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Wie kann ein Militärarzt einem Folteropfer helfen?

In Spiez setzten sich 28 Militärärzte und 2 Feldprediger aus 19 Ländern während einer Woche mit dem Kriegsvölkerrecht und medizinisch-ethischen Fragen auseinander. Die internationalen Kurse «Law of Armed Conflict» LoAC und «Military Medical Ethics in Times of Armed Conflict» MME stehen ganz im Zeichen der traditionellen Interessen der humanitären Politik der Schweiz und unterstützen den rechtskonformen Einsatz der Schweizer Armee.

14.09.2017 | Kommunikation Verteidigung, Markus Niederhauser

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In Spiez diskutierten Militärärzte über des Kriegsvölkerrecht und medizinisch-ethischen Fragen.

Das Umfeld, in dem Militärärzte agieren, ist gross und komplex. Hauptsächlich betreuen sie die Truppen medizinisch in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Oft sind es aber auch die Militärärzte, die Flüchtlinge betreuen. In einigen Ländern betreiben sie ebenfalls Kliniken, die auch der zivilen Bevölkerung offensteht oder sie sind zuständig für die medizinische Betreuung von Gefängnisinsassen.

Bei bewaffneten Konflikten stützt sich der Militärarzt bei seinem Handeln unter anderem auf das Kriegsvölkerrecht. Aber es ist nicht immer einfach, die richtige Entscheidung daraus abzuleiten. Darf er zum Beispiel zur Selbstverteidigung schiessen, wenn er das Rote Kreuz trägt? Wie weit geht dieses Recht? Was muss ein Militärarzt unternehmen, wenn er verdächtige Verletzungen an einem Gefangenen feststellt? Jugendliche Flüchtlinge erhalten besonderen Schutz, daher wird das Alter immer wieder zu tief angegeben. Mit welchen Methoden darf ein Mediziner das Alter bestimmen? An den beiden Kursen erhielten Teilnehmenden die Gelegenheit, in Fallbeispielen die rechtlichen Grundlagen anzuwenden und über ethische Grundsätze zu diskutieren.

Rapporte sind Beweisstücke

In einem Fallbeispiel wurden die Kursteilnehmenden mit der Situation konfrontiert, dass sie trotz des absoluten Verbots aufgefordert werden, bei einer Folter anwesend zu sein. Wie müssen sie darauf zu reagieren? Die Antwort ist eindeutig: Ein Arzt darf nie einer Folter beiwohnen, selbst wenn so das Opfer nicht medizinisch überwacht werden kann. Der Arzt muss intervenieren und das drohende Kriegsverbrechen der übergeordneten Stelle rapportieren. Geschieht es dennoch, ist er natürlich verpflichtet, dem Opfer zu helfen – und wiederum rapportieren. Genau diese Rapporte belegen Kriegsverbrechen und dienen als wichtige Beweisstücke – auch Jahrzehnte später, kam die Diskussionsgruppe zum Schluss.

Im Spannungsfeld zwischen bewaffneten Konflikten und humanitärer Hilfe tragen Militärärzte eine grosse Verantwortung. Sie müssen in der Lage sein, nötigenfalls entgegen anderslautenden Befehlen, die richtige Entscheidung zu treffen. Das Kriegsvölkerrecht steht stets über anderslautenden Befehlen von Vorgesetzten. Die Mediziner eignen sich im Kurs Arbeitstechniken an, dank derer sie ihre Arbeit auch unter schwierigsten Umständen korrekt und fair verrichten können.

LoAC/MME

Die Kurse «Law of Armed Conflict» LoAC und «Military Medical Ethics in Times of Armed Conflict» MME werden vom «International Committee of Military Medicine» (ICMM) gemeinsam mit dem Bereich Sanität und den Internationalen Beziehungen der Schweizer Armee organisiert. Der in Spiez durchgeführte Kurs dient als Modell und wird durch das ICMM an mehreren Orten verteilt über den Globus analog angeboten.

Das ICMM wurde 1952 von der Weltgesundheitsorganisation als Spezialistenverband anerkannt und verbindet als internationale Organisation die militärischen Sanitätsdienste von 112 Mitgliedsstaaten.