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Vielfalt in den Gamellen

Bald beginnt die Rekrutenschule 1/21. Damit sind auch die Truppenköche wieder gefordert, denn die Geschmäcker und Eigenheiten der Rekruten bezüglich Lebensmitteln ändern sich stetig. Deshalb diversifiziert die Armee ihre Speisekarten und passt sich den neuen Ernährungstrends und den spezifischen Bedürfnissen der Truppe an.

11.01.2021 | Kommunikation Verteidigung, Anthony Favre

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Die Bereitstellung abwechslungsreicher Mahlzeiten im Feld ist eine zusätzliche logistische Herausforderung für die Truppenköche. © VBS/DDPS, Clemens Laub und Christoph Eugster, Archivbild 2018

Die Zeiten, in denen sich alle Soldaten einer Kompanie mit der gleichen Mahlzeit begnügen mussten, gehören der Vergangenheit an. Aufgrund von Intoleranzen, religiösen Geboten sowie spezifischen Ernährungsstilen entwickeln und verändern sich die Essgewohnheiten der Gesellschaft rasch. Um sicherzustellen, dass die Armee ihre Aufgaben weiterhin erfüllen kann, wird der Lebensmittelbedarf ständig an neue Ernährungsformen angepasst.

Grosse Herausforderungen

Als Spiegelbild der Gesellschaft muss die Schweizer Armee den Entwicklungen in der Ernährung Rechnung tragen und den Lebensmittelbedarf im Rahmen ihrer Möglichkeiten anpassen. Für die Truppenköche sind die Herausforderungen in Anbetracht der Vielfalt nicht zu unterschätzen. Denn es geht nicht nur darum, jeden Tag gesunde, schmackhafte und ausreichende Mahlzeiten zu servieren. Sie müssen auch neue Ernährungstrends berücksichtigen und gleichzeitig das Budget von Fr. 8.75 pro Person und Tag einhalten.

Pragmatische Lösungen

Wir finden immer praktische Lösungen, die keinen grossen Mehraufwand erfordern.

Wachtmeister David Müller, Küchenchef

 

Um den Anforderungen der neuen Lebensmitteltrends gerecht zu werden, legen Truppenköche wie Wachtmeister David Müller, Küchenchef der ABC Abwehr Schule 77 in Spiez, einen grossen Pragmatismus an den Tag. Zusammen mit vier weiteren Truppenköchen und einem Küchenlogistiker bereitet Müller täglich Mahlzeiten für rund 200 Soldaten zu. Etwa 15 von ihnen essen kein Schweinefleisch oder gar kein Fleisch. Für den Wachtmeister kein Problem: «Wir finden immer praktische Lösungen, die keinen grossen Mehraufwand erfordern. Alternativen liefern uns die Produkte aus dem Armeeproviant – das sind lang haltbare Lebensmittel, die von der Logistikbasis der Armee in grossen Mengen eingekauft werden.» Das Kochbuch der Armee bietet ausserdem vegetarische Varianten für die meisten Rezepte.

Erweitertes Angebot an Nahrungsmitteln

Unsere Herausforderung besteht darin, im Rahmen der Möglichkeiten auch spezielle Diäten zu berücksichtigen und Lösungen zu finden, damit die Truppe richtig ernährt wird und ihre Aufgaben weiterhin erfüllen kann.

Chefadjutant Jean-Michel Martin, Chef Verpflegung der Armee

 

Chefadjutant Jean-Michel Martin, Chef der Armeeverpflegung, bestätigt denn auch, dass das Lebensmittelsortiment erweitert wurde, um den Bedürfnissen der Truppe gerecht zu werden und den Köchen mehr Flexibilität zu bieten. Zum Beispiel ist die Grundsauce, die als Basis für die meisten Saucen dient, vegan-zertifiziert. Zudem wurden für Vegetarier getrocknete Sojabohnen in die Nahrungsvorräte der Armee aufgenommen. Und bei den Teigwaren sind auch eifreie Varianten erhältlich, um tierische Inhaltsstoffe zu vermeiden.

Ohne Mampf kein Kampf!

Soldatensprache

«Unsere Herausforderung besteht darin, im Rahmen der Möglichkeiten auch spezielle Diäten zu berücksichtigen und Lösungen zu finden, damit die Truppe richtig ernährt wird und ihre Aufgaben weiterhin erfüllen kann», sagt Chefadjutant Martin. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die Rolle der Verpflegung ist für das Engagement der Truppen von grundlegender Bedeutung. «Ohne Mampf kein Kampf», wie es in der Soldatensprache heisst. Jedes Jahr bereiten die Truppenköche rund 13 Millionen Mahlzeiten zu. Damit alle Armeeangehörigen auf ihre Kosten kommen, achten die Köche auf abwechslungsreiche Kost, wo für jeden etwas dabei ist. 

Das Militärkochbuch, ein Spiegelbild der kulinarischen Vielfalt

Um die grosse Vielfalt der militärischen Küche zu entdecken, wirft man am besten einen Blick in das Kochbuch der Armee. Das Reglement 60.006d ist die Bibel aller Truppenköche. Es wird von der Logistikbasis der Armee herausgegeben und alle fünf Jahre aktualisiert. Im Vordergrund stehen typische regionale Rezepte wie Papet vaudois oder Berner Rösti. Es enthält aber auch neue Gerichte, die den aktuellen kulinarischen Trends besser entsprechen. Beispielsweise wurden Kutteln, Leber und Zunge gestrichen und stattdessen exotischere Rezepte wie Kebab, Mah-Mee und Focaccia aufgenommen.