print preview

Zurück zur Übersicht Startseite


Die Armee-Unterstützung sorgte für finanzielle Entspannung

Rodeln ist eine anspruchsvolle Sportart. Natalie Maag begann damit schon im Alter von neun Jahren. In diesem Winter gelang der 26-jährigen Zeitmilitär-Spitzensportlerin aus dem Zürcher Oberland mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille im Sprint in Altenberg (GER) das beste Karriere-Ergebnis. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sie seit drei Jahren im deutschen Team integriert ist.

23.02.2024 | Kurt Henauer, Kommunikation, Komp Zen Sport Armee

maag_WC
Zeitmilitär Spitzensportlerin Natalie Maag

In der Schweiz wird oder wurde bei der Sportart Rodeln oft
etwas despektierlich von Schlitteln geredet oder geschrieben. «Das hat zum
Glück etwas gebessert», sagt Natalie Maag die Mitte Februar in Oberhof im
Einsitzer-Rennen im Sprint Zweite und im Einzel Vierte geworden war. Dies
obwohl sie mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte. Zwei Tage vor dem ersten von zwei Weltcup-Rennen in Sigulda (LAT), am letzten Februar- und ersten März-Wochenende, ist sie wieder gestürzt. Aber sie könne fahren, sagte sie. Die Ergebnisse von Oberhof, wo sie mit dem deutschen Team trainiert, haben sie besonders gefreut. «Ich konnte meine WM-Silbermedaille im Sprint bestätigen, es war also kein Zufallstreffer».

 

Sie hat Super-Material
Dem Zufall überlasst Natalie Maag nichts. Sie setzt voll auf die Karte Sport und hat sich deswegen dem deutschen Rodel-Team angeschlossen. «Dort bin ich voll integriert und teile jeweils auch das Zimmer mit einer deutschen Rodlerin», so Maag, die sagt, dass sie über Super-Material verfüge. Und doch macht sie einen kleinen Abstrich. «Das neueste vom neuesten kann ich schon nicht benutzen.» Aber sie ist dankbar für die Unterstützung, denn sie ist autonom unterwegs. Vom Landesverband Swiss Sliding, dem Rodeln neben der Hauptsportart Bob und Skeleton angehört, erhält sie die Saisonunter-stützung, das heisst, die Verbandsgelder, die von dem Dachverband

Swiss Olympic für das Rodeln zur Verfügung gestellt werden. «Sponsoren zu
finden ist in meiner Randsportart schwierig», sagt Maag, die im «Management» von ihrer Schwester Andrea unterstützt wird. «Sie macht für mich die Website und das Sponsoring.» Die Olympia-Neunte von 2022 hofft, dass ihr die WM-Silbermedaille von diesem Winter hilft, neue Sponsoren zu finden. Umso mehr ist sie froh um die Anstellung seit dem Sommer 2022 als
Zeitmilitär-Spitzensportlerin bei der Schweizer Armee: «Das sorgte für eine
finanzielle Entspannung.» Dazu ist für sie auch die Schweizer Sporthilfe eine
grosse Unterstützung.

 

Keine Synergien mit Bob und Skeleton

Auch für das Material, den Schlitten und die Kufen, muss sie selber schauen. Synergien mit den Schweizer Bobsportlern sind nicht möglich. «Die haben Kufen aus Einheitsstahl, die ganz anders sind als unsere. Wir haben vom Reglement her auch viel mehr Möglichkeiten», sagt Maag und fügt an: «Bei uns sind die Schienen nicht rund, sondern haben Winkel. Wir können besser lenken als beim Bob und Skeleton.» Etwas, dass der Laie kaum sieht, aber halt schon ein entscheidender Unterschied ist. Natalie Maag war im Frühjahr 2020 nach Martina Kocher (erste Sprint-Weltmeisterin, Sprint- und Einzel-WM-Zweite) erst die zweite Rodlerin, die in Magglingen die Spitzensport-RS absolvierte. Kocher war im Spätsommer 2018 zurückgetreten. Natalie Maag ist zwar noch gleichzeitig mit der gebürtigen Seeländerin im Weltcup ge-startet. «Aber ich konnte von ihren Erfahrungen kaum profitieren», sagt sie.

 

Den Start verbessern

Ein Blick auf die Startzeiten zeigt, dass Nathalie Maag da nicht zu den Schnellsten gehört. Der Start mit dem Abstossen und dem «Paddeln» mit den Händen ist komplex und speziell im Einzel wichtig zugleich (im Sprint beginnt die Zeitmessung erst in Kurve 4). «Ich bin zu wenig schnellkräftig», sagt sie. «Aber technisch bin ich besser geworden.» Dies ist auch eine Folge davon, dass sie die letzten drei Jahre nach den Gruppen-Trainingsplänen des deutschen Teams hat trainieren können. «Seit letzten Sommer arbeite ich in Sursee zudem in der ‘Athletikschmiede’ mit Daniela Mühlebach zusammen». Sie hat an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen EHSM den Master Spitzensport absolviert und ist spezialisiert auf Kraft- und Sprinttraining. So hatte sie unter anderen auch die frühere Skeleton-WM-Zweite Marina Gilardoni betreut. «Mit Krafttraining, Sprints und Sprüngen versuche ich mit weiter zu verbessern», sagt Natalie Maag. «Diesen Weg gehe ich sicher bis 2026, zu den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo/Milano.» Die Zürcher Oberländerin tönt zuversichtlich und sagt: «Ich blicke noch vor den letzten beiden Weltcup-Einsätzen auf meine bisher beste Saison zurück.»


Zurück zur Übersicht Startseite