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Jeder Dienst zählt

Jedes Jahr absolvieren Hunderte von Wehrpflichtigen mit Einschränkungen erfolgreich ihren Militärdienst. Tom LʼEplattenier ist einer von ihnen. Er erzählt von seinem waffenlosen Dienst und darüber, wie wertvoll jede Funktion in der Armee ist.

18.01.2021 | Kommunikation Verteidigung, Anthony Favre

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Tom LʼEplattenier und ein weiterer Kamerad leisten ihren Dienst ohne Waffe als Küchenlogistiker an der Infanterieschule 2. © VBS/DDPS, Alex Kühni

Die Gesellschaft verändert sich und mit ihr die Kriterien für den Militärdienst. So werden vermehrt junge Männer und Frauen mit Einschränkungen für wehrtauglich erklärt. Im Rahmen der «differenzierten Zuteilung» können die betroffenen jungen Wehrpflichtigen ihren Wehrdienst leisten, wenn auch mit gewissen Restriktionen, etwa in den Bereichen Schiessen, Fahren oder Marschieren.

Eine Waffe, die zu schwer zu tragen ist

Soldat Tom LʼEplattenier ist einer von ihnen. Der 23-jährige Waadtländer schloss im Herbst 2020 seine Rekrutenschule als Küchenlogistiker an der Infanterieschule 2 in Colombier NE ab. Für diensttauglich erklärt und zunächst als Füsilier eingeteilt, wurde sein Leben kurz vor seinem Dienstantritt durch tragische Ereignisse auf den Kopf gestellt: «Drei Wochen vor Beginn der Rekrutenschule verlor ich meinen besten Freund und dann meinen Vater. Als ich in Colombier einrückte, fühlte ich mich bei dem Gedanken, eine Waffe zu tragen, unwohl. Eine gewisse Angst hatte sich eingestellt.»

Der junge Mann informierte sofort nach seiner Ankunft seine Vorgesetzten. Nach mehreren Besuchen bei Ärzten und Psychologen wurde Tom LʼEplattenier für schiessuntauglich erklärt. Er wechselte die Funktion und trat der Stabskompanie als Küchenlogistiker bei, wo er ohne Waffe diente. Zusammen mit drei weiteren Küchenlogistikern und drei Truppenköchen sorgte er für die tägliche Verpflegung von mehr als zweihundert Soldaten.

Die Armee passt sich an

Dies ist kein Einzelfall. Jedes Jahr leisten Hunderte von jungen Wehrpflichtigen unter differenzierten Voraussetzungen ihren Dienst. Als Rekrutierungsoffizier setzt Oberstleutnant René Rauber, Kommandant Stellvertreter im Rekrutierungszentrum 4 in Aarau, den medizinischen Entscheid mit der entsprechenden Funktionszuteilung um. «Tauglich mit Einschränkungen» heisst, dass nicht alle Funktionen für den betroffenen Stellungspflichtigen infrage kommen. 2019 waren es in Aarau sechs Prozent. In der Regel ist es denn auch kein Problem, eine passende Alternative für den regulären Dienst zu finden, insbesondere bei den nicht kombattanten Truppengattungen wie Flieger-, Genie-, Rettungs-, Führungsunterstützungs-, Logistik- und Sanitätstruppen.

Tom LʼEplattenier ist dankbar, dass er auf die Unterstützung seiner Vorgesetzten zählen durfte. So ist die Integration in seine neue Kompanie reibungslos verlaufen. Damit war er nicht der Einzige. Ein Kamerad der Küchenlogistik absolvierte seinen Dienst aus medizinischen Gründen ebenfalls waffenlos. «Ich finde es sehr positiv, dass man nicht aus der Armee ausgeschlossen wird, wenn man nicht alle Bedingungen erfüllt. Am Ende des Tages ist jede Funktion wichtig.» Rauber bestätigt denn auch: «Es findet sich immer eine Funktion, die letztlich passt und die für alle eine Win-win-Situation darstellt.»

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