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Helfer in seelischer Not

Die Armeeseelsorger sind Teil eines grossen Netzwerks und für alle jene da, die Militärdienst leisten. Nicht nur in Notlagen, sondern auch für ein einfaches Gespräch unter vier Augen. Sie geben den Angehörigen der Armee Orientierung bei persönlichen Problemen – und dies rund um die Uhr, jeden Tag.

13.11.2020 | Kommunikation Verteidigung, Ruth van der Zypen

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Nicht mehr so zentral wie auch schon, aber immer noch gefragt: Der besinnliche Moment im Feld auf ökumenischer Basis. (Foto: VBS/DDPS, Matthias Bill)

In gewissen Notlagen ruft man den Arzt oder die Sanitätsdienste. In anderen braucht man einen Zuhörer. Während des Militärdienstes sind die Angehörigen der Armee jedoch zumindest räumlich von ihren Vertrauenspersonen getrennt. Immer verfügbar sind dafür die Kameraden der Armeeseelsorge. Jeder Einheit ist ein Seelsorger zugeteilt, zusätzlich sorgt sich ein 24-Stunden-Pikettdienst um die seelischen Nöte der Armeeangehörigen. Die Unterstützung ist vielfältig, professionell und immer verfügbar.

Ausnahmesituation Militärdienst

Gerade für junge Rekruten ist der Militärdienst eine Ausnahmesituation. Alles ist neu, und das gewohnte Umfeld aus dem Blickfeld. «Da gibt es ab und zu Anrufe auf die Piketthotline», bestätigt der Chef Armeeseelsorge, Stefan Junger. «In einem veränderten Umfeld stellen sich Personen häufig sehr grundlegende Fragen», erläutert er. Hier bieten wir ein offenes Ohr, ein vertrauliches Gespräch, niemand wird gewertet, jeder respektiert.»

Gespräch als Weg

Die Seelsorger in Grün sind dazu ausgebildet, sich jeder Lebenssituation von Angehörigen der Armee anzunehmen. Die Anliegen können dabei privater Natur sein, aber auch spirituelle und religiöse Fragen betreffen. Nicht jedes Gespräch braucht dabei ein Ziel, oft ist es der Weg, der zählt. Wenn es gewünscht wird, werden die Armeeseelsorger jedoch gerne Handlungsoptionen aufzuzeigen. «Häufig werden die Fragen des Lebens gestellt: von Möglichkeiten der beruflichen Zukunft bis hin zu Sinn und Wert der Existenz», so Stefan Junger.

Auch nach Krisen geht es weiter

Bei einschneidenden Erlebnissen sind die gut geschulten Kameraden mit dem Kreuz auf dem Abzeichen besonders gefordert. Tragische Unfälle oder Todesfälle während des Militärdienstes sind zum Glück nicht häufig, aber – wie sonst im Leben auch – sie kommen leider vor. Darum ist die Armeeseelsorge Teil des Care-Teams der Armee. «Bei grossem Leid sind wir dazu da, Trauer zu teilen und die Trauernden sprechen zu lassen», erzählt Junger.

Oder es kann eine persönliche Krise zu einer grossen Notlage führen: «Wir betonen immer, dass jeder Mensch wertvoll ist und als solcher es wert ist, geachtet und wertgeschätzt zu werden. Wenn ein Mensch nicht mehr da ist, fehlt so viel. Jeder Mensch hat viele Stärken. Daher wollen wir Leuten in der Krise helfen, den weiteren Weg zu erkennen. Denn es gibt ihn immer, diesen Weg: Es gibt keine Sackgassen!» Die Unterstützung ist vielfältig, professionell und immer verfügbar. Das sollen die Angehörigen der Armee und ihre Familien wissen.

 

Pikettnummer Armeeseelsorge

Tel. 0800 01 00 01

Fotos

SPSN

Die Armee hilft: Das seelsorgliche und psychosoziale Netzwerk (SPSN), Unterstützungspaket der Armee

Gemeinsam mit dem Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee (PPD A) und dem Sozialdienst der Armee (SDA) bildet die Armeeseelsorge durch Beratung, Begleitung und Unterstützung das seelsorglich-psychosoziale Netzwerk (SPSN) der Armee. Das Care-Team der Armee und die Angehörigenhotline der Armee sind ebenfalls Bestandteil des SPSN.

Für alle

Für alle, egal wer und woher – und vertraulich

Armeeseelsorger kommen aus Kirchen und religiösen Gemeinschaften, die mit der Armeeseelsorge in Partnerschaft stehen. Sie verpflichten sich, allen Menschen zur Verfügung zu stehen, ganz gleich, welchen Hintergrund sie haben. Die zentrale Armeeseelsorge ist auch jederzeit zum Dialog mit den Religionsgemeinschaften bereit: Für alle gelten die gleichen Rahmenbedingungen, wenn sie sich in der Armeeseelsorge einbringen wollen. Armeeseelsorger sind nicht Vertreter einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Und für sie gilt die Schweigepflicht, das heisst: Man kann sich ihnen mit allem anvertrauen.

Armeeseelsorger

Wie wird man Armeeseelsorger?

Interessierte Leute, die über eine seelsorgliche/theologische Ausbildung und Erfahrung verfügen, können sich bei der Armeeseelsorge melden. Sie reichen ein Dossier ein. Nach erfolgreichem Assessment und einer Empfehlung ihrer Kirche respektive ihrer religiösen Gemeinschaft besuchen die Aspiranten den Lehrgang der Armeeseelsorge (3 Wochen). Falls zuvor keine militärische Grundausbildung absolviert wurde, muss diese minimal nachgeholt werden.

Interessierte – auch solche, die bisher keinen Militärdienst geleistet haben – melden sich bei Stefan Junger, Chef Armeeseelsorge.

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