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SWISSCOY Update - Leben und Arbeiten im Container

Es ist unbestritten, dass sich ein friedensfördernder Einsatz in der SWISSCOY im Kosovo von einem regulären Dienst in der Schweiz unterscheidet. Auch die Infrastruktur der SWISSCOY ist in ihrer Modularität und Mobilität einzigartig. Trotz den Einsatzbedingungen können sich die 195 Schweizer Armeeangehörigen im Kosovo auf ihre Infrastruktur verlassen.

29.09.2021 | Fachoffizier Michelle Steinemann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 44

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Seit 1999 unterstützt die Schweizer Armee die Friedensförderung im Kosovo. Derzeit ist die SWISSCOY, das Schweizer Kontingent im Kosovo, an neun Standorten über das ganze Land verteilt im Einsatz. Die Arbeits- und Lebensweisen unterscheiden sich dabei deutlich, abhängig von der Funktion.

Liaison and Monitoring Teams

Die Liaison and Monitoring Teams agieren als Augen und Ohren der Kosovo Force (KFOR). Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Spannungen und Veränderungen im Umfeld wahrzunehmen und der KFOR zu rapportieren. Damit sie einen möglichst engen Bezug zur Bevölkerung herstellen können, leben die Teams von Malishevo, Prizren und Mitrovica jeweils mitten in den jeweiligen Städten in einem Haus in der Form einer Wohngemeinschaft. Die Häuser sind bei privaten, lokalen Besitzern eingemietet. Der ordentliche Gebäudeunterhalt wird in der Verantwortung der Hauseigentümer sichergestellt. Aufgrund von nationalen gesetzlichen Bestimmungen muss die Sicherheit den Schweizer Standards gerecht werden. Das führte dazu, dass in den Häusern beispielsweise die ganze Elektrik nach Schweizer Norm umgebaut wurde. Weitere Anpassungen wurden der Situation entsprechend vorgenommen. In einigen Häusern werden zum Teil Werkstoffe verstärkt gebaut. Die Schweizerinnen und Schweizer in den Häusern im Kosovo geniessen in allen Belangen eine grosse Sicherheit.

Camps als Containerdorf

Abgesehen von diesen drei Liaison and Monitoring Teams arbeiten und leben alle SWISSCOY-Angehörigen in Standard ISO-Containern. Sie sind alle zweieinhalb Meter breit und sechs Meter lang. Auch alle Büroräumlichkeiten, Betreuungseinrichtungen oder Läden sind modular aus Containern aufgebaut. Unterschieden wird zwischen Wohn- und technischen Containern. Letztere sind je nach den technischen Anforderungen eingerichtet (Küchen, Waschküchen, Stromproduktion usw). Aufgrund der hohen Anzahl SWISSCOY-Angehörige teilen sich viele einen Wohncontainer. Gewisse Stabsfunktionäre, die direkt zugunsten der KFOR arbeiten, leben aber nicht in den von den Schweizern errichteten Containerbauten oder Container-Infrastrukturen, sondern in den Einrichtungen der KFOR. Viele Camps und die darin stehenden Betreuungseinrichtungen sind häufig aus Containern gebaut. Je nach Baukünsten ist es allerdings kaum mehr erkennbar, dass es sich um Container und gar keine Festbauten handelt, weil sie zum Teil mit Holz verkleidet sind. Abgesehen von der Betreuungseinrichtung, dem Swiss House, ist im Schweizer Compound deutlich sichtbar, dass die Wohn- und Arbeitstrakte aus einzelnen Containern bestehen. Beim Flughafen Slatina musste bei null begonnen werden, neue Wasserleitungen wurden verlegt und Stromleitungen gezogen. Weil sie an die LEGO-Bauart erinnert, wird der Swiss Compound von den Angehörigen der SWISSCOY 44 charmant auch «Lego-Haus» genannt.

Anpassen an die Umstände

In den letzten 22 Jahren hat sich der Einsatz der KFOR verändert und den Umständen angepasst. Mitbetroffen waren auch die Standorte der SWISSCOY, was den Auf- und Abbau von ganzen Camps mit sich brachte. 1999 sah sich die Schweizer Armee das erste Mal mit der Herausforderung konfrontiert, für die Angehörigen des Friedensförderungsdienstes eine, dem Schweizer Recht entsprechende, Infrastruktur aufzubauen. Beim Campaufbau hat das damalige Festungswachtkorps, der Ingenieursstab, das Kompetenzzentrum SWISSINT und dabei insbesondere die Logistikzelle unterstützt mit ihrem grossen Know-how im Bereich Tiefbau. Der erste SWISSCOY-Standort befand sich ab 1999 in Suva Reka im Camp Casablanca. Weil die KFOR im Jahr 2012 die Anzahl der unterschiedlichen Stationierungen im Kosovo verringern wollte, löste sie dieses Camp auf.

Das National Support Element ist anschliessend zuerst ins Feldlager nach Prizren umgezogen, der SWISSCOY-Stab ins Camp Film City, wo sich auch das Hauptquartier der KFOR befindet. Zu den Herausforderungen bei solchen Bauprojekten im Kosovo gehört unter anderem der Zeitdruck und die Schwierigkeit, Infrastrukturen aufzubauen und Truppenkörper umzusiedeln und dabei gleichzeitig die operationelle Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten. Es spielt auch eine wesentliche Rolle, ob die Infrastrukturen in einem bestehenden Camp aufgebaut werden, wo man auf Leistungen des Campbetreibers KFOR (Wasser, Abwasser, Elektroanschlüsse) zurückgreifen kann, oder man diese auch selber realisieren muss, wie zum Beispiel am Standort des Lufttransport-Detachements am Flughafen Slatina bei Pristina.

Zelte für noch mehr Flexibilität

Die Container sind dank dem relativ raschen Auf- und Abbau gut für eine friedensfördernde Mission mit wechselnden Standorten geeignet. Bei kurzfristig aufkommenden und befristeten Belegungsbedarf werden Zelte eingesetzt. Sie sind in ein bis zwei Tagen aufgebaut, haben einen festen Boden und verfügen sowohl über eine Heizung wie auch eine Klimaanlage. Schon mehrmals waren andere KFOR-Nationen froh über die Zelte der Schweizer, wenn schnell mehr Belegungskapazität benötigt wurden.

Unterhalt

Für den Unterhalt der Anlagen ist eine Infrastruktur-Gruppe der SWISSCOY zuständig. Zusätzlich sind an allen Standorten Logistikfunktionäre eingesetzt, die Unterhalt und Reparaturen koordinieren. Wie auch die Fahrzeuge, wird die Infrastruktur regelmässig durch Mitarbeitende der Logistikbasis der Armee kontrolliert. Gerade im August 2021 war wieder eine umfassende Kontrolle aller elektrischer Anlagen der SWISSCOY fällig. Während Tagen testeten sie jede einzelne Steckdose und Sicherungskasten, um sicher zu gehen, dass alles funktioniert und die Schweizer Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Die SWISSCOY kann sich jederzeit auf eine hochstehende Infrastruktur nach Schweizer Qualität verlassen. Gerade wenn die Angehörigen der Armee einen Einsatz leisten, weit weg von den gewohnten Umständen in der Schweiz, ist eine gute und funktionierende Infrastruktur viel wert.