print preview Zurück zur Übersicht Startseite

Ready für den Luftpolizeidienst

Ab dem 31. Dezember 2020 stehen rund um die Uhr zwei bewaffnete Kampfjets bereit, um im Bedarfsfall innert 15 Minuten in den Einsatz zu starten. Um bestmöglich auf die 24-Stunden-Bereitschaft vorbereitet zu sein, trainierte die Schweizer Luftwaffe während rund vier Wochen in Nordengland Flugmanöver bei Nacht.

18.12.2020 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

LEE-OFFICIAL-20201127-646
Die Übung «Yorknite» ist ein zentraler Bestandteil des Nachtflugtrainings der Schweizer Armee. © VBS/DDPS, Aldo Wicki

40 Piloten, 70 Angehörige des Bodenpersonals und 10 F/A-18 der Schweizer Luftwaffe trainierten vom 24. November bis zum 18. Dezember 2020 in der Grafschaft North Yorkshire in Nordengland. In enger Zusammenarbeit mit der britischen Luftwaffe fand auf dem Stützpunkt Leeming der Royal Air Force die Übung «Yorknite» statt. Der dort trainierte Nachtflug ist insbesondere für den Luftpolizeidienst, der ab 2021 auf 24 Stunden pro Tag ausgeweitet wird, von zentraler Bedeutung.

Voneinander lernen

Die Schweizer Piloten konnten zusammen mit den britischen Kollegen über der Nordsee ohne Nachtflugbeschränkungen Flugmanöver bei Dunkelheit üben. Damit ein Kampfflugzeug starten kann, braucht es jedoch nicht nur einen Piloten, sondern auch geschultes Bodenpersonal und fähige Techniker. Sie stellen die Einsatzbereitschaft der Jets rund um die Uhr sicher. Von den Kollegen der britischen Luftwaffe lernten sie, worauf es in der Nacht ankommt.

Gemeinsam profitieren

Für das gemeinsame Training existiert ein Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich Grossbritannien und der Schweiz. Die Schweizer Luftwaffe bedankt sich bei ihren britischen Kollegen für diese erfolgreiche Zusammenarbeit. Der Kommandant der Übung «Yorknite», Oberstleutnant Aldo Wicki, zieht nach Abschluss des Nachtflugtrainings in Grossbritannien Bilanz.

Interview mit Oberstleutnant Aldo Wicki, Kommandant der Übung «Yorknite»

 

Welche Bedeutung hat die Übung «Yorknite» für die Schweizer Luftwaffe?

Die vierwöchige «Yorknite» in Grossbritannien ist für die Luftwaffe von zentraler Wichtigkeit, um im Bereich der modernen Luftkriegführung bei Nacht internationale Standards erreichen zu können. Hier in der Royal Air Force (RAF) in Leeming finden wir hervorragende Rahmenbedingungen, um viel effektiver ist als zu Hause die Nachtflug-Grundausbildung und den taktischen Nachtflug zu trainieren. Während der vier Wochen «Yorknite» fliegen die F/A-18- Besatzungen rund fünfzig Prozent ihres gesamten jährlichen Nachtflugtrainings. Dank dieser äusserst effektiven Nachtflugausbildung im Ausland ist die Schweizer Luftwaffe auf hohem Niveau bereit, ab 2021 während 24 Stunden 365 Tage im Jahr mit zwei bewaffneten F/A-18 Kampfjets jederzeit, bei Tag und in der Nacht, für die Sicherheit im schweizerischen Luftraum sorgen zu können und den Luftpolizeidienst mit der Alarmbereitschaft rund um die Uhr (Quick Reaction Alert, QRA) zu gewährleisten.

 

Was waren die Herausforderungen bei den Vorbereitungen?

Eine völlig neue, bislang unbekannte Herausforderung waren die besonderen Umstände mit der Coronapandemie. Nach monatelanger Vorbereitung wussten wir bis kurz vor Beginn der Übung «Yorknite» nicht, ob das britische Verteidigungsministerium die Übung unter den gegebenen Bedingungen mit Quarantäne und dem landesweiten Lockdown bewilligen würde. Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Armeestab der Schweizer Armee, dem Fliegerärztlichen Institut der Schweizer Luftwaffe, mit dem britischen Verteidigungsministerium und mit unseren Partnern in RAF Leeming ein umfassendes Covid-19-Schutzkonzept entwickelt, das sowohl für die Delegation der Schweizer Luftwaffe als auch für unsere Gastgeber einen maximalen Schutz vor den Infektionsrisiken gewährleisten soll.

 

Wie lautet Ihr Feedback zum vierwöchigen Training in England? Welche Schlüsselerlebnisse nehmen Sie persönlich aus der Übung mit?

Dank den sehr günstigen Rahmenbedingungen in RAF Leeming konnte trotz erschwerender Umstände aufgrund der Coronapandemie und zeitweise schwieriger Wetterverhältnisse mit der Übung «Yorknite» in allen relevanten Bereichen beeindruckende Ausbildungsfortschritte erzielt und die gesteckten Ziele erreicht werden. Mich hat sehr beeindruckt, wie auch unter schwierigen Umständen mit einem pragmatischen, effizienten Teamwork, mit einer umfassenden und soliden Vorbereitung unter Einschluss aller denk- und machbaren Schutzmassnahmen ein solch anspruchsvolles und aufwendiges Projekt erfolgreich durchgeführt werden konnte. Die Schweizer Luftwaffe hat bewiesen, dass sie auch unter Ausnahmebedingungen erfolgreich arbeitet. Diese Erkenntnis gibt uns das notwendige Vertrauen, dass die Luftwaffe auch in künftigen, anders gearteten Krisensituationen mit Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden kann.

 

Worin liegen die Vorteile einer solchen militärischen Kooperation, insbesondere auch für die Schweiz als Nicht-Nato-Mitglied?

Die kleine Schweiz verfügt nicht über die notwendigen Ressourcen dafür, im Bereich der modernen Luftkriegführung auf sich alleine gestellt und ohne Zusammenarbeit mit kompetenten, einsatzerfahrenen Partnern die notwendigen internationalen Standards zu erreichen. Für die Schweizer Luftwaffe geht es insbesondere darum, die Fähigkeiten und Kompetenzen im Bereich der Interoperabilität und der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Partnern zu erweitern, zu vertiefen und die eigene Ausbildung im Training mit einsatzerfahrenen Luftwaffen anderer Länder zu überprüfen. Diese Überprüfung nennen wir auch das «Benchmarking», indem wir unser eigenes Wissen und Können regelmässig im internationalen Umfeld und mit kompetenten Partnerluftwaffen testen und, wo nötig, anpassen. Zudem dienen solche Übungen auch der Glaubwürdigkeit der Verteidigungsanstrengungen der Schweiz und der Glaubwürdigkeit der Schweizer Luftwaffe.

Yorknite 2020

Übung Yorknite 2020

Vom 24. November bis zum 18. Dezember 2020 trainierten Angehörige der Schweizer Luftwaffe bei Nacht auf dem Luftwaffenstützpunkt der Royal Air Force (RAF) in Leeming, Grossbritannien. Insgesamt waren rund 40 Schweizer Piloten und 70 Angehörige des Bodenpersonals an der Übung beteiligt. Das Training in Nordengland – genannt «Yorknite» – ist ein zentraler Bestandteil des Nachtflugtrainings der Schweizer Armee. In den grossräumigen Trainingssektoren über der Nordsee kann praktisch ohne Einschränkungen in allen Einsatzbereichen, im Luftpolizeidienst sowie im taktischen Nachtflug und Überschallflug effektiv trainiert werden.

Vergleichbare Nachtflugtrainings wären in der Schweiz aufgrund der gegebenen Höhen und Geschwindigkeitslimits, der eingeschränkten Flugbetriebszeiten, der Auflagen bei der Anzahl Flugbewegungen, des dichten zivilen Luftverkehrs sowie der Rücksichtnahme auf die Lärmbelastung der Bevölkerung nicht möglich. Die Luftwaffe absolviert daher auf Basis bilateraler Abkommen beinahe die Hälfte ihres Nachtflugtrainings im Ausland.

LP24

Luftpolizeidienst 24 (LP24)

Der Luftpolizeidienst sorgt rund um die Uhr für die Sicherheit und die Souveränität im Schweizer Luftraum. Mit LP24 wurde eine permanente Start- und Einsatzbereitschaft innert höchstens 15 Minuten mit zwei bewaffneten Kampfjets aufgebaut. Seit Beginn des Jahrs 2019 standen die Jets bereits von 6 bis 22 Uhr in Bereitschaft. Per 31. Dezember 2020 erfolgt der Ausbau auf 24 Stunden während 365 Tagen im Jahr.

Der Standort der Flugzeuge für den permanenten Luftpolizeidienst, der mit Umsetzung des Projektes LP24 zukünftig «Quick Reaction Alert (QRA)» genannt wird, ist der Militärflugplatz Payerne, mit Ausweichmöglichkeiten nach Emmen oder Meiringen. Für die Überwachung, sowie die Auslösung und Führung eines QRA-Einsatzes ist die Einsatzzentrale Luftverteidigung in Dübendorf zuständig. Die Einsatzzentrale ist bereits seit circa 15 Jahren im 24/7 Einsatz für die permanente Luftraumüberwachung. Mit QRA wurde lediglich die Interventionsfähigkeit ausgebaut.

Durch LP24 beziehungsweise QRA kann es in Zukunft bei Bedarf auch ausserhalb der bisher gewohnten militärischen Flugbetriebszeiten zu Flugbewegungen mit Kampfjets, wenn notwendig auch mit Überschallgeschwindigkeit, kommen. Dies ist nötig, um die Sicherheit im Luftraum permanent zu gewährleisten und die hoheitlichen Rechte der Schweiz rund um die Uhr durchzusetzen.

Videos

SPHAIR Air Police Service

Air Policing, Permanente Luftraumüberwachung