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Gemeinsame Ausrichtung auf die Verteidigungsfähigkeit

Der Heeresrapport vom 9. Februar 2024 stand unter dem Zeichen der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit. Divisionär René Wellinger und weitere Vertreter aus Militär und Politik haben den über 2200 Offizieren und höheren Unteroffizieren skizziert, was dies für das Heer bedeutet und wie sie sich schon jetzt darauf vorbereiten sollen.

22.03.2024 | Kommunikation Mechanisierte Brigade 4, Michelle Steinemann

©VBS/DDPS, Kommunikation Mechanisierte Brigade 4

«Wir durchleben turbulente Zeiten und gerade deshalb scheint es wichtig, dass wir uns zum heutigen Rapport treffen», begann Divisionär René Wellinger, Kommandant Heer, seinen Rapport. Die weltpolitischen Geschehnisse, insbesondere die nahegelegenen Kriege in der Ukraine und in Israel, zwingen die Armee zur Frage, ob sie im Ereignisfall wirklich bereit wäre. Nach einem ehrlichen Blick in den Spiegel lautet die Antwort «noch nicht». Die Ausrichtung auf die Verteidigungsfähigkeit ist beschlossen und an diesem Rapport galt es, die Kader des Heeres zu informieren und auf die neue Lage vorzubereiten.

«Der Wehrwille beginnt in den Köpfen»

Werner Salzmann, Berner Ständerat (SVP), zeigte seine politische Sicht auf und schätzte die Lage so ein, dass die Armee zwar in der Lage sei, zu schützen und zu helfen, aber nicht mehr zu verteidigen. Er sei froh, dass der Chef der Armee die Möglichkeit erhalten habe, die bestehenden Lücken in der Armee aufzuzeigen und verlangt nun ein Umdenken in der Politik. Die Milizarmee sei ein zentrales Element der Verteidigungsfähigkeit und deren Leistungen hätten es verdient, mehr gewürdigt zu werden, betonte Salzmann.

Wert der Kommunikation ist nicht zu unterschätzen

Oberst im Generalstab Stefano Trojani, stellvertretender Chef des militärischen Nachrichtendienstes (MND), informierte über die Lage der beiden nächsten Kriegsgebiete Ukraine und Israel. Dabei zeigte er auf, dass diese Kriege auch Konsequenzen für die Schweiz mit sich ziehen. Er betonte die Bedeutung der Vorbereitungsphase: «Ein Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss, sondern mit dem Denken und Planen.» Die Kommunikation nehme dabei eine zentrale Rolle ein: «Die Kommunikationsbotschaften ändern sich in der Planungsphase, damit die Bevölkerung sich an den Gedanken möglicher Aktionen gewöhnt. Diese Narrative haben den Zweck, kommende Handlungen zu legitimieren», erklärte Oberst im Generalstab Trojani.

Konsequente Vorbereitung gefordert

Korpskommandant Michaud, Kommandant Kommando Operationen, warnte die Kader davor, sich zu sehr auf sich selbst zu konzentrieren und machte deutlich: «Sie müssen den Gegner verstehen, dem Sie gegenüberstehen und sich nicht zu sehr auf Ihre Lage versteifen.» Er zeigte auf, dass die Armee vor grossen Herausforderungen steht und brachte unverblümt auf den Punkt: «Entweder wir negieren die bestehende Bedrohung und werden irgendwann überrascht, oder wir investieren in die nötigen Mittel, um uns vorzubereiten.» Folglich verlangte er von den anwesenden Offizieren und höheren Unteroffizieren, sich entsprechend seinen Ausführungen in den Wiederholungskursen konsequent vorzubereiten und unterstrich abermals, die wichtige Komponente der mentalen Vorbereitung nicht zu vernachlässigen.

Keine Plattitüden – den Tatsachen ins Auge blicken

Mit dem Fokus auf die Verteidigungsfähigkeit richtet die Armee das Schwergewicht und alle Ressourcen auf eine ernstzunehmende Verteidigung aus. Dafür muss jede Soldatin und jeder Soldat wissen, was die Mission ist. Allen voran müssen dafür die Kader informiert sein, um ihre Truppen glaubwürdig auf diesem Weg anzuführen. Der Kommandant Heer hat hierzu mit seinem Heeresrapport in beeindruckender Weise die neue Richtung angegeben.

Divisionär Wellinger rief dazu auf, sich an der Realität auszurichten. Seiner Ansicht nach muss der Kampf konkreter vorgestellt und durchgedacht werden: «Was wir tun, ist hart, man wird dreckig, ist im Kampf. Man wird verletzt und im Extremfall stirbt man.» Dafür sei es nötig, dass alle Armeeangehörigen fähig seien, für alle Tätigkeiten 2 – 3 Stufen tiefer zu denken und die Konsequenzen auf einer bis zwei Stufen höher zu verstehen. Die Vorbereitungen, Konzepte und Übungen müssten auf der Realität mit den bestehenden, unbeschönigten Faktoren basieren, forderte Divisionär Wellinger und appellierte: «Keine Plattitüden mehr – den Tatsachen ins Auge blicken.»


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