«Führen heisst, gemeinsam mit anderen Ziele erreichen.»
Per Ende seines dritten Jahres als Chef Kommando Operationen übergab Korpskommandant Aldo C. Schellenberg in einer persönlichen und würdigen Feier das Kommando an seinen Nachfolger, Korpskommandant (ab 1. Januar 2021) Laurent Michaud. Korpskommandant Schellenberg kann auf eine lange und erfolgreiche militärische Karriere zurückblicken. Im Interview äussert er sich zu seinen Erfahrungen und Highlights.
Herr Korpskommandant, was nehmen Sie aus Ihrer Zeit als Chef Kommando Operationen mit?
Führen heisst, gemeinsam mit anderen Ziele erreichen. Das Wichtigste sind also die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Je nach Herkunft und Prägung bringen sie unterschiedliche Denk- und Verhaltensmuster, Wissen und Erfahrungen, Einstellungen und Überzeugungen mit. Gerade diese Vielfalt ist für den gemeinsamen Erfolg entscheidend. Die Herausforderung ist, die Einheit in der Vielfalt zu finden. Also die Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel. Dies geht nur, wenn man die Vielfalt zulässt und als Bereicherung der Einheit versteht, sich gleichzeitig aber auf gemeinsame Werte und Normen festlegt: Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Leadership und Vertrauen sind die Schlüsselbegriffe, welche die erfolgreiche Zusammenarbeit prägen sollen.
Mit welchem Gefühl schauen Sie zurück auf Ihre militärische Karriere?
Mit einem Gefühl grosser Dankbarkeit! Ich durfte auf allen Führungsstufen einzigartigen Persönlichkeiten begegnen: Vom Soldaten bis zum Korpskommandanten, von der Hilfskraft bis zum Topmanager. Sie alle haben mein Leben bereichert und mich als Mensch und Leader geformt. Ich bin aber auch dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen und die übertragene Verantwortung, einen Beitrag zur Sicherheit unseres Landes und seiner Bevölkerung leisten zu dürfen. Dieses Vertrauen habe ich immer dann besonders gespürt, als ich es auch brauchte, um in schwierigen Situationen zu bestehen. Ich danke all jenen, die mich auf meinem Weg ein kürzeres oder längeres Stück begleitet haben.
Gab es einen Moment, an den Sie besonders gerne zurückdenken? Wenn ja, weshalb?
Oh, es gibt ganz viele davon! Es sind diejenigen Momente, in denen ich gemeinsam mit anderen herausfordernde Ziele erreicht habe. Trotzdem gibt es einen Moment, der mich besonders geprägt hat. Es würde zu viel Platz einnehmen, die ganze Geschichte hier zu erzählen: 1985, in meinem ersten WK als junger Leutnant und Zugführer, haben mich meine Soldaten gelehrt, was Leadership wirklich bedeutet. Seither ist das Seil für mich zum Sinnbild für Menschenführung geworden und jeder, der im Kommando Operationen unter mir ein Kommando übernommen hat, hat von mir ein Seil erhalten und kennt seine Symbolik.
Was sind Ihr Pläne für die Zukunft?
Nach 20 Jahren Selbständigkeit als Unternehmer und 10 Jahren als «General» zieht es mich zurück in die Wirtschaft. Ich möchte mit meinen Erfahrungen und Kompetenzen Nutzen schaffen. Als Verwaltungsrat, Interimsmanager und Advisor. Ich bin gegenwärtig daran, ein spannendes Portfolio von Aktivitäten zusammenzustellen. Dabei spielen auch meine Kinder und Grosskinder eine Rolle.

