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Herausforderung Flottenmanagement

Am Freitag, 19. Juni 2020, fand auf dem Militärflugplatz Emmen ein Medienanlass zum Thema Flottenmanagement am Beispiel F/A-18 statt. Zahlreiche Medienvertreter nahmen am Anlass teil und informierten sich direkt vor Ort über die aktuellen und kommenden Herausforderungen in Zusammenhang mit der Kampfflugzeugflotte der Schweizer Armee.

19.06.2020 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

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Fotos: VBS, Alfredo Barcos

Um die Sicherheit der Schweiz und ihrer Bevölkerung zu gewährleisten, muss die Armee den Luftraum auch in Zukunft überwachen, schützen und im Fall eines Angriffs verteidigen können. Als neutraler Staat will die Schweiz dafür so wenig wie möglich von anderen Staaten oder Organisationen abhängig sein. Um diese Unabhängigkeit und damit die Neutralität zu erhalten, muss die Kampfflugzeugflotte der Luftwaffe eine bestimmte Grösse und Verfügbarkeit aufweisen, um in jeder Lage mit eigenen Mitteln den Schutz des Luftraums längerfristig aufrechterhalten zu können.

Sicherheit hat Priorität

In der Luftfahrt gelten hohe Anforderungen bezüglich Flugsicherheit. Bevor ein Kampfflugzeug erstmals in den Schweizer Luftraum abheben darf, muss es von der armasuisse überprüft und zugelassen werden. Im täglichen Betrieb müssen anschliessend die festgelegten Wartungskonzepte eingehalten werden, damit die Kampfflugzeuge eine möglichst lange Nutzungsdauer erreichen. Jedoch können unvorhersehbare Ereignisse rasch zu einer Einschränkung der Flottenbereitschaft führen. Infolge festgestellter Risse ordnete das VBS unlängst als Sicherheitsmassnahmen bestimmte Einschränkungen bei der Nutzung der F/A-18 Flotte an. Denn in Friedenszeiten lautet der Grundsatz des VBS: keine unnötigen Risiken.

Die Schweizer F/A-18 Flotte

Die F/A-18 sind derzeit noch leistungsfähige Kampfflugzeuge. Sie wurden 1997 von der Schweizer Armee in Betrieb genommen. Während der bisherigen Nutzungsdauer wurden verschiedene Projekte zum Erhalt der Leistungsfähigkeit des F/A-18 realisiert. So zum Beispiel durch den Einbau eines Datalinksystems, eines neuen Radar-Warn-Systems, neuer Cockpit-Bildschirme, eines Helmvisiers, etc. Trotzdem sind die F/A-18 modernen gegnerischen Kampfflugzeugen immer weniger ebenbürtig, da sie weder mit einem zeitgemässen Radar oder Selbstschutzsystem ausgerüstet sind, noch über die erforderliche Rechnerkapazität der Bordcomputer verfügen. Das Parlament hat 2017 die Verlängerung der Nutzungsdauer der F/A-18 bis 2030 bewilligt, um eine drohende Fähigkeitslücke zu verhindern und die Zeit bis zur Lieferung der neuen Kampfflugzeuge zu überbrücken. Dieser Auftrag hat Einfluss auf das Flottenmanagement und die Flottenverfügbarkeit.

Einsatz unter grössten Belastungen

Kampfflugzeuge sind im Einsatz grossen Belastungen ausgesetzt, beispielsweise enormen G-Kräfte, intensiven Vibrationen und extremen Temperaturdifferenzen. Der zulässige Einsatzbereich des F/A-18 ist genau festgelegt und wird durch die Schweizer Piloten eingehalten. Flugmanöver wie beispielsweise Sichtluftkampf führen zu einer grösseren Belastung der Flugzeuge als ein Einsatz im Luftpolizeidienst. Die Piloten müssen aber alle Einsatzarten beherrschen. Das Training erfolgt nach dem Grundsatz «train as you fight». Damit die Nutzungsdauerverlängerung des F/A-18 bis 2030 möglich ist, schränkt die Luftwaffe die Anzahl Missionen und Flugmanöver mit hohen Belastungen ein. Einzelne Trainingssequenzen werden, wenn möglich, vermehrt auf Trainingssimulatoren absolviert, um die Kampfflugzeuge zusätzlich zu schonen.

Intensive Wartungsarbeiten

Die F/A-18 der Schweizer Armee müssen regelmässig gewartet werden. Auf den Militärflugplätzen Payerne, Meiringen und Emmen sind täglich Mechaniker im Einsatz, um den Flugbetrieb und den Unterhalt zu gewährleisten. Sie überprüfen die verschiedenen hydraulischen, elektrischen oder elektronischen Systeme, tauschen verbrauchte Filter aus und schmieren Teile. Nebst den Routine-Checks vor und nach einem Flug erfolgen geplante Kontrollen der F/A-18 nach 50, 100, 200, 300 und 600 Flugstunden. Die grossen Kontrollen nach 300 und 600 Flugstunden erfordern eine umfangreiche Demontage des Flugzeugs. Dabei werden alle Systeme kontrolliert, gewisse Bestandteile überprüft und die Struktur des Kampfflugzeugs analysiert. Trotzdem Schichtbetrieb sind die Wartungsarbeiten sehr zeitintensiv und ein Teil der Kampfflugzeugflotte befindet sich stets im Unterhalt.

Wertvolles Ersatzmaterial

Die Ersatzmaterial-Planung erfolgt laufend, basierend auf eigenen Erfahrungen und dem Erfahrungsaustausch mit anderen Betreiberländern. Gewisse Bauteile wie Steuerflächen können relativ einfach ersetzt werden – vorausgesetzt es sind genügend Ersatzteile am Lager. Strukturteile wie Hauptspanten hingegen sind tief in der Flugzeugstruktur drin verbaut. Der Ersatz solcher Bauteile ist durch den Flugzeughersteller meist nicht vorgesehen. Solche Reparaturen benötigen daher einen sehr hohen technischen und finanziellen Aufwand, sind nur durch entsprechend qualifiziertes Personal möglich und dauern von der Beschaffung der benötigten Ersatzbauteile bis zum Abschluss der Reparaturarbeiten in der Regel ein bis mehrere Jahre.