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Leben retten, ohne die eigene Sicherheit zu vergessen

Zu der Grundausbildung zum Kampfmittelbeseitiger gehört für die 18 Teilnehmer ein Ausbildungsthema mit möglicherweise entscheidender Bedeutung: Mittels anspruchsvoller Szenarien trainierten die Angehörigen des Kommandos KAMIR die Verwundetenversorgung in Gefechtssituationen.

22.07.2020 | Kommunikation Verteidigung, Michael Senn

Der Eigenschutz musste zu jeder Zeit gewährleistet sein.
Der Eigenschutz musste zu jeder Zeit gewährleistet sein. (Bild: Alex Kühni, Zentrum elektronische Medien)

 

Los ging es früh am Morgen in einem tristen Theoriesaal auf dem Waffenplatz Thun. Der Fachausbilder demonstrierte gleich zu Beginn der Ausbildungseinheit anhand von Videoaufnahmen, dass es sich um ein ernstes Thema handelt, das die Teilnehmer heute angehen würden. Denn Verbrennungen, Brüche und Schusswunden gehören für die Kampfmittelbeseitiger zu den durchaus realen Gefahren.

Im Ernstfall helfen Merkwörter

In kaum einem anderen Bereich der Armee haben derart viele Akronyme Einzug gehalten wie im Sanitätsdienst. Was für den Laien verwirrend wirken mag, hat für den geübten Anwender durchaus seinen Nutzen: Die Kurzwörter dienen nämlich als Eselsleitern für ganze Wortgruppen, die sonst viel schwieriger zu merken wären. In Stresssituationen agieren sie als eine Art Checkliste. Die Teilnehmer nahmen dann auch immer wieder ihre Pocket Card zur Hand, um den richtigen Ablauf zu gewährleisten. Die Rollenspiele wurden sehr ernst durchgeführt. Denn: Wer hier richtig übt, kann später damit Leben retten.

In den Bedrohungsszenarien der Kampfmittelbeseitiger gilt dem Verlust grosser Mengen an Blut ein besonderes Augenmerk, da Unfälle schnell lebensbedrohliches Ausmass annehmen können. Kein Wunder also, dass das Tourniquet während der Ausbildung mehr als nur einmal angebracht wurde. Mithilfe dieses Abbindesystems lässt sich genügend Druck aufbauen, um Blutungen an den Extremitäten schnell und effektiv zu stoppen.

Realistische Szenarien sorgen für grossen Lerneffekt

Doch nicht nur die Art der Verletzungen, sondern auch der taktische Rahmen bildete einen Schwerpunkt der Ausbildung. So hatten alle Szenarien eine erhöhte Bedrohungslage vorgesehen. Die Teilnehmer waren deshalb angehalten, zuallererst für den Eigenschutz zu sorgen, ehe sie sich um ihre verletzten Kameraden kümmerten. Auch während der medizinischen Versorgung galt es, der Bedrohung jederzeit Rechnung zu tragen.

Dass es schwierig werden würde, alle Bedrohungen einzukalkulieren, zeigte denn auch der Abbruch des ersten Übungsdurchlaufs nach knapp einer Minute. Die Ausbildungsteilnehmer hatten vor lauter Sorge um ihren verletzten Kameraden einen versteckten Blindgänger übersehen und sich somit einer grossen Gefahr ausgesetzt. Solche Fehler waren jedoch nicht nur zu erwarten, sondern sogar erwünscht, um den Lerneffekt zu erhöhen. Die zukünftigen Kampfmittelbeseitiger befanden sich zu diesem Zeitpunkt nämlich noch in der sogenannten Anlernstufe, also ganz am Anfang der Ausbildung.

In rund drei Monaten werden sie ihre Grundausbildung abgeschlossen haben und bereit sein, ein breites Spektrum an Aufträgen zu erfüllen, zu denen auch regelmässige Auslandseinsätze gehören.

Tactical Combat Casualty Care (TCCC)

Bei der Tactical Combat Casualty Care (TCCC), welche bald auch in den Rekrutenschulen gelehrt wird, steht der Fokus noch mehr auf der Sicherheit im taktischen Umfeld - getreu dem Leitspruch: "Die beste Medizin im Gefecht ist die Feuerüberlegenheit". Die Behandlung von penetrierenden Wunden wird priorisiert, während der Eigenschutz jederzeit sichergestellt werden muss. Die TCCC («tee triple cee» ausgesprochen) besteht aus drei Phasen. Erstens: Care under Fire, also "Erstversorgung unter feindlichem Feuer", zweitens: Tactical Field Care, sprich "Erstversorgung ausserhalb des unmittelbaren Feindkontakts" und zuletzt Tactical Evacuation Care, die "Versorgung während des taktischen Verwundetentransports". Im Fokus stehen dabei immer die drei Grundprinzipien des TCCC: Den Einsatz zu Ende bringen, Vermeiden weiterer Verletzter und die Behandlung der Verletzten.

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