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Bauen im Fels

Die Luft ist feucht und kühl, Tageslicht und Handyempfang gibt es nicht. Bestimmte Bauten der Armee wie einzelne Rechenzentren benötigen die höchstmögliche Sicherheit und entstehen im Untertagbau. Dabei müssen besondere Herausforderungen gemeistert werden.

07.04.2021 | Kommunikation Verteidigung, Anna Muser

Gewisse Gerätschaften müssen vor Ort zusammengesetzt werden, weil die Zubringerstollen zu eng sind. © VBS/DDPS; armasuisse

Andreas arbeitet auf einer Baustelle für ein Rechenzentrum der Armee im Fels. Bei Arbeitsbeginn zieht er Schutzkleidung an und steckt eine Taschenlampe ein. Die Anlage ist klassifiziert, darum muss das Smartphone mit der eingebauten Kamera in der Garderobe bleiben. Handyempfang gibt es in dem Stollensystem sowieso keinen. Zur Ausrüstung gehört darum auch ein Funkgerät.

Der Zugang zur Anlage ist kompliziert. Alle Gerätschaften, Baumaterialien und Werkzeuge müssen über spezifische, teilweise enge Zugangsstollen an ihren Einsatzort gebracht werden. Grosse Gerätschaften müssen auch mal zerlegt, durch den Stollen gebracht und dann wieder zusammengebaut werden.

Für die Planung und Realisierung der Bauarbeiten und Inbetriebsetzungen müssen Angestellte beauftragter Firmen in die Anlage. Alle müssen eine Personensicherheitsprüfung durchlaufen. Das bedeutet auch, dass beim Ausfall einer Person nur jemand die Arbeit übernehmen kann, der ebenfalls sicherheitsüberprüft ist. Dieser Umstand muss in der Planung berücksichtigt werden, denn die Prüfung beansprucht viel Zeit. Insbesondere während Ausnahmesituationen wie der Coronapandemie kann das zu einem Nadelöhr werden.

Frische-Luft-Pflicht

Für die Arbeitenden bedeutet das Bauen im Fels lange Tage ohne Sonnenlicht. Darum gelten besondere Vorschriften. «Über Mittag müssen alle raus ans Tageslicht und an die frische Luft», sagt Andreas, «das ist wichtig für die Gesundheit». Er arbeite aber gerne im Fels und für die Sicherheit der Schweiz.

Über Mittag müssen alle raus ans Tageslicht und an die frische Luft


Für Bewegung während der Arbeitszeit ist gesorgt. Die Distanzen auf der Baustelle sind auch im Fels weit. Geeignete Kommunikationsmittel sind deshalb unerlässlich. Neben den Funkgeräten stehen spezielle Telefone zur Verfügung. Und an gewissen Orten stehen auch Fahrräder bereit, damit die Arbeitenden rasch von einem Ort zum anderen kommen.

Besondere Schutzvorkehrungen

Andreas bleibt anonym, weil er Dinge sieht und weiss, die für Andere interessant sein könnten. «Das ist manchmal eine Belastung, dass der Austausch über das, was bei der Arbeit passiert, nur mit wenigen Leuten möglich ist. Zudem gehört eine gewisse Grundskepsis zur Arbeitshaltung», sagt er. Umso wichtiger ist der Austausch im Team.

Das Rechenzentrum im Fels ist gegen Naturgefahren und Waffenwirkung geschützt. Daher ist der bauliche Aufwand grösser, als für eines, das auf der «grünen Wiese» gebaut werden kann. Je nach Lage im Fels kann es sein, dass zusätzliche Stollenmeter ausgebrochen werden müssen, damit Luftzufuhr oder Abgasausstoss während dem Bauen funktionieren. Sind die Zuleitungen für Energie und Kommunikation noch relativ einfach zu realisieren, so gibt es für die Abwärme oder für die Abgase der Notstromversorgung einen massiven Mehraufwand zu bewältigen.

Durch die Arbeiten erhöht sich die Sicherheit der Daten und Anwendungen, die auf den Servern laufen, um ein Vielfaches. Wären die Server ein Gehirn, wäre der Fels wie ein Helm, der für zusätzlichen Schutz sorgt. Auch dies dient dem Ziel, die IKT-Anwendungen der Armee sicher und hochverfügbar zu machen.

Die Dimensionen der unterirdischen Anlage sind eindrücklich. © VBS/DDPS; armasuisse