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«Es ist mir gelungen, die Gesprächskultur in der Armee zu verbessern»

15.11.2018 | Das Interview führten Oliver Thränert und Andreas Wenger vom Center for Security Studies (CSS), am 27. Juli 2018 im Büro des Chefs der Armee in Bern

cda


Herr Korpskommandant, wie beurteilen Sie im Moment das sicherheitspolitische Umfeld der Schweiz?


Philippe Rebord:
Die westlichen Staaten sind sich hinsichtlich der Bedrohungen, denen sie gegenüberstehen, relativ einig: Das Comeback der Machtpolitik ist auch in Europa spürbar. Dabei ist der Wiederaufstieg Russlands zentral. Es ist jedem klar, dass Wladimir Putin Machtpolitik betreibt. Er setzt die russische Armee im Sinne seiner Machtpolitik ein. Die Beispiele Georgien, Ukraine und Syrien haben dies gezeigt. Die NATO hat darauf reagiert, wie ich bei Besuchen in Brüssel feststelle. Der Ton hat sich in den letzten Monaten wirklich geändert. Praktisch alle NATO-Übungen finden heute wieder in Bezug auf Artikel 5 statt, es wird also die kollektive Verteidigung bei einem Angriff auf ein Bündnismitglied geübt. Die Schweiz kann an diesen Übungen nicht teilnehmen. Wir können so nicht von den in den Übungen gewonnenen Erfahrungen profitieren. Aus diesem Grund sind wir daran zu verhandeln, ob wir eine Art Beobachtungsrecht bei diesen NATOÜbungen erhalten können.

Welche weiteren Bedrohungen bereiten Ihnen Sorgen?

Die ganze Migrationsproblematik, die auch sicherheitsrelevante Aspekte aufweist. Das Thema treibt vor allem die Länder im Süden Europas um. Innerhalb der NATO ist eine Spaltung der Mitglieder deutlich spürbar.
Während die südlichen Länder sich auf die Situation im Süden konzentrieren, möchten die östlichen Bündnispartner, dass die NATO nur gegen Osten blickt.

Was sind weitere Bereiche?

Es wird Sie vielleicht auf den ersten Blick überraschen, aber mich als Chef der Schweizer Armee treibt auch die Klimaerwärmung um. Sie führt zu vermehrten Naturkatastrophen. Ein Beispiel hierfür ist etwa der Felssturz von Bondo im letzten Jahr. Die Alpenregionen werden von solchen Katastrophen in Zukunft häufiger betroffen sein, und die nicht-alpinen Regionen werden ebenfalls Auswirkungen spüren, etwa im Zuge grosser Überschwemmungen. In solchen Szenarien werden auch die Armeen häufiger bei subsidiären Hilfseinsätzen zum Einsatz kommen. Ein weiterer Punkt, der mir Sorgen bereitet, ist die Cyberbedrohung. Diese betrifft nicht nur die Armeen, sondern etwa auch die Wirtschaft. Russland hat in den letzten Jahren starke Kapazitäten auf Stufe des Staates geschaffen, dasselbe gilt vermutlich auch für China.

Cover_Bulletin2018


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