print preview Zurück zur Übersicht Startseite

Kameradschaft – eine Erfahrung von grossem Wert

Der militärische Alltag bietet intensive, spannende und fordernde Momente. Das sind die besten Voraussetzung für das Erleben von Kameradschaft. Aufeinander angewiesen zu sein, die gestellten Aufgaben nur gemeinsam erfolgreich bewältigen zu können, wird einem hier deutlich aufgezeigt. Hier entstehen Kameradschaften, die oft ein ganzes Leben lang halten.

26.05.2021 | Kommunikation Verteidigung, Nicole Anliker

Abtreten heisst auch Abschiednehmen. 18 Wochen Rekrutenschule haben zusammengeschweisst. ©VBS/DDPS, Nicole Anliker

Weg von Zuhause, raus aus dem Alltag, tschüss individuelle Freiheiten! So ergeht es jeweils neuen Rekruten, wenn sie das Kasernenareal zum ersten Mal betreten. Alles ist neu, viele fremde Leute und ein eng getakteter Tagesablauf. Covid-19 brachte ihnen zusätzliche Wochenende ohne Heimkehr und zwang sie, gemeinsam mit den Kameraden das Beste aus der Situation zu machen.

18 Wochen später: Letzter RS-Tag. Strenge Wochen liegen hinter den Soldaten. Bald löst sich die Zwangsgemeinschaft auf, man sagt sich «Auf Wiedersehen, vielleicht auf bald in einem WK!», reist zurück in den zivilen Alltag. Die Emotionen sind spür- und sichtbar. Den militärischen Alltag werden die meisten nicht allzu sehr vermissen. Jedoch die Kameraden und das starke Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Zusammenrücken um gut durchzuhalten

Motorfahrer Gerber erzählt, dass die ersten Wochen der RS tatsächlich stressig waren, er aber auch damit gerechnet habe. Jeweils pünktlich und im korrekten Tenü am richtigen Ort zu sein, war nicht immer einfach. Aber weil es allen gleich ging und man einander auch geholfen habe, habe sich dieser neue Rhythmus erstaunlich gut eingependelt. Auch die Tatsache eine spannende und gewinnbringende Fachausbildung zu erhalten, sei für alle Motivation gewesen durchzuhalten. Wegen der Wochenendurlaubssperren sei man wohl etwas früher als sonst zusammengerückt. Die Wochenenden in der Kaserne waren trotz allem unterhaltsam gewesen, meint ein augenzwinkernder Soldat Gerber. Zumal die Ausgangsmöglichkeiten zuhause ja auch beschränkt gewesen waren.

Für Soldat Ammon war der Umstand, die ersten 3 Wochen nie nach Hause zu können, hart. Die fehlende Intimsphäre, nichts selber entscheiden zu können, kaum Platz für Individualität – das hat ihm zu schaffen gemacht. Gleichzeitig beeindruckte ihn die rasch entstandene Nähe zu den Kameraden. Tag und Nacht Seite an Seite, viele Gespräche, viele Erlebnisse – als Pontoniere sassen sie buchstäblich im gleichen Boot. Die helfende Hand, wenn man sie braucht, der vielsagende Blick, wenn der Oberst mal den Tarif durchgibt, oder die besänftigenden Worte, wenn man (ausnahmsweise) in den roten Bereich kommt. Die Facetten der Kameradschaft sind vielfältig.

Für den Truppenkoch Fischer stand nicht nur Lebensmittelkunde auf dem Programm, sondern – wie er sagt – auch Menschenkunde. In dieser engen Gemeinschaft werden Charakterstärken und auch Schwächen schneller sichtbar, als im zivilen Alltag. Mit Glück passt die Konstellation dann mal besser, oder man muss sich halt einfach aneinander anpassen und mit dem auskommen, was man hat. Eine Erkenntnis, die auch im späteren Leben immer wieder helfen kann, Situationen besser auszuhalten.

Fazit

Wer einmal ein Abtreten nach einer längeren Dienstleistung aus nächster Nähe beobachten konnte, weiss genau, was damit gemeint ist. Ein freudiger Jubelschrei über das Geschaffte, ein Handschlag und dankende Worte, ebenso wie feste Umarmungen und Emotionen. Die erlangte Kameradschaft ist sichtbar und berührt.

Foto

Mehr zum Thema

Armee als Integratorin