in einer Zivilschutzanlage (ZSA) im Untergeschoss einer Bildungseinrichtung. Jeden Tag grüsste ich die Schulkinder vor dem Schuleingang, mit unterladener Waffe in den Händen. Ich hatte oft ein mulmiges Gefühl dabei.

Ähnliche Gefühle kehrten zurück, als ich während meines diesjährigen Wiederholungskurses (WK) am ersten Morgen die ZSA verlasse. Obwohl ohne Waffe und Munition, befinde ich mich als Armeeangehöriger erneut mitten auf einem Schulgelände. Beim Parkplatz öffne ich eines der Militärfahrzeuge, währenddessen aus den Autos vis-à-vis Kinder aussteigen und sich von ihren Eltern verabschieden. Ich grüsse die Kinder und frage mich, was wohl in ihren Köpfen vorgeht, wenn sie Männer wie mich in Militäruniform sehen. Ähnliche Bilder aus den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten kursieren derzeit haufenweise in den (Sozialen) Medien und werden selten mit positiven Gefühlen assoziiert. 

Militärschokolade als Eisbrecher 

Doch das Nebeneinander von Schule und Militär ist auch im Rahmen des Assistenzdienstes am diesjährigen WEF Tatsache. Trotzdem erscheint mir ein Austausch mit den Kindern wichtig. Sie haben das Recht zu erfahren, was die Truppe macht, die an ihrer Schule einquartiert ist. Umgekehrt sollte es aber auch uns Armeeangehörige interessieren, wie wir uns möglichst gut an den Alltag der Kinder anpassen können. 

Am zweiten Tag meines WK, ein Versuch der Kontaktaufnahme: Auf dem Pausenplatz während der grossen Pause will ich ins Gespräch mit den Kindern kommen. Als Hilfsmittel habe ich Militärschokolade und -guetzli dabei. Zwei Jungs starren mich an, also gehe ich auf sie zu und spreche sie an. Nachdem ich mich vorgestellt habe, frage ich sie, wie sie das Militär an ihrer Schule wahrnehmen. «Die Fahrzeuge auf dem Parkplatz und einige Menschen in Uniform sehen wir, sonst ist alles wie immer», sagt einer der beiden Jungs. Ich spüre eine gewisse Zurückhaltung, also hole ich meine eingepackte Militärschokolade hervor und gebe ihnen je ein Stück. Kaum hat einer das «Täfeli» geöffnet, bildet sich um mich herum eine Gruppe weiterer Kinder, als hätten sie nur auf diesen Moment gewartet. Am Schluss stehen so viele Kinder um mich herum, dass ich nicht genug Schokolade für alle habe. 

Doch die Militärschokolade ist nicht der einzige Grund, weshalb die Kinder und ich uns auf einmal verstehen. An der Schule kennt man das Militär, wenn auch nicht immer aufgrund eigener Eindrücke aus der Schule. «Mein Vater hat auch in der Armee gedient – als Aufklärer», erzählt eines der Kinder aus der Gruppe. Ein anderer Schüler sagt, er wolle auch mal so eine Uniform wie ich tragen. Und als ich erwähne, dass wir fürs Militär Artikel schreiben und Videos produzieren, fragt mich ein Junge, ob ich für den «Schweizer Soldat» arbeite. Ich bin überrascht, dass der Primarschüler diese Schweizer Militärzeitschrift kennt. 

Speisesaal im Bühnenraum 

Um ein vertieftes Bild zu bekommen, wie das Militär und die Schule zueinander stehen, treffe ich mich mit Schulleiter Adrian Farrér. Ist die Begeisterung der Kinder, mit denen ich gesprochen habe, nur eine Ausnahme? Der Schulleiter bestätigt mir, dass es Unterschiede gibt: «Einige Kinder sind sehr offen und mutig, andere sind teilweise etwas verunsichert und halten sich lieber zurück». 

An den Anblick von Armeeangehörigen auf dem Schulareal haben sich die Kinder mittlerweile gewöhnt. «Die Armee ist regelmässig in der ZSA Cazis einquartiert», sagt Schulleiter Farrér. Und auch innerhalb der Schulgebäude seien Armeeangehörige regelmässig anzutreffen. So befindet sich etwa der Speisesaal der Truppe neben der Turnhalle im angrenzenden Bühnenraum. Trotz der militärischen Präsenz hat die Schulleitung darauf verzichtet, Eltern, Kinder oder Lehrpersonal spezifisch über die in diesem Januar stationierte Truppe zu informieren. 

Vertrauen wertschätzen 

Daraus lässt sich ableiten, dass von Seiten der Schule ein grosses Vertrauen gegenüber den in der ZSA stationierten Truppen entgegengebracht wird. Dieses Vertrauen darf nicht verspielt werden. Es darf also auch einmal innegehalten, ein offener und freundlicher Umgang mit unseren schulischen Gastgebern gepflegt und das eine oder andere «Militärschöggeli» verteilt werden.


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