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Autonomie der Systeme

Im zweiten Quartal 2021 wird der Bundesrat den Typenentscheid zum neuen Kampfflugzeug fällen. Dabei werden nicht nur die technischen, logistischen und operationellen Anforderungen berücksichtigt, sondern auch sicherheitspolitische und umweltrelevante Aspekte. Ein zentraler Punkt der Evaluation ist zudem die grösstmögliche Unabhängigkeit der Systeme.

22.03.2021 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

Ein zentraler Punkt bei der Evaluation neuer Kampfflugzeuge ist die grösstmögliche Autonomie der Systeme. ©VBS/DDPS, Jonas Kambli

Die Schweiz strebt bei der Beschaffung neuer Systeme stets eine möglichst grosse Autonomie an, so auch beim Typenentscheid zum neuen Kampfflugzeug. Insbesondere mögliche technologische Abhängigkeiten werden im Rahmen der Evaluation sorgfältig ermittelt. Dabei wird auch analysiert, wie sich Abhängigkeiten reduzieren lassen.

Unabhängige und sichere Software

Naturgemäss sind bei der Beschaffung westlicher Kampfflugzeuge die technologischen Abhängigkeiten von den USA hoch, da ihre Industrie im Bereich militärischer Luftfahrtsysteme weltweit führend ist. Solche Abhängigkeiten bestehen auch bei der Beschaffung nicht amerikanischer Kampfflugzeuge, zumal auch andere Hersteller oft Systeme verwenden, die auf US-Technologie basieren, vor allem bei der Sprach- und Datenkommunikation. Alle evaluierten Kampfflugzeuge sind im Bereich der operationellen Fähigkeiten also gleichwertig abhängig von den USA.

Unberechtigte Eingriffe in die Elektronik und damit verbunden eine Fernsteuerung der Kampfflugzeuge durch das Herstellerland sind ausgeschlossen.

Benötigte Ersatzteile und Updates

Eine vollständige Unabhängigkeit vom Herstellerunternehmen und -land ist in unserer globalisierten Welt jedoch nicht möglich. Der Bundesrat hatte bereits am 26. Juni 2019 in der Botschaft zum Planungsbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge darauf hingewiesen. Der Betrieb technologisch hoch entwickelter Systeme birgt immer gewisse Abhängigkeiten zum Herstellerland, zum Beispiel bei der Versorgung mit Ersatzteilen oder bei elektronischen Updates.

Der Aufbau des ganzen benötigten Know-hows, damit die Schweiz auf Dauer das Flugzeug völlig selbständig betreiben könnte, wären viel zu teuer und wirtschaftlich ineffizient. Die Schweizer Industrie wäre im Übrigen technisch und finanziell nicht in der Lage, ein eigenes Kampfflugzeug samt allen Komponenten (Elektroniksysteme, Sensoren usw.) zu produzieren.

Typenentscheid Mitte 2021

Den Typenentscheid trifft der Bundesrat im zweiten Quartal 2021. Dabei geht es nicht nur um die beste technische Leistung, sondern neben den logistischen und operationellen Anforderungen können auch kommerzielle, oder sicherheitspolitische Aspekte berücksichtigt werden, sowie auf politischer Stufe möglicherweise auch finanz-, sicherheits-, aussen-, handels- und industriepolitische Gesichtspunkte. Der Bundesrat fällt den Typenentscheid zum neuen Kampfflugzeug zusammen mit dem Typenentscheid zur bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite.

Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die Beschaffung und der Betrieb technologisch hochentwickelter, aus dem Ausland stammender Systeme gewisse Abhängigkeiten zur Folge hat. Das gilt für die Beschaffung bei jedem Hersteller und betrifft nicht nur die Schweiz, sondern alle Staaten, die Kampfflugzeuge und ihre Systeme nicht vollständig selber herstellen.