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SWISSCOY Update - Das etwas andere Liaison and Monitoring Team

Das Liaison and Monitoring Team (LMT) Zubin Potok unterscheidet sich mit seinen drei Arbeits- und Lebensstandorten von den anderen Schweizer Beobachtungsteams im Kosovo. Ihre Zuständigkeitsregion befindet sind im nördlichen Teil des Landes mit einer kosovo-serbischen Bevölkerungsmehrheit. Sie ist gezeichnet vom Gazivode-See, der auf der politischen Bühne des Kosovos eine zentrale Rolle spielt. Das Schweizer LMT übernimmt damit einen wichtigen Teil zugunsten der Aufträge der Kosovo Force (KFOR) und hält die nötigen Beziehungen zu Verantwortlichen in ihrer Region aufrecht.

19.10.2021 | Wm Aline Brülisauer, Stv. Presse und Informationsoffizier SWISSCOY 44

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Beim Meeting mit dem Verantwortlichen des Wasserkraftwerkes.

45 Minuten müssen die Kameradin und die Kameraden des LMT Zubin Potok täglich fahren, bis sie vom Camp Novo Selo (CNS) aus in ihr Zuständigkeitsgebiet kommen. Die Unterkunft befindet sich im CNS was sie von anderen Liaison und Monitoring Teams unterscheidet, die in Häusern in den jeweiligen Städten wohnen.

Damit sie das Morgenbriefing nicht im Wohn-Compound abhalten müssen, steht dem Team im Hauptquartier des Camp Novo Selos ein dafür eingerichtetes Büro zur Verfügung. Es befindet sich direkt neben jenen anderer Nationen und die Soldatinnen und Soldaten des Schweizer LMT werden auf dem Weg zum Büro von vielen Angehörigen anderer Armeen begrüsst. Der internationale Austausch ist dadurch gross, was sehr geschätzt wird. «Mir gefällt das Campleben im CNS und die damit einhergehenden internationalen Beziehungen, die für den Auftrag einen grossen Mehrwert erbringen. Es gibt diverse Rückzugsmöglichkeiten, um neue Energie für zukünftige Aufträge zu tanken, was in einem Fieldhouse nicht immer möglich ist.» Hauptmann Yuri Buchmeier, der Teamcommander spricht aus Erfahrung, denn er leistet nicht seinen ersten Einsatz in einem LMT.

 

Der Tag beginnt

Nach dem Morgenbriefing sind die Aufgaben verteilt und jedes Team weiss, was zu tun ist. Bei Hauptmann Buchmeier und Hauptfeldweibel Fabio Serioli, LMT-Observer, steht heute ein Meeting mit dem Geschäftsführer des Wasserkraftwerkes des Gazivode-Sees auf dem Programm. Auf dem Weg nach Zubin Potok machen sie noch einen kurzen Halt in Mitrovica, wo die Interpreterin Jelena dazusteigt. Im Auto wird geredet, hauptsächlich über das bevorstehende Meeting, aber auch über Jelenas vergangene Ferien. Das Meeting heute ist wichtig, denn Yuri Buchmeier und Fabio Serioli wollen wissen, wie es um die Reparaturen der wichtigen Turbine steht, die für den Betrieb des Kraftwerks von Bedeutung ist. Darum werden sämtliche zu besprechenden Punkte kurz durchgegangen, sodass alle gut vorbereitet sind.

 

Ein Ausschnitt aus der Geschichte des Gazivode-Sees

Der Gazivode-See ist ein künstlicher See und erstreckt sich über den Kosovo sowie Serbien. Seine Fläche beträgt 12 Quadratkilometer bei einer Tiefe von bis zu 105 Metern. Damit hat der Stausee ein durchschnittliches Volumen von 360 Millionen Qubikmetern, was etwas mehr als die dreifache Kapazität des Verzasca-Speichersees in der Schweiz darstellt. Der aus Schutt und Geröll bestehende Damm wurde von 1973 bis 1977 gebaut. Hierbei, mussten vier Dörfer samt den rund 2000 Bewohnerinnen und Bewohner auf die umliegenden Gemeinden umgesiedelt werden. Bei tiefem Wasserstand ist deshalb auch eine Kirchenspitze zu erkennen. Der See wird nach der Energiegewinnung beim Wasserkraftwerk zum Fluss Ibar, der in Richtung Mitrovica fliesst, und dem Obilic-Kanal in den Süden zum Braunkohlekraftwerk in der Nähe Pristinas. Die Hauptgründe für die Erbauung des Stausees waren die Energieversorgung der nördlichen Bevölkerung des Kosovos, die Wasserversorgung für die Landwirtschaft und das Trinkwasser für die nördlichen Gemeinden entlang des Ibars. Ausserdem wird der Obilic-Kanal für die Kühlung des Kohlekraftwerkes genutzt.

Unsere Arbeit wird den Kosovo nicht über Nacht verändern. Jedoch trägt sie massgeblich zur Stabilisation der Region bei.

– Hauptmann Yuri Buchmeier, Teamcommander.

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Vor dem Treffen mit dem Verantwortlichen des Wasserkraftwerks wurde genügend Zeit eingeplant, um den Wasserspiegel des Sees zu messen. Das LMT macht dies regelmässig, da der Wasserstand einen direkten Indikator für den Energieverbrauch der Region darstellt sowie zeigt, dass der Obilic-Kanal genügend Kühlwasser fasst. Anhand der Zahlen am Rand der Treppe, die zum See führt, kann der Wasserstand abgelesen werden. Fabio notiert das Ergebnis und die beiden gehen anschliessend zum Meeting. Der Verantwortliche der Wasserkraftwerke ist ein vielbeschäftigter Mann, weshalb das Treffen nur rund eine halbe Stunde dauert. Trotzdem hat er die Zeit gefunden, dem LMT die reparierte Turbine zu zeigen. Er hat sich über ihren Besuch gefreut – und das nicht nur wegen der Schokolade, die sie mitbrachten. Nach dem Meeting geht es weiter in das Field-Office in Zubin Potok, wo die beiden die Informationen nachbearbeiten. Yuri Buchmeier schätzt das Meeting als Erfolg ein: «Weil der Gazivode-See ein markantes Merkmal in unserem Zuständigkeitsgebiet ist, ist die gute Beziehung zu den Kraftwerkverantwortlichen für unsere Arbeit zentral. Mit dem heutigen Gespräch konnten wir das bestehende Verhältnis festigen, was wertvoll ist.»