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SWISSCOY Update - «Als Chief Tactical Effects Center zu arbeiten ist eine Horizonterweiterung»

Die SWISSCOY besetzt die Stelle des Chief Tactical Effects Centers (TEC) noch nicht so lange. Im amerikanischen Camp Bondsteel verantwortet Oberstlt Felix Wiedersheim als Chef die Produkte dieser Zelle und führt sie personell. Der Einblick in seine Arbeit zeigt die Vielfältigkeit und Herausforderungen. Gerade deshalb kann er einiges für seinen Beruf als Berufsoffizier mitnehmen.

07.10.2021 | Fachoffizier Michelle Steinemann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 44

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Beim Betreten der Büroräumlichkeiten des Tactical Effects Centers fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Die Räume sind mit dunklen Holzmöbel ausgestattet. Kombiniert mit dem fehlenden Tageslicht, das durch das blaue, aber nicht helle Neonlicht kompensiert wird, vermittelt das einem ein Gefühl, sich in einem Bunker zu befinden. Das Büro von Oberstlt Wiedersheim ist dabei keine Ausnahme. Es ist grosszügig, aber spärlich eingerichtet mit einem Büro- und einem Besprechungstisch. Von dort aus führt er fachlich und personell das Tactical Effects Center der Regional Command East (RC-E) im Camp Bondsteel.

Die Arbeitsbereiche des Tactical Effects Center sind divers. Zum einen gehört die Auswertung (Assessment Cell) dazu, wo die Berichte der Liaison and Monitoring Teams (LMT) überarbeitet und zusammengeführt werden – das Pendant zur Arbeit des Schweizer Offiziers in der Regional Command West im Villaggio Italia. Weiter ist Felix Wiedersheim beteiligt bei der Beurteilung anstehender Projekte der zivil-militärischen Kooperation der KFOR und bei der Organisation von Treffen mit hochrangigen Personen und der Vorbereitung von Rapporten auf Stufe RC-E. Kleinere Geschäfte betreffen die Zusammenarbeit mit unterstellten Abteilungen, wo es darum geht, Informationen dieser Stellen an die Mitarbeitenden der RC-E weiterzugeben. Er verantwortet die Produkte und die Personalführung inkl. der Qualifikation von den internationalen Armeeangehörigen.

Tagwache ist um etwa 06.30 Uhr. Er schläft in einem Abteil eines länglichen Holzhauses, bei dem die Eingänge zu den einzelnen Zimmern über eine gemeinsame Veranda verbunden sind. Dabei gilt es zu erwähnen, dass diese Zimmer deutlich grösser sind als die üblichen Container, dafür aber weniger Tageslicht haben. Sein Arbeitsweg führt über die typischen Holztreppen und Wege, die das Camp Bondsteel prägen und nach 897 Schritten ist er am Arbeitsplatz. Drei Mal wöchentlich findet ein Rapport mit den Stabsmitarbeitenden des RC-E statt. Ansonsten geht es darum, sich auf dem Laufenden zu halten. Oberstlt Wiedersheim liest die Medienübersicht, die neuen Mails und Updates der Informationsbeschaffung. Bis mittags müssen von der Assessment Cell die täglichen Berichte der LMT korrigiert sein. Diese werden anschliessend von Oberstlt Wiedersheim ein letztes Mal überprüft. Dabei beurteilt er, ob einer dieser Rapporte wichtige und dringliche Informationen enthält, sodass sie direkt den verantwortlichen KFOR-Stellen zugestellt werden sollten. Alle anderen werden von der Assessment Cell abschliessend versendet. Dank des hohen Fachwissens von Fachoffizier Martina Limacher, der Stellvertreterin Assessment Cell, werden die Rapporte genauestens analysiert, wodurch die Kenntnis der Lage aller KFOR-Mitglieder erhöht wird. Der Chef der Assessement Cell äussert sich ebenfalls positiv: «Unsere Arbeitsqualität hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen.»

Nebst diesen fixen Tätigkeiten werden in der restlichen Zeit Sachen erledigt wie Besuche organisieren oder den Austausch mit der vorgesetzten Stelle sichergestellt. Dies ist wichtig, da das Tactical Effects Center mit ihren speziellen Aufgaben eine Querfunktion im typisch militärischen Organigramm besetzt und dies den Informationsfluss erschwert. Oberstlt Wiedersheim findet dies herausfordernd: «Die Sprache ist nicht Alltags- sondern amerikanisches "Militärenglisch", das ich nicht immer verstanden habe. Kombiniert mit den mir unbekannten amerikanischen Prozessen, war es nicht immer einfach, alles auf Anhieb zu verstehen.»

Als Schweizer im amerikanischen System

Das Camp Bondsteel wird von den Amerikanern geführt, was man überall bemerkt. Das beginnt für Felix Wiedersheim schon bei den Arbeitsgeräten. «Die Amerikaner arbeiten auf ihrem eigenen "BURAUT-System", zu welchem ich keinen Zugriff habe. Also muss ich das KFOR-System benutzen. Das macht die ohnehin nicht so effiziente Kommunikation zusätzlich umständlich», berichtet der Chief TEC. Auch nach Arbeitsschluss fühlt man sich ganz in Amerika. Im Burger King, Taco Bell und Subway sind die Preise in Dollar angeschrieben und im amerikanischen Shop bekommt man alles, was das amerikanische Herz begehrt. Oberstlt Wiedersheim erzählt: «Im Camp Bondsteel befindet man sich offiziell auf amerikanischem Terrain. Deshalb steht sogar in meinem COVID-Zertifikat, dass ich in Amerika geimpft wurde.»

Unvergessliche Zeit

Felix wäre ursprünglich als Teamcommander (TC) eines LMT geplant gewesen. Seine Erfahrungen als Chief TEC sind zwar anders als sie als TC gewesen wären, aber nicht weniger lehrreich. Gerade als Berufsmilitär ist es für ihn lehrreich zu sehen, wie andere Nationen arbeiten. Er meint: «Es ist eine Horizonterweiterung zu sehen, dass man auch nicht so prozessgebunden, wie es in der Schweizer Armee üblich ist, zu einem Ziel kommt.»

Abends verbringt Felix Wiedersheim viel Zeit mit seiner Schweizer Kameradin, Martina Limacher, geht joggen oder ins Softball-Training. Dafür gibt es sogar eigene Meisterschaften. Ein Feierabendbier zu trinken kommt für ihn nicht in Frage. Alkoholkonsum ist auf Freitag, Samstag und Sonntag beschränkt und auch dann limitiert. Er kann auf einen spannenden Einsatz und viele unvergessliche Momente zurückblicken. Trotzdem ist für ihn klar: «Ich freue mich sehr darauf, bald wieder zu Hause zu sein.»