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SWISSCOY Update - Unterwegs auf Relaistour

«Charlie Hotel, this is Charlie Hotel 123». Der Beginn aller Funksprüche wird den SWISSCOY-Angehörigen wahrscheinlich ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Das Funken gehört zum Einsatz dazu, weil dies der direkteste Kommunikationsweg von einem Sender zu mehreren Empfängern ist. Damit das Funknetz auch immer funktioniert, sind die Angehörigen der Movement Control (MOVCON) regelmässig auf Kontrolltour. Dieses Mal war Soldat Claudio Calderone unterwegs und hat die Anlagen gewartet.

13.10.2021 | Fachoffizier Michelle Steinemann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 44

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Einmal wöchentlich ist die MOVCON auf Kontrolltour. Dabei werden die Relaisstandorte abgefahren, um dort die Anlagen der SWISSCOY zu warten. Diese Woche ist Claudio Calderone an der Reihe. Die Tour dauert etwa vier Stunden, während derer er ungefähr 150 Kilometer zurücklegt. Die Runde beinhaltet die Inspektion zweier Anlagen, wobei Sdt Calderone mit jener auf der Anhöhe südwestlich des Kosovos beginnt. Der Weg nach oben ist abenteuerlich und lässt erkennen, wofür die SWISSCOY ihre Geländewagen benötigt. Nachdem man die Hauptstrasse verlassen hat, verschlechtert sich der Strassenzustand zunehmend. Der Weg führt zuerst durch ein 500-Einwohner-Dorf. Die Bewohner kennen die Schweizer Autos, die bereits seit längerem regelmässig hochfahren und winken beim Passieren zu. Vom Dorfausgang bis zur Anhöhe geht es über eine kurvenreiche Kiesstrasse, teilweise durch den Wald, bis auf den Hügel. Die Schlaglöcher in der Strasse sind manchmal riesig und zwingen den Übermittlungsspezialisten, langsam zu fahren, um keine Schäden am Auto zu verursachen.

 

Auf dem Relaisstandort

Oben angekommen begrüsst ein Lokalangestellter Sdt Calderone und lässt ihn auf das Grundstück. Diese wohnen jeweils für einige Monate oben bei der Anlage in einem kleinen Haus und wechseln sich dann mit anderen Personen ab. Claudio erklärt: «Sie sind nicht unfreundlich, aber sie sprechen kein einziges Wort Englisch. » Wie überall im Kosovo, sind auch dort Hunde anzutreffen. Die Vielzahl an unterschiedlichen Blumen und Gräsern ist erstaunlich und zieht dementsprechend viele Bienen und andere Insekten an. Auch die Aussicht kann sich sehen lassen. Ein Relaisstandort bringt dies logischerweise mit sich.

 

Routinemässige Kontrolle

Dank der Routine geht die Kontrolle der Anlage zügig vonstatten. Dazu gehört, dass Claudio Calderone die Funkfrequenz neu einstellt, wobei er die fünf Ziffern der jeweiligen Kanäle mittlerweile auswendig kennt. Anschliessend testet er mit einem Radiocheck an die MOVCON die Verbindung. Wenn alles funktioniert, wartet er die Antennenkabel indem er sie aussteckt und mit einem Kontaktspray einsprüht, sodass nichts rosten kann. Einmal monatlich wird die Antenne heruntergefahren und gefettet. «Wenn man dies nicht regelmässig macht, ist die Antenne irgendwann so eingerostet, dass man sie gar nicht mehr herunterbringt», erklärt er. Ausserdem testet er, ob Strom auf der Anlage ist oder ob – wie dies manchmal passiert – eine Sicherung rausgesprungen ist. Und tatsächlich: eine Sicherung ist durchgebrannt und Sdt Calderone muss eine neue einsetzen. Oft wird dies beim Funken gar nicht bemerkt. Denn wenn die Angehörigen der SWISSCOY nach zwei Funkanläufen nicht zur Zentrale durchkommen, melden sie per Telefon. Für den ganzen Kontrollablauf gibt es eine ausführliche Pocketcard. «Wenn man sich an diese hält, kann man eigentlich gar nichts falsch machen», versichert Claudio Calderone.

 

Funken ist der einfachste Kommunikationsweg

Weiter geht es auf den zweiten, etwas näher an Pristina gelegenen Hügel, der nicht halb so imposant ist, was die Flora und Fauna angeht. Dafür trifft man anstatt auf einen bellenden, angeketteten Riesenhund auf einige süsse Welpen. Die Kontrolle unterscheidet sich nicht vom ersten Standort und ist auch da schnell erledigt. Nachdem Sdt Calderone alles ins Gefechtsjournal und ins Kontrollheft eingetragen hat, fährt er runter und zurück ins Camp Film City. Er geniesst diese Ausflüge mit seiner Kameradin und seinen Kameraden jeweils. Innerhalb der MOVCON hätten sie eine gute Arbeitsatmosphäre und eine grosse Handlungsfreiheit. «Viele Dinge können wir untereinander regeln und die Dienste und Relaistouren selbst einteilen und abtauschen», meint er. Die Kontrollen sind essenziell, damit immer alles funktioniert. Andere Nationen hat er bisher an den Standorten noch nie gesehen und ist sich sicher: «Es trägt niemand so Sorge zu ihrem Material wie wir Schweizer. » Für die MOVCON ist der grosse Vorteil an der Kommunikation per Funk, dass eine Meldung der Zentrale, beispielsweise über einen Stau auf der Strasse, nur einmal per Funk abgesetzt werden muss. Per Telefon werden alle Personen einzeln versucht zu erreichen. Der wöchentliche Aufwand von vier Stunden und 150 Kilometern Autofahrt ist nur zugunsten der Angehörigen der SWISSCOY, damit sie sich auf ein funktionierendes Funknetz verlassen können. Schön, wenn sie dieses denn auch nützen.