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Schritt für Schritt zum Start

Die Schweizer Armee bietet pro Jahr rund 150 Lehrstellen in 30 verschiedenen Berufen an. Neu ist auch eine Praktische Ausbildung (PrA) darunter – die erste ihrer Art bei der Schweizer Armee.

21.12.2020 | Personal Verteidigung, Helen Alt

Nicandro Spada bei der Arbeit: Wie die anderen Lernenden auch übernimmt er täglich die unterschiedlichsten Aufgaben im Bereich der Logistik. @VBS/DDPS, Sabrina Mosimann und Janik Siegenthaler

Der rote Laserstrahl fixiert den QR-Code. Es piepst. Nicandro Spada nickt und legt den Scanner zur Seite. Zielstrebig zieht er einen HAGAHUWA (Handgabelhubwagen) heran und manövriert gekonnt durch die Halle. Nachdem er die Kiste mit den Funkgeräten an ihren Platz gestellt hat, sieht er sich nach Christian Zweiacker um. Der 36-Jährige ist Praxisbildner und bespricht mit Spada kurz die nächste Aufgabe. «Wir arbeiten jeweils Schritt für Schritt», erklärt der gelernte Logistiker: Material kommissionieren, palettieren, quittieren und am Ende die Ware mit dem Lieferschein in die Spedition überführen.

Berufliche Integration

Zweiacker schmunzelt: «Eigentlich macht Nicandro genau das Gleiche wie die anderen Lernenden auch!» Doch das ist nicht selbstverständlich. Der 20-Jährige lebt mit einer Lerneinschränkung. Er absolviert darum keine reguläre Lehre mit EFZ-Abschluss, sondern eine Art Vorlehre, die sogenannte Praktische Ausbildung (PrA) nach INSOS. Jobcoach Robert Schönauer von der Stiftung Integra steht ihm dabei in allen administrativen Belangen zur Seite. Er war es auch, der 2019 Kontakt mit dem Armeelogistikcenter Othmarsingen (ALC-O) aufnahm.

Sichtbare Erfolge

«Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung mit der Praktischen Ausbildung, wollten die Herausforderung aber gerne annehmen», erzählt Christian Zweiacker. Offensichtlich mit Erfolg: In den eineinhalb Jahren, in denen Nicandro Spada nun schon bei ihnen sei, habe er bereits grosse Fortschritte gemacht, fährt der Praxisbildner fort. «Ich nehme mir jeweils genug Zeit zum Erklären. Sonst wird Nicandro aber behandelt wie alle anderen auch.» Einer der grössten Erfolge sei, dass Spada mittlerweile richtig aufgeblüht sei. Zu Beginn der Ausbildung sei er in sich gekehrt gewesen, heute aber spreche er selbstständig Probleme an und gehe aktiv auf seine Chefs zu. Auch Robert Schönauer fällt die Veränderung auf. Bei einem Besuch im Armeelogistikcenter erklärt Spada ihm detailliert einen Arbeitsablauf. Schönauer hört aufmerksam zu, stellt ab und zu eine Frage und ist zum Schluss erstaunt, wie genau sein Schützling Bescheid weiss. «Es freut mich natürlich wahnsinnig, diesen Fortschritt zu sehen.»

Schritt für Schritt

Auch Christian Zweiacker findet klare Worte: «Es ist ein Gewinn, jemanden wie Nicandro zu beschäftigen.» Spada habe ihn zum Beispiel gelehrt, seinen Tätigkeiten mit mehr Achtsamkeit nachzugehen: «Es kommt so oft vor, dass wir im Alltag ’öppis anejufle’, obschon es besser wäre, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und sie bewusst auszuführen.»

So geht es in einer Praktischen Ausbildung zwar mit kleinen Schritten voran, das Ziel rückt aber dennoch stetig näher. Oder vielmehr: der Start. Denn im Sommer 2021 möchte Nicandro Spada mit der Lehre zum Logistiker EBA vollumfänglich ins Arbeitsleben eintauchen.

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