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Die Entstehung des Kommandos Cyber

Die aktuelle Bedrohungslage sowie die technologischen Entwicklungen führen dazu, dass sich die Führungsunterstützungsbasis von einer breit gefächerten Unterstützungsorganisation zu einem einsatzorientierten Kommando weiterentwickeln muss. Das Kommando Cyber soll künftig Leistungen in den Bereichen IKT, Cyber- und Elektromagnetischer Raum erbringen.

27.09.2021 | Kommunikation Verteidigung, Anna Muser und Lorena Castelberg

Divisionär Alain Vuitel ist aktuell Projektleiter des Kommandos Cyber. Thomas Fankhauser führt die FUB ad interim bis zur vollständigen Überführung ins Kommando Cyber. ©VBS/DDPS, Clemens Laub

Die Führungsunterstützungsbasis (FUB) erbringt schon lange keine Unterstützungsleistungen mehr im eigentlichen Sinn. Kaum eine Übung oder ein Einsatz der Armee ist ohne den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) durchführbar. Hinzu kommen Aktionen im Cyber- und Elektromagnetischen Raum (CER). Mit diesen beiden Bereichen befinden sich seit jeher zwei der sechs Operationssphären der Armee in der Führungsunterstützungsbasis und sie gewinnen stetig an Bedeutung.

Gesamtkonzeption Cyber

Den Auftakt der Weiterentwicklung der FUB zu einem Kommando Cyber bildet ein Dokument, analog den Berichten «Zukunft der Bodentruppen» und «Luftverteidigung der Zukunft». Die «Gesamtkonzeption Cyber» (GK Cyber) zeigt die Entwicklungstendenzen auf, umfasst das nationale Recht sowie die Doktrin und fokussiert sich auf sechs operationelle Fähigkeiten. Die GK Cyber beschreibt drei Optionen für die künftige Fähigkeitsentwicklung der Armee. Mitte Juni wurde das Dokument durch die Armeeführung genehmigt. Im Oktober 2021 soll es auch dem Bundesrat vorgelegt werden.

Die bestehende und die neue Welt

An der Umsetzung der GK Cyber wird aktuell im Projekt Kommando Cyber gearbeitet. Eine kleine Gruppe von Mitarbeitenden aus der FUB bilden unter der Führung von Divisionär Alain Vuitel das Projektteam Kommando Cyber. Es geht derzeit darum, abgeleitet aus den sechs operationellen Fähigkeiten der GK, die grundlegenden Prozesse und Leistungen zu definieren. Dies soll schliesslich die zukünftige Organisationsstruktur des Kommandos Cyber aufzeigen. Bis Ende 2023 soll diese Gruppe schrittweise zu einem Kommando heranwachsen – geplant ist, dass im Verlauf der Zeit immer mehr Fachleute und damit Fähigkeiten aus der FUB in das Projekt Kommando Cyber transferiert werden. Am 1. Januar 2024 wird dann das Kommando Cyber gebildet sein.

Robust und sicher in allen Lagen

Während sich die Projektmitarbeitenden im Kommando Cyber dem Aufbau der Digitalisierungsinfrastruktur der Zukunft widmen, stellt die FUB unter der Leitung von Thomas Fankhauser die bestehende Leistungserbringung der aktuellen IKT-Infrastruktur der Armee sicher. Diese wird noch während mehrerer Jahre in Betrieb bleiben und muss in dieser Zeit in allen Lagen sicher und robust funktionieren. Beide Organisationen – das Kommando Cyber und die FUB – arbeiten gemeinsam darauf hin, sichere digitalisierte IKT-Prozesse zugunsten der Armee bereitzustellen, für heute und morgen.

Operationelle Fähigkeiten im Kommando Cyber

CER-Eigenschutz: umfasst alles, was es braucht, um armeeeigene Verbände, Systeme, Infrastrukturen, Daten, Informationen und Netze über alle Lagen gegen Bedrohungen im Cyber- und Elektromagnetischen Raum (CER) zu schützen. Bei den Bedrohungen handelt es sich um gegnerische Einwirkungen, um technisches oder menschliches Versagen oder um Umwelteinflüsse.

Lageverständnis im Verbund: ermöglicht es, auf allen Führungsstufen den Kontext zu verstehen, Risiken, Gefahren und Bedrohungen zu identifizieren sowie Vorteile rechtzeitig zu erkennen. Ein fusioniertes, aktuelles Lagebild ist eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg im Einsatz.

Organisatorische und technische Führung im Verbund: stellt sicher, dass die verschiedenen Führungsstufen lagegerecht über die notwendigen Führungsinformationen verfügen – zur richtigen Zeit und im richtigen Detaillierungsgrad. So wird die Koordination der Führungstätigkeiten über alle Führungsstufen möglich.

Robuste und sichere Datenverarbeitung: wird durch eine gehärtete, degradationsfähige und einsatzbezogene erweiterbare IKT-Infrastruktur sichergestellt.

Aktionen im Elektromagnetischen Raum: dienen dazu, einen gegnerischen Akteur dabei zu stören oder ihn gar daran zu hindern, den Elektromagnetischen Raum zu nutzen. Zudem wird er dabei beeinträchtigt, einen Wissens- und Entscheidungsvorsprung zu erlangen oder seine Effektoren zu steuern.

Aktionen im Cyberraum: hindern den gegnerischen Akteur daran, einen Wissens- und Entscheidungsvorsprung zu erlangen. Auch die Wirkung seiner Effektoren wird dadurch beeinträchtigt.

Die Aktionen können auch dazu dienen, Massnahmen zur Spionageabwehr in den eigenen IKT-Systemen durchzuführen, um Ziele und Absichten von eingedrungenen gegnerischen Akteuren zu erkennen.