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Pferderettung per Helikopter

Eine Premiere: Helikopterpiloten der Schweizer Armee trainieren zurzeit über Saignelégier/JU die Bergung von Pferden in Not aus der Luft. Dies im Rahmen einer gemeinsamen Studie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich und des Veterinärdiensts der Armee. Das Ziel ist, die Tiere rasch und sicher auf dem Luftweg evakuieren zu können, zum Beispiel im Fall einer Naturkatastrophe. Die Armee ist dazu bereit.

09.04.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Die Schweizer Armee trainierte und evaluierte die Rettung von Pferden aus der Luft. ©VBS/DDPS – Sam Bosshard

Ein seltenes, aber mögliches Szenario: Ein Trainpferd verletzt sich oder erkrankt schwer in schlecht erreichbarem Gelände. «Das Ziel ist, es dann innert maximal vier Stunden in ein Tierspital oder in eine Pferdeklinik zu bringen», sagt Oberst Stéphane Montavon, Chef Veterinärdienst der Armee. Die schweren Super-Puma-Helikopter der Luftwaffe können diese Luftrettung ermöglichen. Das Ziel ist, die Transport- und Belastungszeit der Pferde so kurz wie möglich zu halten.

Testflüge mit Armeepferden

Ein Einsatz dieser Art will aber trainiert sein. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Zürich und der Veterinärdienst der Armee führen deshalb diese Woche Testflüge über Saignelégier/JU mit 12 Armeepferden durch. Die Absicht ist es zu schauen, wie Pferde sicher überführt werden können. So werden verschieden lange Tragseile und spezielle Pferdebergenetze ausprobiert. Und einmal bleibt der Heli bis zu 45 statt wie üblich 20 Minuten in der Luft und fliegt mehr als doppelt so schnell als bisher gängig, nämlich 140 km/h. Insgesamt sind an zwei Tagen sieben Rotationen geplant, einmal versuchsweise sogar mit drei Pferden am Seil.

Vorsicht ist angesagt

Es ist eine Premiere. «Wir trainieren unsere Piloten und das Bodenpersonal, Tiere rasch evakuieren zu können», so Montavon weiter. Die Armee hilft ja auch, wenn Zivile sie um Hilfe bitten, beispielsweise bei Erdrutschen, Hochwasser oder Waldbränden. Helipilot Major Marco Gerig weiss nach den ersten Flügen, worauf zu achten ist: «Ich transportiere ein lebendes Tier. Ich muss es beim Start fein anheben und dann vorsichtig wieder absetzen.»

Die Bemühungen der Schweiz für die Bergung von Pferden aus der Luft würden international beachtet, sagt der Direktor der Pferdechirurgie der Universität Zürich, Anton Fürst. Er sei deshalb froh um die Testflüge und die Unterstützung der Armee. Und der Projektleiter betont: «Wir sind überzeugt, dass wir durch diese Untersuchungen einen wichtigen Beitrag für die Flugrettung leisten können.»

Ständige medizinische Kontrolle

Auch die medikamentöse Behandlung wird evaluiert. Für die Aktion brauchte es deshalb eine behördliche Bewilligung. Die Tiere werden gut auf die Flüge vorbereitet und im Flug ständig von einem Begleithelikopter aus kontrolliert. Der Armeeveterinär auf Platz, Grégoire Seitert, betont: «Das Pferd ist medikamentös ruhig gestellt, schläft aber nicht.» Der Flug kann jederzeit abgebrochen werden, wenn es dem Tier nicht gut geht.

Viel gelernt und einsatzbereit

«Wir haben viel gelernt», so Montavons Bilanz, «so konnten wir die ideale Seillänge bestimmen und wir wissen, dass wir nicht schneller als 130 km/h fliegen dürfen.» Doch er sei zufrieden mit den Erfahrungen: «Alles ist nach Wunsch verlaufen.»

Die Armee ist bereit, bei Bedarf in Not geratene Pferde per Helikopter zu bergen.

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