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Erfolgreiche Unterstützung einer Messkampagne

Im Sommer 2019 nahmen Angehörige des ABC Abwehrlabors 1 auf dem Gauligletscher Eisproben und werteten diese anschliessend im Labor Spiez aus. Die wissenschaftliche Messkampagne unter der Ägide der Universität und der ETH Zürich konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden. Die Ergebnisse helfen auch bei der Bergung der im November 1946 auf dem Gletscher abgestürzten «Dakota» der US Air Force.

02.12.2020 | Kommunikation Verteidigung, Sandro Mollet

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Auf dem Gauligletscher wurden mehr als 200 Eisproben genommen. (Fotos: VBS/DDPS)

In den Jahren um 1960, auf dem Höhepunkt der atmosphärischen Kernwaffentests, waren in der Atmosphäre bestimmte radioaktive Nuklide wie z.B. Plutonium und Uran in erhöhter Konzentration vorhanden. Dementsprechend ist der Gehalt dieser Elemente in Gletschereis, das um 1960 entstand, deutlich höher als im restlichen Eis. Das wissenschaftliche Projekt «GAULI 19», das letztes Jahr von der Universität und der ETH Zürich lanciert wurde, hatte zum Ziel herauszufinden, wo im Gletscher sich das um 1960 entstandene Eis heute befindet. Diese Information liefert Glaziologen wertvolle Hinweise, wie schnell sich der Gletscher bewegt. Die Messkampagne unterstützte auch das ABC Abwehrlabor 1 in Spiez, das Eisproben nahm und auswertete.

Erfolg dank Kooperation

Die Angehörigen des ABC Abwehrlabors 1, direkt dem Kommandanten Kompetenzzentrum ABC-KAMIR unterstellt, werden zur Erhaltung ihrer Einsatzbereitschaft regelmässig in der Probennahme und der Erbringung forensischer Labornachweise intensiv geschult. Das Projekt «GAULI 19» bot hierfür beste Gelegenheit. Die Probennahme auf dem Gauligletscher wurde durch das Kompetenzzentrum Gebirgsdienst der Armee sowie die Luftwaffe durchgeführt. Auf wissenschaftlich höchstem Niveau konnten darauf in Spiez radioaktive Nuklide in den Eisproben nachgewiesen werden.

Dank der Kooperation aller Beteiligten konnten so Angehörige des ABC Abwehrlabors 1 die Probennahme unter erschwerten Bedingungen sowie den Nachweis von Radionukliden in Kleinstmengen trainieren, die Kader wurden in der Führung eines logistisch anspruchsvollen Einsatzes und in der Kooperation mit anderen Formationen der Armee geübt. Und die Glaziologieexperten erhielten wertvolle Daten zur Verbesserung ihrer Gletschermodelle. Selbst ein 1946 auf dem Gauligletscher abgestürztes amerikanisches Flugzeug profitierte von der wissenschaftlichen Messkampagne (siehe Kasten «Abschluss»). 

Fotos

Abschluss

Erfolgreicher Abschluss

Die erhaltenen Resultate sind aussagekräftig genug, dass sie in den wissenschaftlichen Zeitschriften «The Crysosphere» und «CHIMIA» publiziert werden konnten – Ausdruck der sehr guten Arbeit aller involvierter Partner. 

Interessant ist insbesondere, dass die Resultate eine Verbesserung der Prognose ermöglichen, wann und wo der Hauptteil der «Dakota C-53», ein im November 1946 auf dem Gauligletscher abgestürztes Flugzeug der US Air Force, vom Gletscher freigegeben werden wird. Erste Teile des Wracks wurden 2018 von einem Gebirgsdetachement der Luftwaffe geborgen.

Labor

ABC Abwehrlabor 1

Das ABC Abwehrlabor 1, direkt dem Kommandanten Kompetenzzentrum ABC-KAMIR unterstellt, ist der Know-how-Träger der Schweizer Armee im Bereich Verifikationsanalytik für chemische, biologische, radiologische und nukleare (CBRN) Waffen. Des Weiteren hält sich das ABC Abw Lab 1 als Milizformationen mit hoher Bereitschaft permanent bereit, das Labor Spiez bei Bedarf subsidiär zu unterstützten – wie zuletzt geschehen diesen Frühling während «Corona 20» z.B. im Bereich der Prüfung von Schutzmasken.