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Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Highlight – Notfallübung in schwierigem Gelände

Der Alltag des Medic-Teams im SWISSCOY Kontingent 46 kann mit demjenigen in einer Hausarztpraxis verglichen werden: Täglich werden Kontingentsangehörige behandelt und das Team steht Tag und Nacht auf Abruf bereit. Zusätzlich sind die Medics für die Notfallversorgung zuständig und trainieren diese in Übungen, die auf den Einsatzraum zugeschnitten sind. Für ein solches Training – gemeinsam mit dem Super Puma des Lufttransport-Detachements – plante und realisierte Oberwachtmeister Jeannine Ita ein entsprechendes Szenario. Hauptmann Jallal Osmani leitete als Chief Medical Officer Team am Unfallort und Oberst Kai Tisljar wurde zur medizinischen Beurteilung beigezogen. Im Interview erzählen die drei Beteiligten von ihren Erfahrungen.

09.08.2022 | Fachoffizier Norbert Jenal, Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY 46

Obwm Jeannine Ita und Oberst Kai Tisljar (hinten v.l. stehend) beobachten das Medic-Team während der Notfallübung

Oberwachtmeister Jeannine Ita, wie lange dauerte die Planung dieser Übung und was sind die Besonderheiten, wenn ein Helikopter in einem solchen Training involviert ist?

«Mit der Planung dieser Übung habe ich vor rund einem Monat begonnen. Da es unsere erste Übung mit dem Super Puma war, bekam ich vom G3 Air eine Schulung, was es besonders zu beachten gilt. Um eine solche Übung mit dem Lufttransport-Detachement (LT Det) und dem Helikopter zu planen, braucht es einen Antrag zuhanden der KFOR. Zwei Tage vor der Übung haben wir dann ein Briefing von den Piloten und den Load Master erhalten. Uns wurde gezeigt, wie wir in den Super Puma ein- und austeigen müssen und was es sonst zu beachten gilt. Dieses Briefing war wichtig, denn eine Übung mit dem Super Puma war für uns eine neue Erfahrung. Bei Hubschraubern ist es wichtig, von vorne heranzugehen, damit die Piloten dich sehen und es ist unerlässlich, auf die Anweisungen des Load Masters zu achten. Wie bei allen Notfällen muss trotz Zeitdruck die Ruhe bewahrt werden, da es sonst zu Flüchtigkeitsfehlern kommen kann, welche den Einsatz gefährden können. Ist ein Helikopter involviert, steht aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationseinheiten im Fokus. Vor allem die Kommunikation ist in einem Helikopter, wegen dem Lärm, schwieriger.»

Hauptman Jallal Osmani, Sie sind als Arzt im Einsatzraum und haben als Übungsleiter das Medic-Team angeleitet. Was haben Sie zu Beginn des Übungsszenarios vorgefunden?

«Eine sehr realitätsnahe Ausgangslage: Bei einer Fusspatrouille in schwierigem Gelände stürzte ein Kamerad und zog sich dabei eine offene Schienbeinfraktur und eine Schürfwunde am Kopf zu. Daraus resultierte ein leichtes Schädelhirntrauma sowie aufgrund der Blutung am Unterschenkel eine leichtgradige Hypovolämie, sprich ein Volumenmangel der im Kreislauf zirkulierenden Blutmenge. Später kam dann auch eine Hypothermie, Unterkühlung, hinzu. Grundsätzlich war dies eine neue Erfahrung für mich, da ich noch nie den Lead bei einem Einsatz gemeinsam mit dem LT Det hatte. Ich habe die Übung, insbesondere auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Crew und den Piloten, sehr positiv erlebt.»

Worin bestand die Herausforderung?

«Die Herausforderungen können grundsätzlich in taktische und medizinische unterteilt werden. Zu den taktischen zählen das schwierige Gelände und das unbekannte Terrain sowie Wetterverhältnisse wie Regen und Kälte. Tatsächlich kam es zu einem Wetterumschwung und es fing an zu regnen. In der Regel wird der Patient bei diesem Prozess beinahe komplett entkleidet, weshalb auch die Gefahr der Unterkühlung sehr real ist. Die medizinischen Herausforderungen liegen beim korrekten, schemagerechten Vorgehen der medizinischen Untersuchung, Behandlung und Schmerzmanagement sowie bei den möglichen Zustandsveränderungen des Patienten.»

Sie hatten als Chief Medical Officer (CMO) den Lead bei der Notfallübung. Wie haben Sie das Team erlebt?

«In Anbetracht dessen, dass wir zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammengearbeitet haben, habe ich die Kommunikation und die Teamarbeit als sehr effizient und positiv erlebt. Es war eine lehrreiche Übung mit realitätsgetreuen medizinischen sowie auch taktischen Überlegungen. Dass wir als Team die Möglichkeit hatten von Oberst Kai Tisljar beurteilt zu werden, ist natürlich ideal – er hat das nötige Know-how im militärischen sowie auch im medizinischen Bereich.»

Oberst Kai Tisljar, als einsatzerfahrener Arzt waren Sie als beurteilender Arzt bei der Übung anwesend. Welche Beobachtungen konnten Sie machen?

«Nach mehreren Trainings hat die Zusammenarbeit im Team aus meiner Sicht gut funktioniert. Jeder hat vom Notfallteamleiter eine Funktion zugeteilt bekommen, die er in Kooperation mit den anderen Teammitgliedern ausgeführt hat und deren Resultate sowie weitere Ereignisse dem Teamleiter zurückgemeldet hat. Das Team war engagiert und konzentriert bei der Arbeit und der Patient wurde rasch nach internationalen Standards beurteilt und behandelt.»

Wie funktionierte die Koordination der einzelnen Teammitglieder?

«Nach internationalen Standards gibt es verschiedene, genau festgelegte Gesichtspunkte, die es einer solchen Situation zu beachten gilt. Da die Teammitglieder bereits im Rahmen der einsatzbezogenen Grundausbildung in Stans-Oberdorf in diesem Bereich ausgebildet wurden und dies trainiert haben, braucht es nur noch den Austausch weniger gezielter Informationen unter den Teammitgliedern, damit sie ihre Arbeit koordinieren können.»

Welches Fazit ziehen Sie aus dieser Übung?

«Die Übungsziele wurden erreicht. Das Team konnte seine interne und externe Zusammenarbeit weiter trainieren, seine Kommunikation verbessern und hat die möglichen Gefahren einer Bergung im Gebirge kennengelernt. Zudem hat die Übung auch gezeigt, wo es noch Optimierungspotenzial gibt. Alles in allem kann ich sagen, es war eine sehr gute, anspruchsvolle Übung, welche die Gruppe als Team gemeistert und damit weiter im Sinne der Auftragserfüllung geformt hat.»


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