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Traumberuf Cyber-Spezialist

Den Teilnehmenden des Cyber-Lehrgangs wird in den ersten Monaten eine Unmenge an Wissen vermittelt. Damit sie das Gelernte in der Praxis einsetzen können, absolvieren sie in der zweiten Hälfte des Lehrgangs ein dreimonatiges Praktikum. Für viele ist der Cyber-Lehrgang das Sprungbrett zum Traumberuf.

12.10.2022 | Kommunikation Verteidigung, Andreas Müller

Ein Teilnehmer des Cyberlehrgangs bei der Arbeit.
Ein Teilnehmer des Cyberlehrgangs bei der Arbeit. ©VBS/DDPS, Andreas Müller

Die Angehörigen des Cyber-Lehrgangs gehören mittlerweile zu den angesehensten Spezialistinnen und Spezialisten, welche die Schweizer Armee zu bieten hat. Die rund 20 Teilnehmenden pro Lehrgang verbringen in ihrer 40-wöchigen Ausbildung die meiste Zeit in Schulungen und Weiterbildungen. Erst gegen Ende ist ihr Wissen gross genug, um es im praktischen Dienst einsetzen zu können. Das tun sie im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums. Während die meisten Cyberspezialisten in einem Cyberbereich der Armee eingesetzt werden, haben einige die Möglichkeit, das Praktikum bei einem externen Partner zu absolvieren, beispielsweise bei einem Betreiber einer kritischen Infrastruktur oder einer kantonalen Strafverfolgungsbehörde. Diese Partnerschaften ermöglichen den Teilnehmenden, bereits vor Ende des Cyber-Lehrgangs Erfahrungen in der zivilen Cyberwelt zu sammeln. Die Partnerorganisationen profitieren ihrerseits von gut ausgebildeten Spezialistinnen und Spezialisten und die Schweizer Armee kann sich am Ende des Praktikums darüber freuen, dass ihre Angehörigen mit viel neuem Wissen zurückkehren.

Forensik bei der Berner Kantonspolizei

Eine Teilnehmerin, die ihr Praktikum bei einem externen Partner absolviert, ist Wachtmeister Yara. Schon seit früher Kindheit setzt sie sich mit der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Cyber-Welt auseinander. Das wurde ihr in die Wiege gelegt, denn auch ihr Vater arbeitet in der IT-Branche. Bereits in der 6. Klasse wurde ihr klar, dass sie eines Tages in der Forensik arbeiten möchte. Ihr Weg dorthin ist nicht immer einfach. Die Stellen in der IT-Forensik sind knapp und in vielen Köpfen passt eine Frau nicht in die IT- und Cyber-Welt. Das wurde ihr schmerzlich bewusst, als sie sich während der 6. Klasse für die Informatik Mittelschule anmeldete und ein Lehrer sie fragte, ob sie sich sicher sei, dass diese Computerwelt das Richtige für sie ist. Von solchen Aussagen liess Wachtmeister Yara sich nie unterkriegen und schloss die Informatikmittelschule erfolgreich ab. Auch danach war ihr Wunsch noch da, in der IT-Forensik zu arbeiten. Der Cyber-Lehrgang der Armee bot der jungen Spezialistin die besten Möglichkeiten und Chancen, diesem Traum einen Schritt näher zu kommen. Heute befindet sie sich im Endspurt ihres Praktikums bei der Kantonspolizei Bern und hilft jeden Tag mit, echte Verbrechen aufzudecken. Auf die Frage, ob sie dem Ende des Praktikums und des Lehrgangs entgegenfiebert, antwortet sie sofort mit Nein: «Im Gegenteil. Den Teamgeist und die Freundschaft, die ich in diesem Lehrgang erfahren habe, werde ich vermissen. Ich hoffe, dass ich auch im zivilen Leben wieder eine Stelle in der IT-Forensik bei einer Polizei finde» In der Stellensuche wird sie von der Armee eng begleitet und unterstützt.

Eigenes Können einbringen, um Prozesse zu vereinfachen

Nicht nur die externen Praktika führen zu Erlebnissen, wie sie Wachtmeister Yara machte. Auch die armee-internen Praktika bieten viel Abwechslung und spannende Erlebnisse. Das Military Computer Emergency Response Team (MilCERT) der Armee ist ein Bereich, der die Angehörigen des Cyber-Lehrgangs gerne bei sich aufnimmt. Das MilCERT ist die sogenannte erste Verteidigungslinie, wenn es darum geht, den Schutz der Armee-relevanten IKT-Mittel sicherzustellen. Um diese anspruchsvolle Aufgabe über das gesamte Aufgabenspektrum der Armee sicherzustellen, ist das MilCERT auf motivierte und gut ausgebildete militärische Cyberspezialistinnen und -spezialisten angewiesen.

Seit zwei Monaten absolviert Wachtmeister Noah sein Praktikum dort. Er wurde nach seiner vierjährigen Lehre als Informatiker EFZ (Fachrichtung Applikationsentwicklung) von seinem Lehrlingsbetreuer auf den Cyber-Lehrgang aufmerksam gemacht und bewarb sich sofort dafür. Auch heute, nach rund 36 Wochen Ausbildung in der Armee, ist er immer noch überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Im MilCERT werden sogenannte Incidents bearbeitet. Das kann zum Beispiel Malware sein, die auf einem Gerät der Militärverwaltung gefunden wird. Die Aufgabe von Wachtmeister Noah ist es dann, herauszufinden, woher diese Malware stammt, wie sie auf das Gerät gelangt ist, welchen Schaden sie angerichtet hat oder ob sie sogar Daten abgegriffen hat. So entwickelt er aktuell beispielsweise eine Applikation, welche Spam-Mails automatisch auf gefährliche Malware überprüft. «Das erspart meinen Mitarbeitenden die mühsame Aufgabe, täglich tausende von E-Mails zu untersuchen.» Da sich Wachtmeister Noahs Praktikum langsam dem Ende zuneigt, hat auch er sich Gedanken über die Rückkehr ins zivile Leben gemacht. «Aktuell steht ein lukratives Angebot von einem namhaften Unternehmen im Raum, welches sich mit Cyber Security auseinandersetzt. Bereits einige Abgänger des Cyber-Lehrgangs fanden dort eine Stelle, hoffentlich gehöre ich auch dazu.»

Letzter Höhepunkt steht noch bevor

Während die Angehörigen des Cyber-Lehrganges sich also langsam mit der Rückkehr ins zivile Leben auseinandersetzen müssen, steht ein letzter Höhepunkt noch bevor. In der Abschlussübung Delfino beüben die Ausgebildeten ihre Nachfolger. Diese dreitägige Übung gilt es, ganz alleine vorzubereiten. «Wir sind zwar gut im Zeitplan, aber es gibt noch einiges zu erledigen. Wir wollen unsere Nachfolger schliesslich mit einigen Überraschungen aus der Reserve locken» meint Wachtmeister Noah und lächelt.


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