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Flugsimulatoren – ohne sie geht es nicht mehr

Der Flugsimulator ist unverzichtbar für die anspruchsvolle Ausbildung von Kampfjetpiloten. Er erlaubt unter anderem Pannentrainings oder Fehler ohne finanzielle und kollaterale Schäden, und er schont erst noch die Umwelt: weniger Lärm und weniger Kerosin-Verbrauch. Im Endeffekt steigt dadurch die Qualität der Ausbildung. Ein Besuch bei den Swiss Hornet Tactical Simulators, kurz SHOTS, in Payerne.

09.07.2020 | Kommunikation Verteidigung, Saskia Graber

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Bei taktischen Übungen können bis zu vier Cockpits miteinander vernetzt werden und die Piloten so gemeinsam im Simulator trainieren. (Fotos: VBS, André Scheidegger, ZEM, und Aldo Wicki)

«Der Simulator ist ein ‹must have› für das Betreiben einer modernen Kampfflugzeugflotte. Ohne ihn wäre die Ausbildung von Piloten nicht mehr denkbar», bringt es Oberstleutnant Urs Kühne auf den Punkt. Als Chef Simulator Hornet und bis vor einigen Jahren selbst aktiver F/A-18-Pilot weiss er genau, wovon er spricht. Vom ersten bis zum letzten Tag ihrer anspruchsvollen und umfassenden Aus- und Weiterbildung fliegen die Berufsmilitärpiloten der Luftwaffe regelmässig im virtuellen Raum des Simulators.

Erster Soloflug oft bereits nach vier Flügen am Doppelsteuer

Computer Based Training (CBT) und Frontalunterricht bestimmen das Pilotenleben zu Beginn der technischen Umschulung von der PC-21 auf die F/A-18 - will heissen: viel Theorie. Parallel dazu absolviert der angehende F/A-18-Pilot seine ersten zwölf Übungsflüge im Simulator. «Dabei lernt der Pilot, die F/A-18 bei guter Sicht wie auch bei schlechtem Wetter sicher zu bedienen, absolviert diverse Pannenübungen und lernt das technische System in seinen Zusammenhängen zu verstehen», fasst Urs Kühne zusammen.

Der Simulator ermöglicht das Kennenlernen des Cockpits und des Flugverhaltens der F/A-18 im sicheren Rahmen – ohne Risiken und ohne Zeitdruck. Denn: «Draussen im Flugzeug wird Treibstoff verbrannt und man hat ein vorgegebenes Zeitlimit für den Abflug», so Oberleutnant Hans «Kwik» Fideeler, angehender F/A-18-Pilot und seit November im Umschulungskurs. Mit Wegfall des Zeitdrucks und des Treibstoffverbrauchs biete der Simulator eine gute Plattform, um sämtliche Manipulationen in Ruhe ausprobieren zu können und dabei zu erfahren, was die Maschine alles bietet.

Nach zwölf Flügen im Simulator fliegt der Pilot bereits im richtigen Cockpit einer F/A-18 – am Doppelsteuer, wobei der Fluglehrer hinten sitzt und gegebenenfalls helfend eingreifen kann. Und es geht zackig weiter: «Falls die Fortschritte es zulassen, folgt auf den vierten Flug am Doppelsteuer bereits der erste echte Soloflug. Dies ist nur dank dem Simulator möglich, der dem Flugzeugcockpit zu 100% entspricht», so Urs Kühne. Der Pilot hat bei seinen bisherigen Flügen im Simulator und am Doppelsteuer die Abläufe verinnerlicht, Erfahrungen gesammelt und – ebenso wichtig – das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. «Diese Selbstsicherheit braucht es auch. Das erste Mal solo ist natürlich etwas Spezielles und die Nervosität ist hoch. Aber man würde nicht ins Cockpit steigen, wenn man diese Sicherheit nicht hat», betont Hans Fideeler.

Schwer zu simulierende Umweltfaktoren

Sämtliche Bedienknöpfe, Schalter, Hebel und Anzeigen sind in den F/A-18-Simulatoren originalgetreu nachgebaut und lösen die gleichen Befehle aus wie in den Kampfjets – nur virtuell. Auch die Umgebung ist realitätsgetreu abgebildet. Dank den 360° projizierten, hoch aufgelösten und stets aktuellen Bildern fühlt man sich im Simulator-Cockpit wie in der Luft. Bei taktischen Übungen können zudem bis zu vier Cockpits vernetzt werden. Dank computergesteuerter Zieldarstellungen kann eine Komplexität erreicht werden, die unter Umständen höher ist als bei echten Trainingsflügen. Und doch, so Kühne: «Trotz den enormen Möglichkeiten kann der Simulator den echten Flug nie ganz ersetzen. Beispielsweise können die Umwelt – Wolken, Schnee, Nebel – und die auf den Körper wirkenden G-Kräfte sowie echter Stress nicht realitätsnah simuliert werden.»

So setzt die Luftwaffe zur Ausbildung ihrer Berufsmilitärpiloten auf die bewährte Kombination aus Training im Simulator und Echtflüge mit der F/A-18. Während der neunmonatigen technischen und taktischen Grundausbildung im Rahmen des Umschulungskurses auf die F/A-18 beträgt der Anteil je rund 50%. In den darauffolgenden Jahren fliegt ein Staffelpilot noch 20 bis 30% seiner Flugstunden im Simulator. Auf diese Weise kann der Pilot seine Flugfähigkeiten verfeinern und seinen Flugerfahrungs-«Rucksack» weiter füllen.

Fotos

SHOTS

Swiss Hornet Tactical Simulators (SHOTS)

Die vier F/A-18 Simulatoren in Payerne wurden im Mai 2010 in Betrieb genommen und sind dank regelmässiger Updates stets auf dem neuesten Stand. Die Simulatoren dienen nicht nur der Umschulung angehender F/A-18-Piloten auf das Kampfflugzeug, sondern unter anderem auch der taktischen Weiterausbildung, dem Verinnerlichen neuer Verfahren sowie Hypoxia-Trainings (Verhalten bei Sauerstoffmangel unter der Kontrolle des Fliegerärztlichen Instituts). Neben dem Mehrwert, den die Simulatoren jungen wie erfahrenen Piloten bieten, tragen sie dazu bei, die Umwelt zu schonen und die Lärmbelastung zu reduzieren.

Simulator

Piloten-Werdegang: der Simulator als ständiger Begleiter

Bis ins Cockpit einer F/A-18 besteht der Weg aus mehreren Etappen: Nach dem erfolgreichen Absolvieren von SPHAIR beginnt die Grundausbildung in der Pilotenschule der Luftwaffe auf der Pilatus PC-7. Zeitgleich erwirbt der Berufsmilitärpilotanwärter die Air Transport Pilot Licence (ATPL), da er sich im gleichen Luftraum wie Linienpiloten bewegt und auch die entsprechenden Regeln kennen muss. Anschliessend folgt die Ausbildung auf der PC-21, bevor dann direkt die Umschulung auf die F/A-18 Hornet beginnt. Simulatoren sind dabei ein ständiger Begleiter in der Pilotenaus- und -weiterbildung.