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Frauen in Uniform – bald ein alltäglicher Anblick

Auch Frauen leisten Dienst in der Armee, und zwar freiwillig. «FiT - Frauen im TAZ» ist ein neuer Verein von jungen Frauen, die in der Armee und verschiedenen Organisationen aktiv sind. Der Verein will sie vernetzen und ihnen eine Stimme geben. Dafür wurde er letztes Jahr gegründet und hat heute über 100 Mitglieder. «FiT - Frauen im TAZ» beweist: Sicherheit ist auch weiblich.

21.04.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Der Verein «FiT – Frauen im TAZ» organisiert Anlässe und ermöglicht Frauen die Vernetzung. ©VBS/DDPS, Larissa Stämpfli

Noch nicht einmal jeder 100. Schweizer Soldat ist eine Soldatin. Zu wenig, sagt der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, und hält fest: «Gemischte Teams erzielen bessere Resultate. Daher wollen wir den Frauenanteil in unserer Milizarmee auf mindestens 10% erhöhen.»

Sicherheit ist in der Schweiz auch Sache von uns Frauen.

Larissa Stämpfli, Leutnant, Vizepräsidentin «FiT - Frauen im TAZ»

Frauen schlüpfen im Gegensatz zu ihren männlichen Kameraden freiwillig in den Tarnanzug. Einige erhalten jedoch wenig Unterstützung von ihrem privaten Umfeld. Anderen fehlen die weiblichen Vorbilder. «Viele meiner Bekannten meinten, das Militär sei nicht der richtige Ort für eine Frau», erinnert sich Leutnant Caroline Weibel, «das hat meinen Stolz und meinen Ehrgeiz angestachelt.»

Im Dienst habe ich meine Grenzen kennengelernt und sie erweitert.

Caroline Weibel, Leutnant, Vorstandsmitglied «FiT - Frauen im TAZ»

Eine Gruppe von Frauen in Uniform will den Dialog untereinander fördern und diese gegen aussen sichtbarer machen. Sie hat den Verein «FiT - Frauen im TAZ» gegründet. Auslöser seien die ersten Orientierungstage für Frauen im Kanton Luzern gewesen, an welchem einige mitarbeitende Frauen den Wunsch nach stärkerer Vernetzung und Austausch äusserten, sagt Präsidentin Carmen Affentranger. Der Weg von der Idee zum Verein war aber nicht einfach. «Die Herausforderung bestand darin, möglichst viele Frauen im ganzen Land zu erreichen», so Affentranger.

Gemeinsam stärker werden

Auch die erste weibliche Chefin des Departements VBS, Viola Amherd, inspirierte die Gruppe zur Gründung des ersten und einzigen Schweizer Vereins für Frauen in der Armee. «Dass sie zu unserer Überraschung an den Auftaktanlass kam und uns zuhörte, hat uns Mut gemacht», sagt Leutnant Caroline Weibel, «wir wussten nun, wir können etwas bewirken.»

Wir ziehen alle am selben Strang und sind gleichgestellt.

Ildem Gemici, Gefreite, Rotkreuzdienst

Am 19. September 2020 führten die «Frauen im TAZ» die Vereinslancierung in Bern durch. Als Ehrengast betonte Bundesrätin Amherd: «Sie können auf mich zählen.» Frauen brächten wertvolle Erfahrungen mit in den Dienst. «Die Männer in der Armee haben mir immer versichert, dass eine Frau in der Kompanie zu einer positiven Dynamik beiträgt.»

Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit

Der Verein organisiert Anlässe wie Führungen im Landesmuseum oder sportliche Aktivitäten wie Märsche. Im September 2021 ist ein Workshop mit Podiumsdiskussionen geplant. Und der Vorstand plant den Aufbau von regionalen Stammtischen. Kürzlich trat das 100. Mitglied den «FiT - Frauen im TAZ» bei. Etwa drei Viertel der Mitglieder sind heute Armeeangehörige. Hinzu kommen Frauen aus dem Rotkreuzdienst, dem Zivilschutz und anderen Sicherheitsbereichen. Der Instagram-Account @frauenimtaz ist seit April 2020 aktiv und hat aktuell rund 1200 Abonnenten. Auch im Internet und auf Facebook ist der Verein aktiv.

Weibliche Vorbilder in Uniform

Im Rückblick sei die Gründung des Vereins eine der eindrücklichsten Erfahrungen ihres bisherigen Lebens gewesen, erinnert sich Weibel: «Ich war noch nie mit so vielen Frauen, die Militärdienst leisten, in einem Raum.» Nun ist die frühere Spitzensport-Soldatin im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. «Lange fühlte ich mich allein, endlich versteht man mich», gibt Stämpfli die Gefühle vieler Frauen wieder, und sie gibt ein Beispiel: «Schlafen abseits der übrigen Kameraden ist manchmal zwar komfortabler, macht aber auch einsamer.»

Der Dienst lohnt sich. Ich habe gelernt, unter Stress und Schlafmangel Aufgaben zu erfüllen. Ich empfehle Männern und Frauen gleichermassen, sich auf diese Erfahrung einzulassen.

Céline Seiler, Oberleutnant, Aktuarin «FiT - Frauen im TAZ»

«FiT - Frauen im TAZ» macht Frauen in Uniform sichtbar. Je mehr Frauen mitmachen und je präsenter sie beispielsweise an Orientierungstagen sind, umso alltäglicher wird dieser Anblick. Das muss auch so sein, denn Sicherheit ist auch weiblich.

Fotos

Hürden abbauen

Hürden abbauen

Bundesrätin Viola Amherd gab einen Bericht zur «Erhöhung des Frauenanteils in der Armee» in Auftrag. Frauen in der Armee müssten sich vernetzen, so der Bericht. Die Öffentlichkeit und auch die Armee sollten ausserdem für Frauen, die Militärdienst leisten, sensibilisiert werden. Der Bericht stösst konkrete Massnahmen an: die Einrichtung einer Dienststelle in der Armee, die Aktivitäten zugunsten von Frauen koordiniert und diese bei Problemen unterstützt, eine Studie über die aktuelle Situation und mögliche Verbesserungen, intensive Betreuung sowie ein stärkerer Fokus auf die Kommunikation. Wichtige Anliegen sind zudem die Vereinbarkeit von Militärdienst, Arbeit und Familie sowie Nulltoleranz gegen Gewalt und Diskriminierung.

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