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Die Triple-A-Armee verteidigt in Zukunft die Schweiz

Eine verteidigungsfähige Triple-A-Armee soll in Zukunft die Schweiz verteidigen. Die drei A stehen für eine qualitativ bestmöglich alimentierte (personeller Bestand), ausgerüstete und ausgebildete Armee. Womit und wie der Chef der Armee diese drei Bereiche weiterentwickeln will, woran er sich dabei orientiert und worauf er die Fähigkeiten der Armee ausrichtet, beschreibt dieser Artikel.

24.04.2023 | Kommunikation Verteidigung, Roland Studer

Der Radschützenpanzer 93 ist eines jener Hauptsysteme der Armee, dessen Nutzdauer bald endet und das deshalb ersetzt werden muss. ©VBS/DDPS, Yves Baumann

Vor zwanzig Jahren war die sicherheitspolitische Lage international verhältnismässig ruhig. Das hat damals die Schweizer Politik bewogen, die Armee zu verkleinern. Sie kürzte deren Budget, minimierte den Sollbestand auf 100’000 Angehörige, richtete den Kernauftrag vom Abwehren bewaffneter Angriffe auf subsidiäre Unterstützung ziviler Behörden aus und beschränkte die militärischen Fähigkeiten auf den Erhalt der Kompetenzen. Das hat zwar weder das Können noch das Wissen der Armee reduziert – aber ihre Wirksamkeit.

Diese als «Armee XXI» bekannte Reform beruhte auf der Annahme, die Streitkräfte innert rund zehn Jahren personell und materiell ausbauen sowie technisch nachrüsten zu können, falls sich die Sicherheitslage verschlechtern würde. Ein solches Auf- und Nachrüsten zur Verteidigungsfähigkeit wird militärisch Aufwuchs genannt.

Investitionsplan der Armee ist öffentlich

Dieser Aufwuchs hat inzwischen begonnen, weil der Krieg in der Ukraine die internationale Sicherheitslage verändert hat. Diese wird unbeständig und potenziell unsicher bleiben – auch für die Schweiz. Deshalb hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, das Armeebudget bis 2035 schrittweise auf mindestens 1,0 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu erhöhen. Wie die Armeeführung das Zusatzbudget einzusetzen plant, zeigt der Investitionsplan der Armee bis 2035, der im Internet zugänglich ist. Die erforderlichen Verpflichtungskredite beantragt das VBS beim Bundesrat und Parlament jährlich mit der Armeebotschaft.

Fähigkeiten früher als geplant ausbauen

Die zusätzlichen Mittel ermöglichen es der Armee, Fähigkeiten wie die Cyberabwehr auszubauen, Fähigkeitslücken früher als geplant zu schliessen und bestehende Fähigkeiten zu erhalten, indem sie ihre Ausrüstung vervollständigt und modernisiert. Dies wird die abwehrende Wirkung der Armee erhöhen und ihre Durchhaltefähigkeit verlängern. Mit dem Zusatzbudget soll die Armee wieder verteidigungsfähig werden, was ihre Kernaufgabe ist. Für diese Schweizer Armee der Zukunft verwendet der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, den Begriff «Triple-A-Armee».

Der Begriff «Triple A» ist der Finanzbranche entlehnt, die mit Buchstaben von D bis AAA die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Staaten und natürlichen Personen bewertet. Dabei sind drei A, also ein «Triple A», das bestmögliche Rating. Diese Bestnote avisiert Korpskommandant Süssli für drei Eigenschaften der Schweizer Armee, die für jede Streitkraft zentral sind, damit sie leistungsfähig ist.

1. Die Alimentierung

Der personelle Bestand der Armee soll langfristig sichergestellt werden. Um diesen sorgt sich der Chef der Armee zurzeit am meisten, weil jedes Jahr rund 10'000 Armeeangehörige die Armee nach der Rekrutenschule verlassen. 7000 von ihnen treten in den Zivildienst ein, 2000 verliert die Armee aus medizinischen Gründen, 1000 werden administrativ entlassen. Auf diese Weise verliert die Armee jährlich rund 2000 Angehörige mehr, als sie verkraften kann – und deren spezialisierten Fähigkeiten. Diesen Personalverlust hält Korpskommandant Süssli für «das grösste Risiko, weil ohne Menschen keine Armee funktioniert».

Die Ursachen für diese Austritte sind nicht genau bekannt. Doch scheint die mangelnde Flexibilität des Dienstpflichtmodells der Armee für junge Angehörige einer der Hauptgründe zu sein, den Militärdienst frühzeitig aufzugeben. Deshalb prüft die Armee zurzeit Massnahmen, um den Militärdienst besser mit dem zivilen Leben zu vereinbaren. Dazu gehören unter anderem auf zwei Wochen reduzierte Wiederholungskurse.

2. Die Ausbildung

Um ihre Angehörigen gut ausbilden zu können und ihre Verteidigungskompetenz zu sichern, benötigt die Armee genügend Übungsplätze. Weil die wachsende Bevölkerung der Schweiz sich in Agglomerationen ausdehnt, muss die Armee besonders in dicht überbautem Gebiet kämpfen können. Dies steht im Bericht des VBS über die Zukunft der Bodentruppen – und der Krieg in der Ukraine bestätigt diese Analyse. Demnach muss die Truppe vermehrt den Kampf in Städten erlernen und trainieren. Dazu reichen jedoch die beiden Übungsdörfer in Bure (JU) und Walenstadt (SG) nicht aus. Deshalb möchte der Chef der Armee entweder einen neuen Übungsplatz bauen lassen oder mit Armeen zusammenarbeiten, die über solche Infrastrukturen verfügen.

3. Die Ausrüstung

Die Modernisierung und Erneuerung der Armee wird über 40 Milliarden Franken kosten, die aus dem ordentlichen Armeebudget finanziert werden. In diesen Kosten enthalten sind das neue Kampflugzeug «F-35» und das neue System zur bodengestützten Luftverteidigung grosser Reichweite «Patriot». Mit ihnen hat die Armee begonnen, ihre Verteidigungsfähigkeit langfristig zu stärken. Sie muss jedoch die nächsten 20 Jahren insgesamt 24 Hauptsysteme ersetzen, deren Nutzdauer enden (siehe Grafik).

Nutzungsende der Hauptsysteme

Während des Ausrüstens dazulernen

Korpskommandant Süssli will die Triple-A-Armee auf agile Weise ausrüsten: Bis zirka 2030 soll ein Drittel der Truppe mit modernen Effektoren, Sensoren und Führungsunterstützung erneuert werden, damit sie die Multi-Domain-Doktrin der gleichzeitigen Verteidigung in allen Operationssphären technologisch zeitgemäss trainieren kann. Die restlichen zwei Drittel der Armee sollen in der Folge mit wiederum modernen Systemen erneuert werden. «Auf diese Art lernen wir technologisch dazu, während wir die Truppe modernisieren. Das ist wichtig, weil Technologien wie künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Robotik immer schneller entwickelt werden und künftig das Kriegsgeschehen wesentlich beeinflussen», sagt der Chef der Armee.

Grundlagenberichte als Zielbild

Die Armee ergänzt also ihr Wissen der Vergangenheit mit Erkenntnissen der Gegenwart und entwickelt daraus die Fähigkeiten für die Zukunft. Welche Fähigkeiten sie entwickeln muss, weiss die Armeeführung genau. Sie richtet sich auf hybride Konflikte aus und setzt künftig mobilere und modulare Systeme ein. Dabei orientiert sich die Armee an ihren Berichten über die Zukunft der Luftverteidigung (2017), der Bodentruppen (2019) und des Cyberraums und elektromagnetischen Raums (2022). Diese – wie auch die zusammenfassende Konzeption Zukunft der Armee – sind im Internet zugänglich.

Der Chef der Armee will eine Triple-A-Armee

Was sich der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, unter einer Triple-A-Armee vorstellt und weshalb er eine solche will, erklärt er in dieser Folge der Schweizer Armee Podcast.

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