print preview Zurück zur Übersicht Startseite

Ein Jahr mit Corona

Am 25. Februar 2020 wurde der erste Fall von Covid-19 in der Schweiz registriert, am 28. Februar ergriff der Bundesrat entsprechende Massnahmen und erklärte die «besondere Lage», am 16. März fällte er den Beschluss, die Armee bis längstens 30. Juni 2020 im Kampf gegen Corona zu mobilisieren. Wir blicken zurück auf ein bewegtes Jahr mit der ersten Mobilmachung der Schweizer Armee seit dem 2. Weltkrieg.

22.02.2021 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

210222_ein-jahr-mit-corona
Während der Corona-Pandemie standen schweizweit Armeeangehörige in den zivilen Spitälern im Einsatz. © VBS/DDPS, Alexander Kühni

Die Armee steht mittlerweile beinahe ein Jahr im Einsatz, sowohl in der 1. Welle als auch in der 2. Welle leisteten Schweizer Bürgerinnen und Bürger einen wertvollen Beitrag zur Entlastung des kantonalen Gesundheitswesens und weiterer ziviler Behörden.

Eine Information mit Folgen

Alles begann damit, dass der Oberfeldarzt der Armee am 25. Februar 2020 die Mitarbeitenden und die Truppe über den ersten Covid-19 Fall in der Schweiz informierte. Die Armee hatte bereits im Januar eine Eventualplanungen erstellt, um bei Bedarf die zivilen Behörden mit logistischen und sanitätsdienstlichen Leistungen zu unterstützen, doch jetzt wurde es real und konkrete Vorbereitungsarbeiten wurden ausgelöst. Drei Tage später traf sich der Bundesrat zu einer ausserordentlichen Sitzung und stuft die Situation in der Schweiz als «besondere Lage» gemäss Epidemiengesetz ein. Ab sofort waren Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten – doch das war erst der Anfang.

Die erste Mobilmachung seit 80 Jahren

Um auf einen möglichen Einsatz vorbereitet zu sein, entschied die Armeeführung Anfang März, vorsorglich den Wochenendurlaub für Schlüsselformationen aus dem Sanitäts- und Logistikbereich zu streichen. Am 6. März traf der Bundesrat den Beschluss, den Kantonen bei Bedarf bis zu 800 Armeeangehörige für den Assistenzdienst zu Gunsten des Gesundheitswesens zur Verfügung zu stellen. Wenige Tage später erweiterte er den Auftrag der Armee: Es sollten bis maximal 8'000 Angehörige der Armee im Assistenzdienst die Kantone bei der Bewältigung der Corona-Krise unterstützen, bis längstens zum 30. Juni 2020. Am 16. März 2020 erklärt der Bundesrat schliesslich die «ausserordentliche Lage» und löst die grösste Mobilmachung der Armee seit dem Zweiten Weltkrieg aus.

Assistenzdienst mit Schutzmassnahmen

Um die Gesundheit der im Assistenzdienst eingesetzten Armeeangehörigen bestmöglich zu schützen, befielt der Oberfeldarzt der Armee strenge Hygienemassnahmen für alle Armeeangehörigen: die Massnahmen des BAG, insbesondere regelmässiges Händewaschen und Social Distancing, sind jederzeit einzuhalten. Weiter sistiert die Armee bis auf Weiteres die Rekrutierung in allen sechs Rekrutierungszentren. Als der Bundesrat am 27. März den Grenzverkehr einschränkt und kleinere Übergänge geschlossen werden, unterstütz die Armee auch beim Grenzschutz. Auf dem Höhepunkt der Pandemie stehen täglich bis zu 5000 Armeeangehörige im Einsatz.

Lernen für die Zukunft

Am Mitte April 2020 entspannt sich die nationale Lage allmählich und die Anzahl der laufenden Assistenzdienstgesuche der Kantone sinkt. Im Folgenden entlässt die Armee fortlaufend Teile der Sanitätstruppe aus dem Assistenzdient. Bis Ende Mai stabilisiert sich die Lage weiter und die tägliche Zahl der Ansteckungen pendelt sich bei einem Schnitt von 20 ein. Mitte Jahr endet der Einsatz der Armee zugunsten des zivilen Gesundheitswesens und am 30. Juni 2020 läuft der Auftrag des Bundesrates für den Assistenzdienst der Armee aus. Die Departements- und Armeeführung zeigt sich äusserst zufrieden mit dem Einsatz der Soldaten und der Kader der Armee bei der Bewältigung der Coronakrise. Nichts desto trotz führte die Armee eine umfassende Einsatznachbereitung durch, um Verbesserungspotentiale zu eruieren und für eine mögliche 2. Welle noch besser vorbereitet zu sein. Auch während des Einsatzes wurden bereits laufend systematisch monatlich die Lehren gezogen und aus dem Einsatz gelernt.

Gezielte Vorbereitung

Als die Zahl der täglichen Coronainfektionen in der Schweiz wieder ansteigt, erlässt der Oberfeldarzt der Armee Mitte Oktober schweizweit eine Maskentragpflicht für alle Armeeangehörigen, insbesondere auch für die Lohnempfänger der Gruppe Verteidigung. Als weitere Schutzmassnahme wird die Rekrutierung zum Schutz der Stellungspflichtigen ausgesetzt und der allgemeine Wochenendurlaub in den letzten beiden Wochen der Sommerrekrutenschule gestrichen. So soll sichergestellt werden, dass am 30. Oktober 2020 alle rund 10'000 Dienstleistende gesund nach Hause entlassen werden können. Im Hinblick auf einen erneuten Einsatz in der aktuellen Corona-Situation streicht die Armee die geplanten grossen Truppenübungen, ebenso wie sämtliche Wiederholungskurse, die nicht zur Unterstützung der zivilen Behörden oder für Basisleistungen der Armee notwendig sind. Als weitere Massnahme beginnt die Armee damit, gezielt Soldaten und Kader für einen freiwilligen, weiteren Corona-Assistenzdienst anzufragen.

Mit dem Gelernten wieder in den Einsatz

Am 4. November 2020 beschliesst der Bundesrat den erneuten Einsatz der Armee zur Unterstützung des Gesundheitswesens bis 31. März 2021. Der Assistenzdienst der Armee soll maximal 2'500 Armeeangehörige zur Unterstützung des zivilen Gesundheitswesens umfassen. Anders als in der ersten Welle werden nicht alle Gesuche der Kantone automatisch bewilligt, sondern diese zunächst anhand von durch den Bundesrat vorgegebene Kriterien geprüft. Nur wenn ein Kanton ausgewiesen auf Unterstützung durch die Armee angewiesen ist, werden Truppen eingesetzt. In den folgenden Wochen stehen in mehreren Kantonen der Schweiz massgeschneidert Truppen im Einsatz. Auch über den Jahreswechsel läuft der Assistenzdienst weiter, jedoch werden wo immer möglich freiwillig Dienstleistende eingesetzt, um das zivile Gesundheitswesen zu unterstützen und gleichzeitig die Wirtschaft zu entlasten. Am 17. Februar 2021 werden schliesslich die letzten Armeeangehörigen von Leistungen im Gesundheitswesen entbunden und am nachfolgenden Tag entlassen.

Mit dem Wissen und den Erfahrungen aus den ersten beiden Einsätzen ist die Armee bestmöglich auf einen erneuten Einsatz vorbereitet. So wie die 2. Welle nicht gleich wie die 1. Welle war, werden auch weitere Einsätze nicht genau gleich sein. Doch die Armee lernt, antizipiert, richtet sich auf die nächste Herausforderung aus und hält sich bereit, wieder für die Schweiz in den Einsatz zu gehen.

Der Chef der Armee über den Corona-Einsatz:

«Es war ein prägendes Gefühl, die Armee dort einsetzen zu können, wo es sie braucht.»