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Militärische Herausforderungen im Cyberraum

Militärische Bestrebungen zur Erhöhung der Sicherheit im Cyberraum sind gesellschaftlich und politisch mehrheitlich unbestritten, in der Umsetzung hingegen höchst anspruchsvoll. Über die Eigenschaften und Eigenheiten des Cyberraums wird viel berichtet, oft aber aus ziviler Sicht und nicht aus militärischer.

10.08.2022 | Kommunikation Verteidigung, Lorena Castelberg

Die militärische Sicht auf den Cyberraum ist oftmals komplexer als die zivile. Der Cyber- und Informationsraum spielt für die Schweizer Armee in allen Lage eine zentrale Rolle.
Die militärische Sicht auf den Cyberraum ist oftmals komplexer als die zivile. Der Cyber- und Informationsraum spielt für die Schweizer Armee in allen Lage eine zentrale Rolle. ©VBS/DDPS, Clemens Laub

In der Wintersession 2021 hat das Parlament der Relevanz der Sphäre Cyber Rechnung getragen und den vorgeschlagenen Änderungen des Militärgesetzes zur Schaffung eines Kommando Cyber breit zugestimmt. Es soll künftig die militärischen Schlüsselfähigkeiten in den Bereichen Lagebild, Cyberabwehr, IKT-Leistungen, Führungsunterstützung, Kryptologie und elektronische Kriegführung bereitstellen. Nur so kann sichergestellt werden, dass diese erste Verteidigungslinie tatsächlich die Sicherheit der Schweiz im Cyberraum gewährleisten kann.

Zunehmend hybride Konflikte

Der Cyberraum unterscheidet sich dabei von den anderen Operationssphären in wesentlichen Punkten. Insbesondere das Tempo der Angriffe sowie die unlimitierte Reichweite in unserer vernetzten Welt sind typische Eigenschaften der mittlerweile häufig gewordenen Cyberangriffe. Dennoch sollten Manöver im Cyberraum nur selten für sich isoliert betrachtet werden. Das volle Potenzial von Aktionen im Cyberraum kann nur in Kombination mit den konventionellen Dimensionen Luft und Boden ausgeschöpft werden.

Reine Cyberkriege gibt es nicht

Der Cyberraum zeichnet sich zusätzlich durch seine besondere Nähe zum Informationsraum aus. Die speziellen Eigenschaften des Cyberraums, wie zum Beispiel die grosse operationelle Reichweite, bieten optimale Grundlagen zur Erzielung von Effekten im Informationsraum. Bei der Beurteilung von Manövern im Cyberraum ist es deshalb angebracht, dass auch mögliche Effekte auf den Informationsraum berücksichtigt werden. Gerade im Hinblick auf die oftmals sehr diffuse Informationslage in Krisensituationen lassen sich die Motive der gegnerischen Akteure so oftmals besser entschlüsseln. Aktionen im Cyberraum waren bis jetzt nicht Teil reiner Cyberkriege, sondern meist eingebettet in einen übergeordneten Rahmen. Aktionen im Cyberraum erfolgen sehr häufig bereits in Friedenszeiten, was die Grenzen zwischen Krieg und Frieden immer mehr verwischt.

Wissens- und Entscheidvorsprung

Es muss auch zwischen rein virtuellen Aktionen und Aktionen mit physischen Auswirkungen, welche wesentlich komplexer sind, unterschieden werden. Das grundsätzliche Ziel von Cyberaktionen, die Schaffung eines (militärischen) Vorteils, deckt sich jedoch mit demjenigen physischer Aktionen. Nur wenn diese Eigenschaften ganzheitlich und über alle Stufen berücksichtigt werden, ist es möglich, den in jeder Lage wichtigen Wissens- und Entscheidvorsprung zu erzielen. Geländegewinne im physischen Raum entsprechen im Cyberraum dem Gewinn von Informationen und Daten. Deren Schutz steht deshalb an oberster Stelle und ist die wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Verteidigung in einem komplexen, sich rasch wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld.

In allen Lagen fähig

Das Operieren in einem komplexen Umfeld erfordert entsprechende Fähigkeiten und Fachkräfte. Nebst der Bereitschaft, eigene Systeme und Netzwerke gegen Cyberangriffe zu verteidigen, muss die Armee auch permanent in der Lage sein, ihre Cyberfähigkeiten für militärische Aktionen und Notfallsituationen zur Verfügung zu stellen. Die Hybridität moderner Konflikte sowie der stetige technologische Fortschritt tragen weiter dazu bei, dass zur erfolgreichen Führung von Cyberoperationen eine hohe Anpassungsfähigkeit und enge Zusammenarbeit zwischen zivilen und staatlichen Akteuren erforderlich ist. Die tiefen Eintrittskosten in den Cyberraum ermöglichen insbesondere nichtstaatlichen Akteuren, Cyberaktionen selbständig zu führen. Mit der Bildung eines Kommandos Cyber signalisiert die Schweizer Armee die Wichtigkeit, welche sie dem CER (Cyber- und elektromagnetischer Raum) in Zukunft einräumt.

Stratos-Artikel

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines Artikels in Stratos. Der ganze Artikel kann in der ersten Ausgabe dieses Jahres gelesen werden.

Stratos

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