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Auf Ermittlung mit der militärischen Kriminalpolizei

In Sitten ist das Kommando Militärpolizei stationiert. Dazu gehört auch die militärische Kriminalpolizei. Diese spezialisierte Einheit erbringt ihre Leistungen überall dort, wo dem Militärstrafgesetz unterstellte Personen involviert sind. Sowohl die Anforderungen als auch die Aufgaben sind dabei vielfältig, weshalb eine Tätigkeit in der militärischen Kriminalpolizei eine spannende Karrierechance darstellt.

18.02.2021 | Kommunikation Verteidigung, Michael Senn

Militärischer Kriminalpolizist beim Fotografieren.
Ein militärischer Kriminalpolizist bei der Tatortaufnahme nach einer ungewollten Schussabgabe. ©VBS/DDPS, Jonas Kambli und Kommando Militärpolizei

Es ist noch dunkel, als Hauptmann Brunners Handy das erste Mal klingelt. Am Telefon ist ein Kollege von der Militärjustiz. «In einer Rekrutenschule sind 300 Gewehrpatronen 90 abhandengekommen», fasst Brunner das Telefon zusammen. Der Fall passt gut, um den Arbeitsalltag der Militärischen Kriminalpolizei zu beschreiben. Nicht etwa, weil regelmässig Munition aus Rekrutenschulen verloren gehen würde, sondern weil die Täterschaft, das Motiv und damit auch das Vorgehen zu Beginn noch unklar sind. «Wir wissen noch nicht, ob kriminelle Energie vorhanden ist», sagt Brunner und erwähnt, dass in solchen Fällen eine enge Zusammenarbeit mit dem zuständigen Militärpolizeiposten äusserst wichtig sei.

Nichts für zarte Gemüter

«Wir sind eine kleine, spezialisierte Zelle, welche aus gut ausgebildetem Personal besteht und ein breites Spektrum an Aufträgen erfüllen muss», beschreibt Hauptmann Brunner seine Einheit. Die militärischen Kriminalpolizisten bearbeiten primär Fälle, welche vertiefte taktische und kriminaltechnische Kenntnisse erfordern oder ein erhöhtes Mass an Sensibilität in Bezug auf Vertraulichkeit voraussetzen. Dazu gehören Delikte im Bereich der inneren Sicherheit, gemeingefährliche Delikte, aussergewöhnliche Todesfälle, schwere Sexualdelikte, schwere Vermögensdelikte oder Auslandermittlungen. Der grösste Unterschied zur zivilen Polizei liegt dabei im militärischen Umfeld und der Militärgesetzgebung.

Abwechslung ist an der Tagesordnung

Das Fallspektrum umfasst Schiessunfälle, Diebstahl von Waffen, Munition und Sprengstoff sowie die Personen- und Objektfahndung. Zudem sind die Kriminalpolizisten innerhalb der Militärpolizei auch für spezialisierte Dienstleistungen in den Bereichen Spurensicherung, technische Überwachung, IT-Forensik und Drohneneinsatz für die Ermittlung beratend und unterstützend tätig. «Kein Tag ist wie der andere und wir müssen jeden Fall von Grund auf bearbeiten. Unsere Arbeit lässt sich kaum in ein Schema zwängen», erläutert Brunner.

Begehrte Stellen

Nebst einer polizeilichen Grundausbildung und Praxiserfahrung werden auch eine militärische Weiterbildung sowie militärisch-juristische Kenntnisse vorausgesetzt. Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sind zusätzlich eine hohe Flexibilität, grosse Belastbarkeit und vertiefte Sprachkenntnisse ein Muss. «Durch die geringe Teamgrösse und tiefe Fluktuationsrate sind die Stellen bei uns sehr begehrt. Beharrlichkeit zahlt sich aber aus, denn unser Job ist äusserst spannend und erfüllend», sagt Brunner.

Kurz nach Mittag klingelt Brunners Handy erneut: «Glück im Unglück», sagt er, denn bei der verschwundenen Munition handelte es sich nur um einen Fehler in der Buchhaltung der betroffenen Rekrutenschule. «Lieber so, als anders rum», schmunzelt der Kriminalpolizist, der den Fall abhaken und sich wieder vollends um längerdauernde Ermittlungen kümmern kann.

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