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Eine Rekrutenschule ist immer eine Herausforderung

Die Ausbildungsvorgaben an die Rekrutenschulen werden von Bern gesteuert. Seit Anfang Jahr führt Korpskommandant Hans-Peter Walser diesen Bereich und hat sich dazu unseren drei Fragen gestellt.

20.08.2020 | Kommunikation Verteidigung, Nicole Anliker und Franziska Walt

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Korpskommandant Walser führt das Kommando Ausbildung seit dem 1. Januar 2020. (Fotos: VBS/DDPS, Dominique Schütz)

Das Kommando Ausbildung ist für die Planung, Steuerung und einheitliche Durchführung der Ausbildung von Mannschaft, Kadern, Verbänden und Stäben verantwortlich. Das klingt komplex. Wo ist aktuell der grösste Kraftakt nötig?

Im Moment liegt der Fokus auf der Sicherstellung der Ausbildung unter strikter Einhaltung der Hygiene- und Verhaltensmassnahmen in allen Schulen und Kursen. Dabei hat die Gesundheit der Rekruten und Rekrutinnen, der Kader und Teilnehmenden in den unterschiedlichsten Lehrgängen oberste Priorität! Wir setzen alles daran, dass unsere Armeeangehörigen gesund bleiben und dass sich das Virus in unseren Lebensgemeinschaften möglichst nicht ausbreiten kann. So haben wir an allen Standorten entsprechende Massnahmen getroffen.

Mit grossem Aufwand haben die Kommandanten aller Stufen zusätzlichen Raum geschaffen: Vor allem Zelte, aber auch Mehrzweck- oder Fahrzeughallen wurden zu Unterkünften oder Ess- und Aufenthaltsräumen ausgebaut, sodass die Abstandsregeln bestmöglich eingehalten werden können. Alle helfen mit, dass die Ausbildung trotz dieser Hygiene- und Verhaltensmassnahmen weiter stattfinden und die Ausbildungsziele erreicht werden können.

Wenn Sie als oberster Ausbildungschef auf Truppenbesuch bei einer Rekrutenschule oder einem Lehrgang sind, worauf legen Sie ihr Augenmerk besonders?

Für mich ist es wichtig, dass das Klima und insbesondere auch der Umgangston stimmen. Wir bilden erwachsene Schweizer Bürgerinnen und Bürger in unseren Schulen, Kursen und Lehrgängen aus. Selbstverständlich müssen die militärischen Regeln und Vorschriften eingehalten werden. Aber wir alle lernen besser und effektiver in einer Umgebung, in der wir uns gegenseitig respektieren und die geforderte Leistung mit gelebter Kameradschaft erbringen. Deshalb ist es mir wichtig, dass die Kader aller Stufen Leadership zeigen. Sie müssen immer und in allen Bereichen Vorbild sein.

Mir ist es aber auch wichtig, dass vor allem unsere jungen Rekruten und Rekrutinnen sowie Kader den Sinn ihrer Tätigkeit und ihrer Ausbildung erkennen und verstehen. Es ist entscheidend, zu wissen, warum es so wichtig ist, dass jeder Schweizer und hoffentlich immer mehr Schweizerinnen einen persönlichen Beitrag für die Sicherheit unseres Landes leisten. Der Militärdienst soll Freundschaften insbesondere über alle Sprach- und Kulturregionen, Landesteile sowie Gesellschaftsschichten und Herkunft ermöglichen und fördern. Wir haben erfüllt, wenn jeder und jede, die Militärdienst leistet, auch Botschafter oder Botschafterin für unsere Schweizer Milizarmee ist.

Auch Ihre Karriere begann mal als Rekrut. Was hat sich seit damals am meisten verändert, und was ist gleich geblieben?

Die Armee und die Ausbildung sind viel komplexer geworden. Unsere moderne Milizarmee verfügt heute in vielen Bereichen über Systeme, Ausrüstungen und Waffen, die anforderungsreich sind und mit unseren relativ kurzen Ausbildungszeiten von den Soldaten und Kadern viel abverlangen. Ich habe die Winterrekrutenschule 1984 als Minenwerferkanonier in Urnäsch AR absolviert und mag mich noch gut erinnern, wie wir im Schnee lagen, stundenlang Waffendrill mit dem Sturmgewehr 57 oder dem Minenwerfer 33 machen durften und wie dabei die Wollhandschuhe an den Metallteilen anfroren. Die persönliche Ausrüstung ist in der Zwischenzeit bedeutend besser geworden.

Schon damals war die Kaderausbildung eine äusserst wertvolle praktische Führungsausbildung. Ich bin froh und stolz, dass die heutigen Kader für ihr zusätzliches Engagement eine Wertschätzung in Form von Ausbildungszulagen und seit kurzem auch eine Ausbildungsgutschrift während der Weiterausbildung erhalten. Zudem finde ich es ein starkes Zeichen, dass etliche zivile Ausbildungsstätten unsere Kaderausbildung mit der Vergabe von ECTS-Punkten anerkennen.

Auch heute sind es die Menschen, die unsere Milizarmee ausmachen und prägen. Schweizer Bürger und Schweizer Bürgerinnen auf freiwilliger Basis, die aus der ganzen Schweiz, allen Sprachregionen und aus verschiedenen sozialen Schichten kommen, ihren persönlichen Beitrag zu Sicherheit und Freiheit leisten und zusammen etwas erreichen wollen.

Korpskommandant Hans-Peter Walser, Chef Kommando Ausbildung

Korpskommandant Walser führt das Kommando Ausbildung seit dem 1. Januar 2020. In seinen Verantwortungsbereich gehören sowohl die Grundbereitschaft als auch die Ausbildung der Armee auf allen Stufen. Als Mitglied der Armeeführung ist er direkt dem Chef der Armee unterstellt. Dem Chef Kommando Ausbildung unterstehen das Kommando Ausbildungszentrum der Armee, die Lehrverbände Infanterie, Genie/Rettung/ABC, Führungsunterstützung, Panzer/Artillerie und Logistik, die Höhere Kaderausbildung der Armee sowie das Personelle der Armee. Vor seiner Beförderung zum Chef Kommando Ausbildung war Korpskommandant Walser unter anderem Chef Armeeplanung, Chef Armeestab sowie Kommandant der Territorialdivision 2.

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