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Militärdienst: eine Chance und ein Mehrwert für junge Frauen

Heute sind Frauen in der Armee eine Minderheit – derzeit stellen sie weniger als 1% des Gesamtbestandes. Für die Armee hat die Erhöhung des Frauenanteils Priorität. Sie will deshalb den Militärdienst und den Mehrwert, den er ihnen bringt, unter Frauen bekannter machen. Ein Gespräch mit Marina Weber-Tinner, Leiterin Rekrutierung Frauen in der Armee und Milizoffizierin.

14.04.2021 | Kommunikation Verteidigung, Jonathan Binaghi

Der Militärdienst bringt Frauen einen Mehrwert. © VBS/DDPS, Philipp Schmidli
Der Militärdienst bringt Frauen einen Mehrwert. © VBS/DDPS, Philipp Schmidli

Anders als Männer sind Frauen in der Schweiz nicht verpflichtet, Dienst zu leisten. Dies, obschon die Armee seit 80 Jahren Frauen ihren Reihen hat. Ihre Zahl ist nach wie vor gering. Sind diese tiefen Zahlen mit der Freiwilligkeit zu erklären oder gibt es andere Hindernisse?

Marina Weber-Tinner: Es ist wie bei allem, was freiwillig ist: Man interessiert sich dafür oder eben nicht. Mit dem Ausbau des Angebotes an Informationsveranstaltungen und vermehrter Präsenz in der Öffentlichkeit versucht die Armee gezielt, mit Frauen in Kontakt zu treten und ihr Interesse zu wecken; auch mit jenen, die sich nicht unbedingt von sich aus für den Militärdienst gemeldet hätten. Diese Massnahmen haben klar Erfolg und die Zahlen steigen stetig. Wenn sie auch nicht zu hunderten kommen, für uns ist jede neu eingeteilte Frau ein Erfolg.

Da es sich um einen freiwilligen Dienst handelt, muss man Frauen mehr Anreize zum Dienst geben als Männern. Was motiviert Frauen heute bei der Rekrutierung?

Die Gründe für eine Anmeldung zur Rekrutierung sind sehr individuell. Die meistgenannten sind klar: die eigenen Grenzen kennenzulernen, neue Erfahrungen zu machen, die Vorbereitung auf die berufliche Zukunft – als Polizistin oder Rettungssanitäterin etwa, der Beitrag zur Sicherheit unseres Landes wie auch die Gleichberechtigung. Anzumerken ist übrigens, dass sich viele Frauen für die kämpfenden Truppen interessieren.

Die Politik hat sich kürzlich dagegen ausgesprochen, die Teilnahme am Informationstag auch für Frauen zur Pflicht zu machen. Wie erreichen Sie unter diesen erschwerten Bedingungen das weibliche Publikum?

Wir setzen auf mehrere Massnahmen und Kanäle: konsequentes und teils mehrfaches Anschreiben und Einladen zu einem Orientierungstag, Infoveranstaltungen nur für Frauen, Online-Auftritte und mehr Präsenz in der Öffentlichkeit, etwa an Messen oder Schulen. Trotz allem ist vielen jungen Frauen immer noch nicht bewusst, was für eine Chance der Militärdienst ist und welchen Mehrwert er ihnen bringen kann. Dementsprechend profitieren sie nicht vom Angebot. Deshalb ist es umso wichtiger, Präsenz zu zeigen und hartnäckig und aktiv Informationen an die Frau zu bringen.

Mit der Rekrutierung werden Frauen den Männern in Bezug auf Dienstmöglichkeiten und Verpflichtungen gleichgestellt. Was sind die Schwierigkeiten und Herausforderungen, denen eine Frau während ihres Dienstes gegenübersteht?

Die erste – sagen wir – Hürde ist vielfach, das private Umfeld und den Arbeitgeber über das Vorhaben zu informieren. Sobald die Frau sich für die Rekrutierung angemeldet hat, läuft allerdings alles wieder gleich wie bei einem Mann. Eine Herausforderung könnte zu einem späteren Zeitpunkt zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Militärdienst darstellen. Aber da gibt es gute Lösungen.

Wie wird eine weibliche Präsenz in einem traditionell männlich geprägten Umfeld wie dem Militär üblicherweise wahrgenommen?

Die Frau sticht natürlich vom Erscheinungsbild heraus. Sie will jedoch keine Sonderbehandlung. Schliesslich meldet sie sich für den Militärdienst, um mit ihren männlichen Kameraden zusammenzuarbeiten und die erhaltenen Aufträge zu erfüllen. Sie verschafft sich Respekt durch Sozial- und Fachkompetenzen, indem sie genau dasselbe leistet wie ihre männlichen Kameraden. Eine weibliche Präsenz in einer Truppe oder in einem Stab bringt prinzipiell einen Mehrwert, weil Frauen andere Erfahrungen, Ausbildungen, Denkweisen, Werte und Vorstellungen mitbringen.

Marina Weber-Tinner

Marina Weber-Tinner
Marina Weber-Tinner

Marina Weber-Tinner übernimmt alle Angelegenheiten, die mit der Rekrutierung einhergehen. Dazu gehört die Verarbeitung der Anmeldungen, die Koordination mit den Rekrutierungszentren, Infodossiers und -flyer zu erstellen und Auskunft zu geben, beispielsweise über die Anzahl benötigter Sportpunkte für die Einteilung in gewünschte Funktionen. Als Milizoffizierin kann sie interessierte junge Frauen ausführlich über den Militärdienst informieren und orientieren.

Frauen in der Armee: Sicherheit ist auch weiblich