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Von der ENIGMA bis zum Kommando Cyber

Der Bereich Cyber hat in der Armee seit Jahrzehnten seinen festen Platz. Seine Geschichte reicht bis in den zweiten Weltkrieg zurück. Die wichtigsten Meilensteine zeigen, wie sich der Bereich Cyber in der Armee entwickelt hat, der heute wichtiger ist denn je.

08.11.2021 | Kommunikation Verteidigung, Lorena Castelberg

1938 beschaffte die Armee die berühmte Rotorschlüsselmaschine ENIGMA und stand damit mit beiden Beinen mitten in der Kryptologie. Seither ist Kryptologie fester Bestandteil der Schweizer Armee.
1938 beschaffte die Armee die berühmte Rotorschlüsselmaschine ENIGMA und stand damit mit beiden Beinen mitten in der Kryptologie. Seither ist Kryptologie fester Bestandteil der Schweizer Armee. ©KEYSTONE-SDA

Die ersten Schritte im «Cyberspace» wagte die Schweizer Armee während des zweiten Weltkriegs, als das Verschlüsseln und Entschlüsseln von Informationen ein wichtiger sicherheitspolitischer Aspekt war. 1938 beschaffte die Armee die berühmte Rotorschlüsselmaschine ENIGMA und stand damit mit beiden Beinen mitten in der Kryptologie. Sie war für den Export vorgesehen und verhältnismässig schwach verschlüsselt. Deshalb begann die Armee 1943, die optimierte Maschine NEMA weiterzuentwickeln. Seither ist Kryptologie fester Bestandteil der Schweizer Armee.

Beim Bau der NEMA war ab 1946 Paul Glur der Kryptologiespezialist für das Pflichtenheft verantwortlich. Er baute in den 70er-Jahren als erster Chef Kryptologie der Armee den heutigen Bereich KRYPT auf, der in den 80er-Jahren durch ein erstes Miliz-Element, bestehend aus Mathematikern, ergänzt wurde. Auf diesem Grundstein ist die Abteilung KRYPT zu einem professionellen Team aufgebaut worden. Heute umfasst die Milizeinheit Kryptologie rund 50 Armeeangehörige.

Informatik- und Informationssicherheit in der Armee

1988 ist im Infanteriebataillon 65 der erste Informatikerzug gebildet worden, der sich um die Informatiksicherheit der Armee kümmert und seither innerhalb des VBS im Bereich der Informatik- und Informationssicherheit weiterentwickelt worden ist. Um die Jahrtausendwende wurde analysiert, welche potenziellen Gefahren sich in den 2000er-Jahren abzeichnen könnten. Dafür gab der damalige Generalstabschef Hans Ulrich Scherrer die Vorstudie «Information Operations» in Auftrag.

2001 hat die Armee während einer strategischen Führungsübung erkannt, dass weder der öffentliche noch der private Sektor die zusammenhängenden Probleme alleine lösen können, die sich aus den Bedrohungen im Cyberraum ergeben. Bereits vor 20 Jahren wurde aus diesem Grund das Bedürfnis laut, die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor zu intensivieren. Dies hat wiederum dazu geführt, dass das eidgenössische Finanzdepartement im Oktober 2004 die Melde- und Analysestelle für Informationssicherung MELANI gegründet hat.

Die erste Operationseinheit für Cybersicherheit

Etwa im Jahr 2007 hat das Team Kryptologie der Schweizer Armee die Grundsteine für zwei neue Bereiche gelegt: Die militärischen Operationseinheiten «Computer Emergency Response Team» (milCERT) und die «Computer Network Operation» (CNO). Diese beiden Einheiten sind in den darauffolgenden Jahren als eigenständige Bereiche aus der Kryptologie herausgelöst und sukzessive ausgebaut worden. Klein aber fein haben das milCERT und das CNO begonnen, die Netzwerke der Armee zu schützen und ihre Fähigkeiten für offensive Cyberoperationen aufzubauen.

Diese neuen Realitäten, Gefahren und Möglichkeiten, die der Cyberraum mit sich bringt, erfordern laufend Anpassungen der rechtlichen Grundlagen. Mit dem revidierten Gesetz des Nachrichtendienstes 2016 und dem revidierten Militärgesetz 2018 verfügt die Schweiz bis heute über klar definierte rechtliche Voraussetzungen, um im Cyber- und elektromagnetischen Raum Aktionen durchzuführen.

Weckruf für die Cyberabwehr

2016 rüttelte ein Cyberangriff auf die damalige RUAG AG die Schweizer Armee auf. Er zeigte deutlich auf, dass die Armee und armeenahe Unternehmen ein direktes Ziel für solche Aktionen sind. Dieses Ereignis und Cyberangriffe gegen kritische Infrastrukturen hatten die Schweiz alarmiert. Die beiden Ständeräte Josef Dittli und Joachim Eder gaben fast zeitgleich Motionen ein, die von den Räten genehmigt wurden.

Die Motion Eder führte zum Aufbau des nationalen Cyber Security Center NCSC, das sich auf Bundesebene um die Cybersicherheit der Schweiz kümmert und die seit kurzem integrierte Organisation MELANI unterstützt. Die Motion Dittli hat den Ausbau der Cybertruppen der Armee auf 600 Angehörige und ein Kommando Cyber gefördert. In Rekordzeit ist ein Cyberlehrgang auf die Beine gestellt, in dem seit 2018 jährlich zwischen 40 und 50 Armeeangehörige zu Cyber-Spezialisten ausgebildet werden. Damit trägt die Armee dazu bei, dass erworbenes Wissen in der Armee anschliessend in den Unternehmen der Schweizer Privatwirtschaft eingesetzt und weiterentwickelt wird.

Zukunft hat bereits begonnen

Das in der Motion Dittli geforderte Kommando Cyber hat die Schweizer Armee im Mai 2021 als Projekt Kommando Cyber initialisiert. Sie hat erkannt, dass sich die Führungsunterstützungsbasis (FUB) aufgrund der aktuellen Bedrohungen und technologischen Entwicklungen von einer breit gefächerten Unterstützungsorganisation zu einem einsatzorientierten Kommando weiterentwickeln muss. Das Kommando Cyber wird künftig Leistungen in den Bereichen IKT, Cyber- und Elektromagnetischer Raum erbringen.

In den Bereichen Cyber und Digitalisierung hat die Schweizer Armee im Verlauf der Zeit wichtige Meilensteine erreicht. Mit dem Kommando Cyber wird die Armee der historisch gewachsenen Bedeutung der Cybersphäre gerecht und ist gegen die Herausforderungen der Zukunft gewappnet. 

Projekt Kommando Cyber

Bild Kdo Cyber

Die Schweizer Armee muss heute und in Zukunft in der Lage sein, ihre Informatiksysteme gegen Cyberangriffe zu schützen. Auch muss die Armee in den Operationssphären Elektromagnetischer Raum, Cyberraum und Informationsraum Wirkungen entfalten können. Darum muss sich die Führungsunterstützungsbasis weiterentwickeln, unter Berücksichtigung der Anforderungen aus den Berichten «Luft» und «Boden», sowie der zukünftigen Ausrichtung der Armee.

Projekt Kommando Cyber