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Die Armee im Einsatz zur Bewältigung der Pandemie

Kaum hatte die Armee ihren subsidiären Einsatz zur Bewältigung der Coronakrise beendet, befasste sich erstmals ein Museum mit dem Thema. Das Museum im Zeughaus in Schaffhausen bettete das Engagement zugunsten der zivilen Behörden als Sonderschau in seine aktuelle Ausstellung über die Mobilmachungen der Armee ein.

30.09.2020 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Die Ausstellung des Museums im Zeughaus in Schaffhausen stellt anschaulich den subsidiären Corona-Einsatz der Armee dar. (Fotos: VBS/DDPS, Fahrettin Calislar)

Bis zu 6000 Armeeangehörige haben vom 16. März 2020 bis Ende Juni Assistenzdienst zugunsten der zivilen Behörden geleistet. Sie standen überall dort im Einsatz, wo die zivilen Kräfte an ihre Grenzen gestossen waren und die Armee um Unterstützung gebeten hatten. Die Armeeangehörigen leisteten für Zoll und Grenzwachtkorps sowie für das zivile Gesundheitswesen dringend benötigte Hilfe.

Eine Ausstellung im Museum im Zeughaus in Schaffhausen widmet sich nun diesem Einsatz. Sie ist eine Ergänzung der ständigen Schau zu den rund 130 Mobilmachungen der Armee seit 1792. Der Corona-Einsatz sticht in dieser Reihe hervor, gibt Kurator Ernst Willi zu bedenken: «Keine Mobilisierung seit 1945 umfasste so grosse Teile der Armee.»

Die Idee zur Sonderausstellung sei ihnen schon bald nach dem Mobilmachungsbeschluss gekommen, sagt Walter Baumann vom Museumsteam. «Sie ist eine logische Weiterführung der Ausstellung zu den Mobilmachungen». Sie vermittelt beispielhaft den Auftrag, die Gliederung und den Mobilmachungsprozess der Armee von heute.

Mobilmachung war ein Erfolg

«Die Mobilmachung verlief reibungslos, das System der abgestuften Bereitschaft funktioniert», so Willi. Das sei angesichts der Armeereformen der letzten Jahre mit dem zeitweiligen Verzicht auf den Mobilmachungsprozess nicht selbstverständlich. «Die Armee war zeitweise nicht einsatzbereit», stellt er klar. «Erst die WEA hat eine Rückbesinnung ausgelöst.» Der Assistenzdiensteinsatz sei der unerwartete Test für die neuen Abläufe gewesen. «Und es hat funktioniert. Die Armee hat mobilisiert und ihre Feuerprobe glänzend bestanden.»

Die Ausstellung zeigt detailliert die Phasen des Einsatzes auf und würdigt, dass der grösste Teil der Armeeangehörigen das Aufgebot fristgerecht quittiert hat und korrekt eingerückt ist. «Dies übertraf die Erwartungen der Armee», so Willi. Insbesondere hätten sich die elektronische Alarmierung sowie die Führung der Mobilmachung bewährt, «sogar bei Formationen, die eine Mobilisierung im Vorfeld noch gar nie trainiert hatten».

Die Unterstützung erfolgte im Grenzkanton Schaffhausen mit seinen 50 zum Teil schwer kontrollierbaren Grenzübergängen vor allem im Bereich Schutz. Ohne die Truppe wäre die Grenzschliessung zu Deutschland nicht durchsetzbar gewesen.

Auftrag erfüllt

Das Fazit: Die Ausstellung zeigt auf, dass die Kantone ohne die rasche Unterstützung der Armee und des Zivilschutzes am Anschlag gewesen wären. 300 Anfragen um Unterstützung wurden zur vollsten Zufriedenheit der Auftraggeber erfüllt. Im Gesundheitswesen verschaffte die Arbeit der Sanitäts- und Spitalsoldaten dem medizinischen Personal Luft.

Die Ausstellung schliesst mit einem Interview mit dem Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, sowie der letzten Botschaft des Kommandanten Subsidiäre Einsätze, Korpskommandant Aldo C. Schellenberg: «Die Mobilmachung war ein voller Erfolg.»

Museum für die Geschichte der Schweiz und ihrer Armee

Die Sonderschau Corona im Schaffhauser Museum im Zeughaus wurde am 12. September im Beisein des Chefs der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, eröffnet. Das Museum zeigt zudem die Wechselausstellung Widerstand mit exklusiven Inhalten zur Geheimorganisation P-26 sowie eine Schau zum Bombenangriff von 1944 auf die Stadt. Ein weiterer Schwerpunkt des Museums ist die Entwicklung der Ausrüstung und Bewaffnung der Armee. An seinem Standort in Neuhausen am Rheinfall zeigt das Museum 40 Militärfahrzeuge und 18 Panzer als Zeitzeugen der Motorisierung und Mechanisierung der Armee. Ursprünglich wollte das Museum dieses Jahr die Ausstellung «Militärküche gestern und heute» durchführen. Sie ist verschoben auf September 2021. Öffnungszeiten des Museums: März bis November, dienstags und jeden ersten Samstag im Monat, von 10 bis 16 Uhr. Führungen sind nach Voranmeldung jederzeit möglich. Weitere Museumstage: 3. Oktober und 7. November 2020.

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