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Sprengversuche unter Schweizer Kontrolle

Anfangs Sommer 2022 hat die Schweiz in Zusammenarbeit mit anderen Ländern in Schweden einen Sprenggrossversuch mit einem neuen Munitionsmagazinbautyp durchgeführt. Dabei galt es herauszufinden, wie der neue Prototyp auf Sprengladungen von 216 kg, 364 kg und 2113 kg TNT reagiert. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, Munition und Explosivstoffe künftig noch sicherer zu lagern.

20.02.2023 | Kommunikation Verteidigung und Fachstelle Sicherheit im Umgang mit Munition und Explosivstoffen (SUME)

Die Explosion mit 2113 kg TNT zerstörte die dritte Munitionskammer vollständig und hinterliess einen Krater von rund einem Meter Tiefe.
Die Explosion mit 2113 kg TNT zerstörte die dritte Munitionskammer vollständig und hinterliess einen Krater von rund einem Meter Tiefe. ©VBS/DDPS, Fachstelle SUME

Das internationale Projekt «CUIRA 2022» fand vom 23. Mai bis 13. Juni 2022 im schwedischen Älvdalen statt. Es bestand aus drei Sprengversuchen unter Realbedingungen an einem neuen Typ von Munitionsmagazin namens «MM Cuira» (siehe Infobox). Dabei wurden drei Sprengversuche mit 216 kg, 364 kg und 2113 kg TNT durchgeführt. Das Projekt wurde von der Fachstelle Sicherheit im Umgang mit Munition und Explosivstoffen (SUME) des Armeestabs in Auftrag gegeben. Die Durchführung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Partnern von Bienz, Kummer & Partner AG, armasuisse Immobilien und armasuisse W+T. Neben der Schweiz als projektführende Nation beteiligten sich auch Schweden, Norwegen, Deutschland, England und die USA am Grossversuch. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, Munition und Explosivstoffe künftig noch sicherer zu lagern.

Für mehr Sicherheit

Das «MM Cuira» wird künftig als Munitionsmagazin für Kompanien und Rekrutenschulen zum Einsatz kommen. Im Hinblick darauf wurden mit den Tests in Schweden vier Hauptziele verfolgt:

  • Erbringung des wissenschaftlichen Nachweises, dass eine Explosion in einer Munitionskammer nicht auf die benachbarten Kammern übergreift;
  • Überprüfung der Trümmerausbreitungsmodelle und allfällige Aktualisierung der Risikoanalysemodelle;
  • Erlangung vertiefter Kenntnisse über die Belegungskapazitäten von Munitionsmagazinen;
  • Gewinnung von wichtigen Erkenntnissen, um Munition und Explosivstoffe künftig noch sicherer zu lagern.

Gigantische Arbeit nach den erfolgten Explosionen

Für den Grossversuch wurde ein «MM Cuira» mit drei Munitionskammern auf einem gesicherten Testfeld im schwedischen Älvdalen gebaut. Das Testfeld war rund einen Kilometer lang und 680 Meter breit. Die erste Sprengladung erfolgte mit 216 kg TNT, die zweite mit 364 kg TNT und die dritte mit 2113 kg TNT. Auf technischer Ebene wurde jede Explosion mithilfe modernster Technik aus verschiedenen Perspektiven erfasst. Nach jeder Explosion lokalisierten und zählten mehrere Dutzend Fachleute die Tausenden verstreuten Trümmerteile, die nach Lage, Gewicht und Materialtyp erfasst wurden. Diese enorme Arbeit nahm bei jedem der drei Sprengversuche jeweils mehrere Tage in Anspruch.

Erste positive Bilanz und Fortsetzung des Projekts

Die exakte wissenschaftliche Aufbereitung und Auswertung der Daten läuft derzeit noch. Dennoch vermeldet das Projektteam bereits zufriedenstellende Zwischenergebnisse: Zum Beispiel absorbiert die auf drei Seiten angeschüttete Erde die durch die Explosion freigesetzte Energie besser als erwartet. Ausserdem haben die Tests gezeigt, dass weder eine Sprengladung von 216 kg TNT noch eine von 364 kg TNT eine Übertragung auf die benachbarten Munitionskammern auslösen.

Die Ergebnisse werden im Laufe des Jahres 2023 in internationalen Arbeitsgruppen diskutiert und validiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung der Explosionsübertragungs- und Ausbreitungsmodelle sowie in die technischen Grundlagen für die Risikoanalyse einfliessen. Sie stellen die wissenschaftlich fundierten Grundlagen dar, um die Lagerung von Munition und Explosivstoffen in Zukunft noch sicherer zu gestalten.

MM CUIRA

Der im Kanton Graubünden erstellte Prototyp «MM Cuira» besteht aus einem Grundmodul (Munitionskammer mit angebautem Technikraum) und vier Erweiterungsmodulen (Munitionskammern). Die Anordnung der Kammern hängt von den lokalen Gegebenheiten ab und kann bzw. muss im konkreten Einzelfall von der Anordnung des Prototypen im Kanton Graubünden abweichen. Die Grundmasse einer Munitionskammer betragen 7,55 x 7,50 Meter mit einer lichten Höhe von 2,50 Metern. Der Abstand zwischen den einzelnen Kammern beträgt mindestens 6,00 Meter. Die Munitionskammern sind erdüberdeckt und dreiseitig angeschüttet.


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