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Ihre Ziele sind mit Bedacht gewählt

Späher sind dann erfolgreich, wenn sie keiner bemerkt. Sie beschaffen der Bataillonsführung Informationen, leiten Minenwerferfeuer und sind Meisterschützen. Um das Scharfschützen-Metier ranken sich die vielen Mythen. Was ist wahr daran?

04.10.2021 | PIO Inf Bat 56, Obergefreiter Dario Muffler

Scharfschützen-Binom des Inf Bat 56 im Einsatz
Scharfschützen-Binom des Inf Bat 56 im Einsatz. ©VBS/DDPS Soldat Jeremy Albrecht & Obergefreiter Dario Muffler

Ihre Funktion wird gleichermassen verehrt wie verspottet. In Hollywoodfilmen erhalten Scharfschützen Heldencharakter. In der Schweizer Armee unterstellt ihnen die Truppe manchmal, stundenlang nur im Wald herumzuliegen. Beide Perspektiven sind falsch.

Leutnant Simon Buri kennt die Vorurteile bestens. «Zum Teil wollen Leute Späher werden aufgrund des Bildes, das sie aus den Hollywoodfilmen haben», sagt der Zugführer in der Unterstützungskompanie 56/4. Diese trainiert aktuell ihre Fähigkeiten im Wiederholungskurs.

Auge und Ohr eines Infanteriebataillons

Späher: So heisst die Funktion, die in der Armee seit ein paar Jahren die Rollen des Scharfschützen, des Minenwerferbeobachters und des Aufklärers vereint. Die Späher sind Augen und Ohren eines Infanteriebataillons , denn sie bewegen sich im feindlichen Gebiet.

Bis die Späher aber ins Gelände geschickt werden können, müssen sie einiges vorbereiten. Das kann gut und gerne vier Stunden dauern, sagt Buri. Ein wichtiger Teil der Vorbereitung ist das Einschiessen des Gewehrs. «Wenn wir im Einsatz erfolgreich sein wollen, muss hier saubere Arbeit geleistet werden.»

Mit einem Spezialgewehr ausgerüstet

Scharfschützen können mit dem Gewehr bis auf eine Distanz von 1200 Meter schiessen. Dabei werden meist Fahrzeuge ins Visier genommen. Stehende Zielpersonen trifft man bis auf eine Entfernung von 600 Metern, sich bewegende Personen bis auf rund 450 Meter. Doch Leutnant Buri betont: «Präzisionsfeuer sind zwar ein wichtiger Teil unserer Aufgaben, aber nur ein kleiner.» Die Anzahl der Schüsse ist für einen Scharfschützen stark beschränkt.

Das Gewehr der Scharfschützen ist grösser und schwerer als das Sturmgewehr. Das Gewicht, das ein Späher mit sich trägt, ist nicht zu unterschätzen: mindestens 40 Kilogramm.

Anders als in Blockbustern suggeriert wird, sind Scharfschützen in der Schweizer Armee nie alleine unterwegs.

Die komplexere Aufgabe hat der Beobachter

Jeder Trupp ist mit einem Scharfschützengewehr ausgerüstet, auf das ein Zielfernrohr montiert werden kann. Einzelnen Soldaten ohne Scharfschützengewehr oder Zielfernrohr kommt die anspruchsvolle Aufgabe des Spotters zu. «Der Spotter teilt dem Schützen die Korrekturen am Gewehr mit, die es aufgrund äusserer Einflussfaktoren braucht», sagt Buri, etwa wegen Wind, Temperatur und Luftdruck.

Potenzielle Späher müssen eine hohe psychische und physische Belastungsfähigkeit mitbringen. Das hängt auch mit der Einsatzdauer zusammen. «Späher-Trupps müssen für 72 Stunden alleine für sich sorgen können», sagt Buri.

 

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