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Wertvolle grüne Insel in Bure

Nicht nur die Landesverteidigung, sondern auch der Natur- und Heimatschutz sind zentrale Aufgaben des Bundes. Das Ziel des Programms Natur-Landschaft-Armee ist deshalb, ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Armee und dem Erhalt der Biodiversität zu finden. Dank dieser Bestrebungen hat sich der Waffenplatz Bure zu einer wertvollen grünen Insel entwickelt.

18.10.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Panzer sind hochwirksame Kampfmittel im Krieg. Auf Waffenplätzen können sie jedoch auch der Landschaftspflege dienen.
Panzer sind hochwirksame Kampfmittel im Krieg. Auf Waffenplätzen können sie jedoch auch der Landschaftspflege dienen. ©VBS/DDPS, Thomas Cunz

Auf dem Waffenplatz Bure lernen die Panzerbesatzungen das Gefecht und pflügen dabei mit ihren Leopard-Panzern durch das Übungsfeld im Jura. Die 60-Tonnen-Maschinen aus Stahl hinterlassen tiefe Furchen im Boden, die einen optimalen Lebensraum für Fauna und Flora abgeben. Das Programm Natur-Landschaft-Armee (NLA) koordiniert den Schutz und die Nutzung der Panzerpisten und macht den Waffenplatz damit zu einem Hort der Artenvielfalt.

Die Armee unterstützt gerne

Die Bestrebungen im Bereich des Naturschutzes sind bei der Armee willkommen. Stabsadjutant Jean-Claude Marion vom Waffenplatzkommando bestätigt, dass die Vorgaben keine Einschränkungen für die Ausbildung der Truppe bedeuten: «Wenn ein Problem auftaucht oder jemand eine Idee hat, diskutieren wir das und finden immer eine gute Lösung.» Eine Lösung, die für Armee, Natur und Landwirte trag- und umsetzbar ist. Dabei gilt es, die Bedürfnisse der Armee zu gewichten und wo nötig Kompromisse zu finden.

Für die Truppe gibt es ein Reglement, das auch den Naturschutz umfasst. Die Vorgaben und Richtlinien sind klar definiert und ihre Einhaltung wird sichergestellt. Manchmal muss Stabsadjutant Marion die Armeeangehörigen sogar ausdrücklich auffordern, mit dem Panzer über eine unberührte Wiese zu fahren: «Sonst nehmen alle denselben Weg und wir verpassen die Möglichkeit, neue Lebensräume zu schaffen.» Die mit Panzerkettenspuren durchzogenen Passagen bieten vielfältigen Lebensraum. Stabsadjutant Marion ergänzt: «Die Natur erobert sich den Platz zurück, den die Panzer brauchten. Pflanzen spriessen, in den Löchern leben Amphibien. Alle haben gewonnen.»

Kleiner Aufwand, grosser Nutzen

Ein Beispiel für die Arbeit der Naturschützer im Tarnanzug ist auch die neue Übungsanlage für die Brückenleger. «Wir brauchen nur die Anlage. Der Graben ist sich selbst überlassen und entwickelt sich zu einem neuen Lebensraum», so Stabsadjutant Marion. Der Waffenplatzunterhaltsdienst mäht das Gras, doch nicht zu oft und später als anderswo, da im Graben auf Anraten des Biologen Alain Perrenoud einheimische Heublumen ausgesät wurden. «Einfach und sanft, aber wohlüberlegt», so Perrenouds Motto.

Ausserdem wurde vom Team rund um Christian Liniger, Chef Ausseninfrastruktur in Bure, kürzlich ein Abflussgraben angelegt, damit bei starkem Regen das Wasser vom Übungsgelände abfliessen kann. Dieser hat nicht nur einen Nutzen für die Armee, sondern auch für die Natur. «Das ist ein Paradies für Amphibien. Wir erzielen hier mit wenig Aufwand eine grosse Wirkung», stellt Perrenoud klar.

Vorgaben an die Landwirtschaft

Zentral für das Konzept Natur-Landschaft-Armee auf dem Waffenplatz Bure sind die Vorgaben für die landwirtschaftlichen Pächter. Gemäht werden darf erst ab dem 15. Juni, damit die Pflanzen ausreichend Zeit haben, zu blühen und sich zu vermehren. Die Einhaltung der Vorgaben werde auch kontrolliert, betont Liniger. Er lässt vor und nach dem Stichtag eine Drohne, die sonst für Übungen verwendet wird, über den Waffenplatz fliegen. Wenn jemand früher gemäht hat, wird das geahndet. «Und einige Parzellen lassen wir bis September stehen, damit die Tiere einen Zufluchtsort haben, wenn überall sonst gemäht wird.»

Hort der Biodiversität

Viele Armeeanlagen weltweit sind Horte der Biodiversität, weil sie anderer Nutzung, beispielsweise durch Touristen, Sportler oder Planwirtschaft, weitgehend entzogen sind. In Bure ist dieser Umstand auch historisch bedingt. Als der Waffenplatz 1968 errichtet wurde, war die intensive Landwirtschaft mit der damit verbundenen Mechanisierung, den Grossparzellen und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erst in ihren Anfängen. Von 1050 Hektaren Boden brauchte die Armee ungefähr die Hälfte. Der Rest ist geblieben, wie er war. Viele Bereiche des Geländes werden weder von Fahrzeugen befahren noch von Menschen betreten und genutzt.

Positives Fazit

Pierrick Buri, im Bereich Verteidigung für den Umweltschutz zuständig, zieht Bilanz: Das Programm Natur-Landschaft-Armee funktioniere seit zwanzig Jahren gut, das zeige sich auch am Fall Bure. «Auf dem Waffenplatz gibt es mehr Vogel- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, als ausserhalb.» Allen voran die Heidelerche, von der seit der Lancierung des Programms rund zwei Dutzend Paare auf dem Areal leben, rund zehn Prozent des ganzen Bestands dieser Vogelart in der Schweiz.

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen mache das Programm so effizient, erläutert Buri: «Wir entscheiden gemeinsam, welche Massnahmen wir umsetzen, für welche Schwerpunktarten welches Vorgehen sinnvoll ist und welche Mittel wir einsetzen.» Diese Feinabstimmung bei der Planung eines jeden Projekts sei das Erfolgsrezept des Programms.

20 Jahre Natur-Landschaft-Armee (NLA)

Das Programm NLA des VBS ist eine Folge der Gleichstellung der Landesverteidigung mit dem Natur- und Landschaftsschutz in der Verfassung. Das Programm deckt Konflikte zwischen verschiedenen Nutzungen auf, definiert Massnahmen zu deren Entschärfung und sorgt für die Umsetzung der definierten Massnahmen. Mit dem Programm setzt die Armee seit nunmehr 20 Jahren auf nachhaltige Lösungen, zum Beispiel indem sie Umweltaspekte bei Planungs- und Entscheidungsprozessen berücksichtigt. In einer Zeit erhöhten Siedlungsdrucks sind unverbaute Flächen wie Militärareale zentral für den Erhalt der Lebensräume und der Artenvielfalt. Viele militärisch genutzte Flächen berühren Schutzgebiete. Seltene Tier- und Pflanzenarten sind auf Armeearealen überdurchschnittlich häufig anzutreffen. Deshalb hat die Armee eine besondere Verantwortung für den Erhalt von Naturwerten, etwa von Amphibienlaichgebieten. Sie fördert Biodiversität, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume.

Ein Rückzugsort für die Natur

Der Waffenplatz Bure liegt auf einem Plateau im Jura unmittelbar an der Grenze zu Frankreich und wurde 1968 eröffnet. Er wird im Rahmen des Ausbildungszentrums (AZA) West ganzjährig insbesondere von Panzertruppen genutzt. Ein zentrales Element in Bure ist Nalé, das künstliche Übungsdorf mit 32 Gebäuden. Teil des Waffenplatzareals ist auch ein fast 300 Hektaren grosses Naturschutzgebiet aus Trockenzonen, Wäldern, Magerwiesen, Hecken und Feuchtzonen. Innerhalb des Perimeters des Waffenplatzes finden sich rund 60 verschiedene Pflanzenarten. Auf nur einem Quadratkilometer nisten 44 Vogelarten. Die Populationen der meisten Vogelarten haben in den letzten rund zehn Jahren zugenommen – nicht zuletzt dank des Programms Natur-Landschaft-Armee.

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