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Frauen in der Schweizer Armee

Seit über 80 Jahren leisten Frauen Dienst in der Armee. Zunächst im Rahmen des Frauenhilfsdiensts, dann ab 1985 im Militärischen Frauendienst. Seit 1995 sind sie den Männern gleichberechtigte Armeeangehörige. Sicherheit ist auch weiblich: Ein Blick in die bewegte Geschichte der Frau in der Schweizer Armee.

09.02.2021 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

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Heute gilt in der Armee der Grundsatz: Gleiche Leistung – gleiche Chance! Bis es so weit war, bedurfte es über ein Jahrhundert an Engagement. © VBS/DDPS, Sina Guntern

Schon in den 1870er-Jahren organisierten sich Schweizer Frauen zu einer Frauenbewegung und forderten zivilrechtliche und politische Gleichstellung. Während des Ersten Weltkriegs leisteten viele Schweizerinnen freiwillig Dienst im Roten Kreuz oder arbeiteten in Soldatenstuben und Militärspitälern. 1934 wurde vom Bundesrat schliesslich eine passive Luftschutzdienstpflicht für alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger angeordnet. Damit waren Frauen erstmals zu einem zivilen Hilfsdienst im Rahmen der Landesverteidigung verpflichtet, und der Anstoss für Veränderungen war gemacht.

Die Entstehung des Frauenhilfsdiensts

Bundesrat Rudolf Minger, damaliger Vorsteher des Militärdepartements, war eine wichtige Triebkraft dafür, dass am 3. April 1939 die Verordnung über den militärischen Hilfsdienst vom Bundesrat beschlossen wurde, in deren Rahmen zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz Frauen militärisch aufgeboten werden konnten. Dem Aufruf kamen in den ersten beiden Kriegsjahren Tausende Frauen freiwillig nach, um ihren Teil zur Landesverteidigung beizutragen. Der grosse Einsatzwille der Schweizerinnen führte dazu, dass General Henri Guisan am 16. Februar 1940 die Richtlinien für die Organisation eines Frauenhilfsdiensts (FHD) unterzeichnete. Im ersten Jahr des FHD leisteten über 20'000 Frauen in Telefonzentralen, Fliegerbeobachtungsposten, Flüchtlingslagern, Schneidereien, Kanzleien, Militärsanitätsanstalten, Truppenküchen und Feldpostbüros unentbehrliche Arbeit für die Sicherheit der Schweiz.

Im Kampf für eine eigene Stimme

Mit ihrem anhaltenden Einsatz im Frauenhilfsdienst wurde die Forderung der Frauen nach demokratischen Rechten immer lauter. Auch wenn das Frauenstimmrecht nach dem Krieg von sämtlicher politischer Couleur im Land infrage gestellt wurde, kam die Schweizer Politik doch zusehends unter Druck, denn bis 1948 hatten praktisch alle europäischen Länder das Frauenstimmrecht bereits eingeführt. Als am 1. Februar 1959 dennoch die erste Volksabstimmung über das eidgenössische Frauenstimmrecht an der Urne scheiterte, waren nach einem Vierteljahrhundert auch die Tage der zivilen Luftschutzdienstpflicht für Frauen gezählt. Am 24. Mai 1959 hatte der Bundesrat entschieden, das Engagement für Frauen wieder freiwillig und damit ihre diesbezügliche Gleichstellung mit den Männern rückgängig zu machen.

Frauenstimmrecht und Militärischer Frauendienst

In der Schweizer Gesellschaft verschärfte sich im folgenden Jahrzehnt der Kampf um den Ausbau der Frauenrechte weiter. In der Volksabstimmung vom 7. Februar 1971 gewannen die Schweizerinnen endlich aktives und passives Wahlrecht sowie Stimmrecht bei politischen Entscheidungen auf Bundesebene. Nun wurden auch wieder Stimmen für die Wiedereinführung der Dienstpflicht für Frauen laut, diesmal nicht nur im Rahmen eines zivilen Schutzdienstes, sondern auch hinsichtlich einer möglichen Militärdienstpflicht. Mit der Verankerung des Grundsatzes der gleichen Rechte von Mann und Frau in der Verfassung am 14. Juni 1981 wurden dann auch in der Armee Veränderungen nötig. Der Frauenhilfsdienst wurde Ende 1984 abgeschafft und per Bundesverordnung im Juli 1985 in den Militärischen Frauendienst (MFD) umgewandelt. Fortan hatten die Frauen dieselben militärischen Grade wie die Männer und wurden als gleichwertige Partnerinnen in die Armee integriert.

Gleichgestellt im Militärdienst

1995 wurde der MFD schliesslich in die Dienststelle Frauen in der Armee (FDA) umgewandelt. Ohne Unterschied des Geschlechts existieren fortan gleiche Dienste für alle Armeeangehörigen sowie gemischte Rekrutenschulen und Einheiten. Nebst der gleichen Dienstdauer und Ausbildung erhalten Frauen seit 2004 die gleiche persönliche Bewaffnung wie die Männer und können sich seither auch an Auslandeinsätzen beteiligen. Denn: Sicherheit ist auch weiblich!

Heute gilt der Grundsatz: gleiche Leistung – gleiche Chance! Bis es so weit war, bedurfte es über ein Jahrhundert an Engagement – ein Engagement von und für die Frau, das dazu beigetragen hat, die verfassungsmässige Rechtsgleichheit im Land zu erreichen.