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20 Jahre Engagement der Schweizer Armee in der humanitären Minenräumung

Bern, 15.10.2018 – Referat von Bundesrat Guy Parmelin Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) anlässlich 20 Jahre Engagement der Schweizer Armee in der humanitären Minenräumung, Samstag, 13. Oktober 2018 in Lattigen bei Spiez.

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren Botschafter
(Sehr geehrte Ratsmitglieder)
Sehr geehrte Damen und Herren
Geschätzte Mitarbeitende der Bundesverwaltung

Ganz persönlich möchte ich auch die Armeeangehörigen begrüssen, die einen Einsatz in der humanitären Minenräumung geleistet haben.

Von Franz von Assisi ist das folgende Zitat überliefert: "Tue erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst Du das Unmögliche."
An dieses Zitat musste ich denken, als ich mir den Weg der Schweiz und der Schweizer Armee ins Aufgabenfeld der humanitären Minenräumung aufzeigen liess.

Wenn wir nämlich auf die 20-jährige Erfolgsgeschichte der Schweizer Minenräumg zurückblicken, so stellen wir fest. In diesen zwei Jahrzehnten wurde das Notwendige und das Mögliche unternommen.

Das gilt von den Anfangszeiten, als auch in der Schweizer Armee noch Widerstand gegen ein Verbot von Personenminen spürbar war, über die Unterzeichnung der Ottawa-Konvention und die ersten Einsätze bis zu den heutigen professionellen Minenräumungen.

Seit der Ottawa-Konvention wurde international vieles erreicht:
Riesige Flächen wurden geräumt und der Bevölkerung zurückgegeben. Millionen von Minen aus Lagerbeständen wurden vernichtet. Mit dem Genfer Minenzentrum wurde ein weltweit anerkanntes Kompetenzzent-rum geschaffen.

In der Schweiz haben in diesen 20 Jahren haben das EDA und das VBS eine Bundesstrategie entwickelt. Diese stellt sicher, dass die verschiedenen Akteure aufeinander abgestimmt handeln und mit einem gemeinsamen Ziel.
Gerne wäre ich heute, an unserem 20-Jahr-Jubiläum, der Bote einer frohen Botschaft: wir waren fleissig und aktiv, wir haben gut gearbeitet – und die Arbeit ist nun getan. Lasst uns feiern.

Immerhin sind heute 29 der ursprünglich 80 betroffenen Staaten minenfrei.
Doch Sie wissen es: Die Arbeit ist noch nicht getan: Die Aufgaben haben sich nur verändert, wie sich auch die Welt verändert hat.

Heute stehen wir in der humanitären Minenräumung vor Herausforderungen, mit denen wir noch vor ein paar Jahren nicht gerechnet haben.
Über eine lange Periode sind die Opferzahlen gesunken. Doch 2016 verzeichnen wir wieder Zahlen wie vor über 20 Jahren. Das ist beunruhigend und macht mich betroffen.
Sie kennen die Bilder aus dem Fernsehen aus Sinjar, Fallujah oder Mosul. In heutigen Konflikten wird die Zivilbevölkerung zum erklärten Ziel von Konfliktparteien.
Männer, Frauen und Kinder, ob Jung oder Alt, sie alle werden in die Konflikte hineingezogen. Sie werden angegriffen und vertrieben und darüber hinaus wird ihre Rückkehr verunmöglicht.
Ihre Häuser werden zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Und die Trümmer, die noch stehen bleiben, werden zusätzlich mit Sprengsätzen unbewohnbar gemacht.
Das stellt uns vor neue, bisher nicht in diesem Ausmass bekannte und komplexe Herausforderungen!
Denn zum einen ist die schiere Masse der anfallenden Räumungen kaum zu bewältigen.
Zum andern treffen wir es in den zerstörten Gebäuden häufig auf improvisierte Sprengsätze . Das macht unsere Arbeit gefährlich.
Weil wir keine oder fast keine Kenntnisse über die Baupläne dieser selbst hergestellten Sprengsätze haben, müssen unsere Räumequipen ein beträchtliches Risiko eingehen. Sie wissen nie, was sie erwartet.

Meine Damen und Herren
Wenn wir Minen, Sprengsätzen und Blindgänger räumen und so Menschenleben retten, so dürfen wir stolz darauf sein.
Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass aus den Munitionslagern keine explosiven Katastrophen werden.

Dieses explosive Erbe der Konflikte lässt sich nicht einfach ausschalten. Dieses Erbe kann töten und verletzen, auch nach Jahrzehnten.
Denken sie an die explosiven Überreste der beiden Weltkriege in Europa, die bei Bauarbeiten immer wieder ans Tageslicht befördert werden. Oder an Minen, die wir in Mozambique über 30 Jahre nach dem Bürgerkrieg finden und die noch voll funktionsfähig sind.
Minenräumen ist also eine generationenübergreifende Aufgabe.

Sie sehen– die Arbeit ist noch nicht getan! Auch wenn schon viel erreicht wurde.

1997 hat die Schweizer Armee die ersten Spezialisten der Armee in ein UNO-Minenräumprogramm in den Einsatz geschickt. Bis heute haben sich über 100 Angehörige der Armee dieser Herausforderung gestellt, Milizangehörige und Profis des Kommando KAMIR.
Aktuell sind es 13 Armeeangehörige. Ich danke ihnen allen, dass sie ihr Fachwissen und ihre Kompetenz in die UNO-Programme einbringen.

Besonders freut mich, dass die Schweizer Expertise immer wieder von der UNO für spezielle Aufgaben angefragt wird. So wird sich zum Beispiel ein Spezialist des Kommandos KAMIR auch an einem Projekt zur Normierung und Standardisierung dieser improvisierten Sprengsätze beteiligen.

Dies sind Erfolge, die unsere Bemühungen bestätigen.
Wir werden auch künftig Projekte der humanitären Minenräumung aktiv unterstützen.
Wir werden auch die Bundesstrategie von EDA und VBS um drei Jahre verlängern.

Und als Chef VBS kann ich ihnen versichern: Die Schweizer Armee bleibt ein wichtiges Instrument im Bereich der humanitären Minenräumung.

Es macht mich glücklich, wenn die Schweiz jemandem sein Haus wieder bewohnbar macht und ihm ein Leben ermöglicht.
Ich möchte deshalb Danke sagen. Danke allen Beteiligten in der Armee, im Bund und auch all unseren Partnern, die sich für die humanitäre Minenräumung und letztlich für die betroffenen Menschen engagieren.

Danke natürlich all den Spezialisten, die sich unter gefährlichen Umständen dafür einsetzen, dass Menschen in betroffenen Gebieten sich wieder sicher bewegen können. Und dass diese Menschen wieder eine wirtschaftliche Zukunft haben.
Und danke den Familien dieser Spezialisten hier in der Schweiz, die ihre Lieben zu solchen Einsätzen gehen lassen. Es ist manchmal fast schwieriger ist, zuhause zu warten, als im Einsatz zu stehen.
Wir haben das Notwendige getan, wir tun das Mögliche und so wollen wir auch das Ziel erreichen: dass keine Menschen mehr Opfer von Minen werden.
Das ist nicht unmöglich, sondern realistisch, wenn wir unsere Anstrengungen beibehalten.

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