print preview

Zurück zur Übersicht Kommando Operationen


Truppengottesdienst

In der schönen Martinskirche in Chur fand gestern Abend ein Gottesdienst für die Truppe statt. Bei besinnlicher Stimmung konnten Soldaten und Kader nochmals zur Ruhe kommen und Kraft für ihren Einsatz zugunsten der Sicherheit am Weltwirtschaftsforum tanken. Dieser kurze Moment der Einkehr wurde von vielen Armeeangehörigen geschätzt. Cuminaivel hat am Gottesdienst mitgefeiert.

13.01.2024 | CUMINAIVEL | RR

Es ist kurz vor 20.00 Uhr, wir stehen auf dem Martinsplatz in der Churer Altstadt. Vor uns thront mächtig die grosse Martinskirche. Ihr Turm gehört zu den höchsten in der ganzen Schweiz. Oben am Turm hängt eine riesige Uhr mit gewaltigen Ziffernblättern. Es läutet. Der Glockenschlag erklingt über die Dächer der Bündner Hauptstadt. Es macht Eindruck, hier zu stehen. An uns gehen Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere vorbei. Sie alle besuchen den Truppengottesdienst in der Kirche. Über 700 Angehörige der Armee finden sich in den Bänken der Kirche ein. Auch wir machen uns auf den Weg in das Innere des Gotteshauses. Dort ist es warm, die Heizung läuft. Es tut gut, sich ein wenig aufwärmen zu können, denn draussen ist es bitterkalt. Die Stimmung in der Martinskirche ist schön, sogar äusserst angenehm. Es ist ruhig, vorne im Chorraum liegt eine Packung Popcorn. Was wohl in den Köpfen der Armeeangehörigen vorgeht, fragen wir uns. An was denken sie jetzt in diesen Minuten? An ihre Familien? An den bevorstehenden Einsatz? An etwas Schönes oder Trauriges? Vielleicht an Gott oder an nichts? Wie auch immer, irgendwie ist das sogenannte Gemeinschaftsgefühl grad ziemlich präsent. Die Armee als eine grosse Familie? Kann sein. 

Der Gottesdienst beginnt. Der Armeeseelsorger des Gebirgsschützenbataillon 6, Hauptmann (Hptm) Kurt Liengme, nimmt eine Popcornpackung, gibt sie einem Soldaten und eröffnet mit den Worten: «Plötzlich ist man auserwählt und alle fragen, warum es genau diesen Mitmenschen trifft. Oder man stellt sich die Frage, warum ausgerechnet ich diese Person sein muss, die etwas Besonderes bekommt, oder erlebt.» Alle hören aufmerksam zu. Hptm Liengme verknüpft in gekonnter Rhetorik, religiöse und lokalhistorische Zusammenhänge und bringt den Anwesenden die Geschichte der Viamala näher: «Die Viamala war einst ein gefürchteter Weg für Handelsreisende und hiess nicht umsonst ‘schlechter Weg’: Viele Menschen sind beim Versuch umgekommen, diesen Weg zu passieren», erklärt er. 

Ganz ehrlich, zunächst waren wir ein wenig skeptisch. Wird es ein «gewöhnlicher» Gottesdienst, wie er auch an einem Sonntag gefeiert wird oder doch anders, fragen wir uns. Schon bald merken wir, es ist anders. Der Gottesdienst ist ganz auf die Truppe und ihren Einsatz zugunsten der Sicherheit am WEF hin gestaltet. Das Wort «Truppengottesdienst» kommt hier wirklich zum Tragen. Es ist egal, wer welcher Religion zugehörig ist, oder wer was oder wie glaubt. An diesem Gottesdienst sind alle gleich. Es geht um die Truppe, um die Menschen hinter der Uniform. Armeeseelsorger Liengme trifft die richtigen Worte, er spricht als Kamerad zu Kameraden. Das ist es glaub, was es ausmacht: Die Kameradschaft. Die Truppe ist versammelt als Gemeinschaft. 

«Wer einen schlechten Weg geht, kann sich darauf verlassen, dass wir alle füreinander da sind und dass er immer jemanden findet, der diesen Weg mit ihm geht», sagt Liengme. Gerade am WEF sei es wichtig, dass man miteinander spricht und aufeinander zugeht. «Wer merkt, dass sein ‘Gspähnli’ auf einem schlechten Weg ist, oder wer selbst das Gefühl hat, er oder sie sei auf einer ‘via mala’, der darf mich jederzeit anrufen und ich komme vorbei!» Liengme hat die ganze EBA durchlaufen und ist für den Notfall bereit, inklusive Splitterschutzweste und den weiteren erforderlichen Einsatzmitteln: «Auch wenn mich jemand morgens um 3 Uhr anruft, komme ich zu euch und bin für euch da», sagt der Armeeseelsorger. Er stelle keine Frage nach dem «Warum». Er sei einfach da und helfe durch die ‘via mala’ zu kommen.  

Nach dem Truppengottesdienst geht es für einige Armeeangehörige sofort weiter zur Arbeit, andere bleiben noch einige Minuten in der Kirche sitzen. Es ist wieder still in der Kirche. An was sie wohl gerade denken?

Feldgottesdienst


Zurück zur Übersicht Kommando Operationen