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Mobilmachung kurz erklärt

Um die Unterstützungsgesuche der Kantone zu erfüllen, hat die Schweizer Armee einen Teil des Spitalbataillons 2 für den Assistenzdienst Corona mobilisiert. Sie stehen dem Gesundheitswesen seit dem 27. Dezember zur Verfügung. Im Ereignisfall können Truppen elektronisch alarmiert und innert kürzester Zeit eingesetzt werden. Wie eine solche Teilmobilmachung abläuft, erklärt dieser Artikel.

27.12.2021 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

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Der Mobilmachungsprozess ist für alle Formationen identisch. Gerade weil die Mobilmachung auch unter erschwerten Bedingungen erfolgen kann, ist es wichtig, dass sie immer nach dem gleichen Prozess abläuft:

1. Phase

Die Mobilmachung wird durch das Kommando Operationen ausgelöst. Ziel ist, möglichst schnell Truppen zum Einsatz zu bringen. Nicht im Dienst stehende Armeeangehörige werden per eAlarm (SMS, Telefon, Email) oder Marschbefehl alarmiert. Gleichzeitig kann auch ein Aufgebot mittels Radio, TV, Sirenenalarm oder weiteren Massenmedien erfolgen. Die aufgebotenen Armeeangehörigen müssen vollständig ausgerüstet so rasch als möglich (oder gemäss Angaben im Alarmierungstext oder Marschbefehl) einrücken. Das Tragen der Uniform dient bei einem elektronischen Aufgebot als Berechtigung zum unentgeltlichen Transport mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

2. Phase

Die Armeeangehörigen treffen an ihrem zugewiesenen Einrückungsort ein. Anschliessend verschieben sie auf den Mobilmachungsplatz (in der Regel Waffen- und Flugplätze). Die Einheiten organisieren sich nach dem Einrücken selbstständig auf dem Mobilmachungsplatz auf den zugewiesenen Einheitsstandorten. Sie stellen die Identifikation, die sanitarische Eintrittsmusterung, die Orientierung der Truppe sowie Bezug, Einrichtung und Sicherung des Standortes sicher. Der Waffenplatz unterstützt die einrückende Truppe durch die Zuweisung von Infrastruktur, die Unterstützung bei Logistik und Ausbildung sowie mit der Sicherung des Mobilmachungsplatzes.

3. Phase

Sobald die Fassungsdetachemente bereit sind, verschieben diese an den zugewiesenen Fassungsort und beginnen mit der Übernahme der Ausrüstung. Die Ausrüstungsübernahme erfolgt grundsätzlich nach dem Holprinzip. Bei dieser überprüft die Truppe die Vollständigkeit der zentralen Ausrüstungsgegenstände. Die Fahrer absolvieren ein Fahrerrepetitorium und fassen ihre Fahrzeuge. Anschliessend kehren die Detachemente mit Material und Fahrzeugen zurück auf den Mobilmachungsplatz.

4. Phase

In der Regel befindet sich ein mobilisierender Truppenkörper maximal 24 Stunden auf dem Mobilmachungsplatz. Nach dem Erstellen der Marschbereitschaft respektive dem Abschluss der Mobilmachung bezieht der Verband den Bereitschaftsraum. Damit wird der Mobilmachungsplatz für die Mobilmachung eines weiteren Verbandes frei. Im Bereitschaftsraum wird die einsatzbezogene Ausbildung durchgeführt. Anschliessend verschiebt der Verband in den Einsatzraum. Eine Ausnahme sind Milizformationen mit hoher Bereitschaft: Sie können direkt vom Mobilmachungsplatz in den Einsatzraum verschieben und somit innert 24 bis 96 Stunden nach der Alarmierung bereits im Einsatz stehen.

Damit im Ernstfall alles reibungslos funktioniert, trainieren alle Truppenkörper den Ablauf einer Mobilmachung in ihren jährlichen Wiederholungskursen. Bei einem unerwarteten Ereignis werden zuerst die Berufsformationen der Armee eingesetzt, anschliessend die Durchdiener und jene Verbände, die gerade im Dienst sind. Nur wenn diese Truppen nicht ausreichen, werden weitere Formationen mobilisiert. Eine Mobilmachung erfordert einen politischen Entscheid auf Stufe Bund.
 

Das Bereitschaftssystem der Armee

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Im Ereignisfall gilt das System der abgestuften Bereitschaft: Wenn es nötig ist, können bis zu 35’000 Armeeangehörige innert 10 Tagen mobilisiert werden. Zuerst werden die «Mittel der ersten Stunde» einsetzt. Das sind die Berufsorganisationen und die Durchdiener der Armee. Anschliessend werden sich im Dienst befindende Verbände sowie Truppen aus Rekruten- und Kaderschulen einberufen. Falls diese Truppen nicht reichen oder spezifische Fähigkeiten erforderlich sind, werden weitere Formationen mobilisiert.

Die zusätzlichen Truppen können elektronisch alarmiert und innert kürzester Zeit eingesetzt werden. Zunächst werden die Milizformationen mit hoher Bereitschaft aufgeboten. Damit können mehrere Tausend Angehörige der Armee innert 24 bis 96 Stunden zusätzlich mobilisiert werden. Bei Bedarf lassen sich weiteren Milizformationen mittels Marschbefehl aufbieten.