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Offenheit hinter hohen Zäunen

In Zimmerwald BE liegt, eingezäunt und abgelegen, das Zentrum elektronische Operationen. Ein kurzer Blick hinter die meterhohen Zäune offenbart jedoch eine Welt voller Teamgeist und engagierter Mitarbeitenden.

23.04.2021 | Kommunikation Verteidigung, Lorena Castelberg

Vor 20 Jahren arbeitete keine einzige Frau im Bereich COMINT des Zentrums für elektronische Operationen. Dies hat sich stark geändert. Mittlerweile besteht das ZEO aus einem gut durchmischten Team. ©VBS/DDPS, Anna Muser

Emilie* analysiert ausländische Funkkommunikation und bereitet sie auf, beispielsweise für den Nachrichtendienst – in verschiedenen Sprachen und aus unterschiedlichen Quellen. Auf ihren vier Bildschirmen ist ein Wirrwarr aus Karten und Darstellungen zu sehen. Es sieht kompliziert aus, doch die Augen der jungen Frau strahlen. «Meine Arbeit ist nie monoton, täglich begegne ich neuen Herausforderungen und lerne jeden Tag Neues dazu», sagt Emilie.

Gut durchmischte Teams

Das Zentrum elektronische Operationen (ZEO) ist eine Abteilung der Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB) und der Bereich Communication Intelligence COMINT der Bereich mit dem grössten Frauenanteil in der FUB. Vor über 20 Jahren sah dies anders aus. Robert*, Chef Communication Intelligence, erinnert sich: «Als ich 1997 beim ZEO anfing, war keine einzige Frau im Bereich COMINT angestellt.» Seit 2007 die erste Praktikantin beim ZEO ihre Stelle antrat, hat sich dies stark geändert. Heute besteht das ZEO aus einem gut durchmischten Team, ohne dass Frauen bei der Einstellung Vorrang hätten. «Ich wollte den Frauenanteil bei nachrichtendienstlichen Tätigkeiten erhöhen», stellt Robert klar.

Mit Argusaugen den Globus im Blick

Tabea* arbeitet seit 2014 beim ZEO. Sie behält das sicherheitspolitische Weltgeschehen anhand von Pressemeldungen im Auge, wertet sie aus und meldet relevante Geschehnisse weiter– 24 Stunden am Tag und im Drei-Schicht-Betrieb. Aus den Informationen ziehen Bundesstellen entsprechende Schlüsse ziehen. Tabea ist ein News-Junkie und liebt die Eigenverantwortung, die dieser Job mit sich bringt. «Besonders im Zeitalter von Fake-News ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Berichterstattung über das gleiche Thema ausfällt.»

Neugierde und Teamgeist unabdingbar

Emilie beschreibt ihr Team als offen gegenüber anderen Kulturen und der ganzen Welt. «Eine starre Grundhaltung schränkt den Blick ein.» Ausserdem sei die Teamfähigkeit entscheidend für den Erfolg. In den meisten Aufträgen kämen sie zu den besten Ergebnissen, wenn sie gemeinsam neue Ideen und Methoden finden. Für Robert erfordert dieser Job auch eine grosse Neugierde. «Es braucht die richtige Balance zwischen Verschwiegenheit und Offenheit, Wissbegierde und Zurückhaltung.» Tabea ergänzt, dass eine Art Verliebtheit in sein Thema nötig sei. «Man muss Fan von dem sein, was man tut», sagt sie. Relevant für sie sind auch Verlässlichkeit und Vertrauen im Team.

Die Identitäten der Mitarbeitenden des ZEO sind zu ihrem Schutz und zu ihrer Sicherheit anonym. Damit und mit der Abgeschiedenheit bei der Arbeit fühlen sich beide Frauen wohl. «Obwohl wir hier so abgeriegelt sind, ist Offenheit innerhalb dieser Zäune und Mauern extrem wichtig», sagt Emilie. Nur: Manchmal sei es schwierig, diese Anonymität auch im Privaten einzuhalten. «Ich darf meine Begeisterung für die Arbeit ‘nur’ mit meinen Arbeitskollegen teilen. Auch mein Fachwissen bleibt versteckt – das ist nicht immer einfach.»

Mit ihrer Arbeit tragen Emilie, Tabea und das ganze ZEO einen wichtigen Teil zur Sicherheit der Schweiz bei.

* Name der Redaktion bekannt

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