print preview Zurück zur Übersicht Startseite

Der Armeesport in Magglingen beinhaltet nicht nur Spitzensport

25.03.2021 | Komp Zen Sport A, Kurt Henauer

210325_SportausbildungArmee_2

 

Die Spitzensportförderung der Armee steht wegen der Erfolge der Schweizer Athletinnen und Athleten zwar meistens im Fokus. Aber eine andere, nicht weniger wichtige Aufgabe des Kompetenzzentrums Sport Armee in Magglingen ist die Sportausbildung zugunsten der über 100'000 Angehörigen der Armee – und damit auch der Schweizer Bevölkerung. Auch während Corona werden künftige Militärsport-Leiter-Instruktoren unter Einhaltung der Schutzkonzepte ausgebildet.

Kurt Henauer, Komp Zen Sport A

Im Gleichschritt einher mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) ging 2018 auch die Umsetzung des neuen Sportkonzepts für die Armee. Damit beauftragt wurde das Kompetenzzentrum Sport der Armee in Magglingen. «Die Idee ist, dass Sport ein Teil der militärischen Ausbildung ist», sagt dazu Hauptadjudant Marc-Olivier Juvet, der Chef Sportausbildung. Allerdings gebe es bei der Umsetzung da und dort noch einige Knackpunkte, «noch nicht ganz überall werden die von uns geforderten 4 Stunden geleiteter Qualitätssport konsequent umgesetzt», ergänzt Stabsadjudant Patrick Flück, Chef Kurse. «Zu oft wird der Sport im Tagesprogramm in Randstunden eingeplant». Er gibt dabei zu bedenken, dass die Einplanung des Sports in Wiederholungskursen schwieriger sei als in den Rekrutenschulen, weil ausserhalb der Waffenplätze oft die Turnhallen fehlen.

Trotz Corona finden in Magglingen die Grundkurse für die Militärsport-Leiter-Instruktoren statt, wenn auch nicht mit dem üblichen Bestand. Mitte März wurde ein Grundkurs mit insgesamt 9 Teilnehmenden,  darunter ein Polizeiangehöriger, die alle vorher den Militärsport-Leiter-Kurs absolviert haben. «Normalerweise sind mehr Teilnehmer, darum müssen jetzt bei Spielübungen alle mitmachen, auch die Sportlehrer, die als Ausbildner dabei sind», weist Patrick Flück auf die spezielle Situation hin. Die künftigen Instruktoren werden von im Fachstab Sport eingeteilten «Profis» ausgebildet, die alle Sport studiert haben und in der Regel auch täglich im Sport tätig sind. Einer von ihnen ist Thaddäus Schnider, der an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) den Master in Trainingswissenschaft abgeschlossen hat. Der Entlebucher weist Erfahrung als Eishockey-Spieler, -Nachwuchstrainer und als auch –Konditionstrainer auf – und zwar auf Klub und Verbandsebene. «Wegen Corona gibt es jetzt halt weniger Militärkurse», so Schnider, der normalerweise auch beim freiwiligen Militärsportkurs Eishockey eingesetzt wird. Bis zu 20 Aus- und Weiterbildungskurse pro Jahr finden normalerweise in Magglingen statt; jetzt sind es weniger als die Hälfte. Gestrichen wurden wegen Corona auch die Fitnesstage für die Berufskader und zivilen Mitarbeitenden.

Hi-BA Halle und K+K-Parcours

Beim letzten Kurs standen unter anderem der Aufbau, das Instruieren und das richtige Absolvieren der Hindernisbahn Halle (HI-BA-Halle) sowie der Koordinations- und Konditionsparcours auf dem Programm. Gefordert waren dabei Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Kraft beim Bewältigen der Hindernisse. Beim Parcours galt es einerseits mit dem Ball mit Aufschlagen und mit dem Führen am Fuss möglichst rasch und fehlerfrei um die Stangen zu kommen, aber auch Hindernisse optimal zu überwinden. Die Teilnehmenden, darunter fünf von der MILAK (Militärakademie an der ETH Zürich) gingen mit vollem Einsatz und Begeisterung ans Werk und – als weiteres Zeichen der guten Kameradschaft und Stimmung – feuerten sich gegenseitig trotz Maske lautstark an. Und der 12 Minuten dauernde Konditionstest auf dem «K+K-Parcours» ging allen ziemlich in die Knochen.

RS als grösstes Fitnesscenter der Schweiz

Dem neuen Sportkonzept ging die Studie «Swiss Army Physical Fitness Training» (SAFT) voraus. Mit ihr testete die Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen EHSM zwischen Juni 2015 und Juni 2016 das neue Sportkonzept in zwei Kompagnien von Rekrutenschulen. Es zeigte sich: Die Kompanie, welche die RS nach neusten sportwissenschaftlichen Kriterien absolvierte, war deutlich fitter, militärisch leistungsfähiger und erlitt weniger Sportverletzungen. Vor allem aber blieben die jungen Männer nach der RS sportlich aktiver – und der Anteil der Nichtraucher stieg. Der verantwortliche Leiter der EHSM-Studie, Thomas Wyss, hatte ein klares Ziel formuliert: Die Rekruten sollen in Zukunft nach 18 Wochen RS davon schwärmen, dass sie «noch nie so fit» gewesen seien. Und dass es kein besseres Fitnesstraining als die RS gebe. Die Rekrutenschule soll zum grössten Fitnesscenter der Schweiz werden.

Die Bedeutung der Physis

«Die Physis der Soldaten ist das Kapital der Armee», so lautet das Motto der Sportausbildung der Armee, die auch die Beschaffung des entsprechenden modernen Sportmaterials beinhaltet. Man könnte abgewandelt auch sagen: «Die Physis der Bevölkerung ist das Kapital der Gesundheit der Schweiz», gerade – aber nicht nur - zu Zeiten von Corona. «In der RS treiben viele zum letzten Mal organisiert Sport», sagt Patrick Flück zu diesem Aspekt der Sportausbildung der Armee. Und wer will kann auf weitere, auch digitale Sportangebote zurückgreifen. So wurde vor zwei Jahren die Sport-App «Ready #teamarmee lanciert. Sie steht der ganzen Bevölkerung gratis zur Verfügung, soll aber in erster Linie auch ein Hilfsmittel für die Stellungspflichtigen sein, damit sie sich körperlich auf die Rekrutierung vorbereiten können. Und seit Jahren im Angebot – aktuell wegen Corona sistiert – stehen die freiwilligen Sommer- und Winter-Militärsportkurse (u.a. Alpin-Kurse, Langlauf, Eishockey, Kampfsport und Rad).