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Wenn der Armee-Einsatz zurückgeht, nimmt der Betreuungs-Einsatz noch zu

Sie helfen überall, wo Hilfe gefragt ist: Stefan Junger, Roman Spinnler und Diego Kesseli leiten in Thun die Betreuungsdienste Armeeseelsorge, Psychologisch-Pädagogischer Dienst der Armee und Sozialdienst der Armee. Mit dem zahlreiche Wochen dauernden Assistenzdienst zugunsten der zivilen Behörden im Rahmen von Corona 20 waren sie und ihre Fachspezialisten überall gefragt. Unter anderem, um existenzielle Probleme zu lösen, um persönliche Gespräche zu führen und so die Armeeangehörigen im Dienst zu unterstützen.

26.11.2020 | Kommunikation Verteidigung, Gaby Zimmer

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Stefan Junger (rechts), Roman Spinnler (links) und Diego Kesseli führen die drei Betreuungsdienste der Schweizer Armee und sind mit zwölf Angestellten und rund achtzig Fachspezialisten aus der Miliz im Assistenzdienst. Sie helfen überall, wo Hilfe gefragt ist: Vom persönlichen Gespräch über eine Finanzberatung bis zur Aufarbeitung von belastenden Situationen. (Fotos: VBS/DDPS, Sina Guntern)

Die erste Mobilmachung der Schweizer Armee seit dem Zweiten Weltkrieg hat das Leben vieler auf den Kopf gestellt. Rund 5000 Armeeangehörige (AdA) wurden im März kurzfristig und ohne grosse Vorlaufzeit aus ihrem privaten Umfeld herausgerissen, um in die Uniform zu steigen. Gestrichener Urlaub über Wochen und eine mögliche Verlängerung des Einsatzes bis Ende Juni stellte die eingesetzten AdA auf die Probe. Die drei Betreuungsdienste Armeeseelsorge, Psychologisch-Pädagogischer Dienst der Armee und Sozialdienst verfügen neben jeweils einer Handvoll angestellter Fachspezialisten über Milizangehörige, die ebenfalls zum Assistenzdienst aufgeboten wurden. Welches waren und sind die vorherrschenden Probleme in den Tagen von Corona?

Die Armee hilft, wenn die Uniform ruft

«Vielfältig und individuell waren die Probleme. Von der Rechtsberatung, weil der Arbeitgeber mit Kündigung drohte, über die Finanzberatung, weil die Fixkosten für monatliche Raten aus dem Ruder liefen, oder Betreuungsaufgaben für Kleinkinder oder Haustiere», zählt Diego Kesseli, Chef Bereich Sozialdienst der Armee, ihre Aufgaben auf. Roman Spinnler, Chef Psychologisch-Pädagogischer Dienst, ergänzt: «Die Arbeit auf den Intensivstationen, in Pflegeheimen oder in den Rettungsdiensten waren für einige AdA, die beruflich aus anderen Sparten stammen, belastend. Damit keine Traumata zurückbleiben, mussten einzelne Personen stärker begleitet werden. Uns ging und geht es vor allem darum, die Vorgesetzten zu befähigen, Notfälle frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Fachunterstützung anzufordern.» Stefan Junger, Chef Armeeseelsorge, sieht seinen Dienst in einer komfortableren Lage: «Armeeseelsorger sind in die Truppenkörper eingebunden und damit eingespielte und vertraute Dienstkameraden. Ein Seelsorger spürt sofort und direkt, wenn jemand Unterstützung braucht. Oft entlastet schon ein persönliches Gespräch am Feierabend.»

Betreuung über den Einsatz hinaus

Die Armee ist verpflichtet, ihre Bürger in Uniform davor zu bewahren, dass sie wegen der Erfüllung ihrer Dienstpflicht private Not erleiden. AdA können Hilfe anfordern, wo sie welche brauchen – individuell, direkt und vertraulich.

Wegen des ungewohnt langen Assistenzdienstes gehen die drei Chefs davon aus, dass mit der Entlassung aus den Einsätzen der Betreuungsaufwand nicht ab-, sondern zunimmt. Roman Spinnler baut auf die Erfahrungen aus den Friedensförderungseinsätzen: «Zuerst muss man sich in der neuen Situation zurechtfinden, dann bilden sich Gemeinschaften. Daraus auszusteigen und in den alten Alltagstrott zurückzukehren, ist nicht nur einfach. Zumal der Alltag wegen Corona nicht mehr der gleiche ist wie vor dem Einrücken.»

Die drei Chefs setzen in der Nachbetreuung einerseits auf die eingespielten Kader und Spezialisten vor Ort und werten andererseits die individuelle Situation mittels Fragebogen aus. Jeder AdA, der aus dem Assistenzdienst entlassen wird, teilt schriftlich mit, wie es ihm geht, und kann gegebenenfalls Hilfe von Spezialisten in Anspruch nehmen. «Wir können nicht alle privaten Probleme lösen, aber wir nutzen mit unseren Spezialisten die Dienstzeit, um mit den AdA gemeinsame Pläne für nachhaltige Problemsanierungen zu entwickeln,» betonen Spinnler und Kesseli. Für Junger ist der Kontakt seiner Seelsorger mit den Dienstkameraden vor Ort eingespielt: «Einige Kameradschaften überdauern auch in der uniformfreien Zeit, obwohl unser Auftrag klar auf die Dienstzeit beschränkt ist.» Alle drei Chefs sind sich einig: Die Erfahrung aus diesem Assistenzdienst bietet ihnen zahlreiche Chancen, die Zusammenarbeit und die Dienstleistungen zugunsten der AdA und der Kader weiter zu festigen.

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